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13. November 2009, 07:06 Uhr

Guttenberg schickt mehr Soldaten nach Kundus

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Entsendung von 120 weiteren Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan angekündigt. Bei seinem Besuch in Kundus wurde der Minister von den Soldaten begeistert empfangen.

Kabul, Guttenberg, Afghanistan

Zwei Wochen nach Amstantritt besucht Verteidigungsminister Guttenberg die deutschen Soldaten in Afghanistan© Michael Kappeler/DPA

Angesichts der verschärften Sicherheitslage im nordafghanischen Kundus stockt der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Eingreifkräfte der Bundeswehr dort deutlich auf. Guttenberg sagte am Freitag bei einem Truppenbesuch in Kundus, Mitte Januar komme eine zusätzliche Einsatzkompanie der Bundeswehr mit rund 120 Soldaten in die Unruheregion. Die Truppen verstärken die dort bereits stationierten 450 Eingreifkräfte - also jene Soldaten, die sich im Ernstfall Gefechte mit den Taliban liefern. Guttenberg sagte vor seiner Rückreise nach Berlin: "Hier ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen." Derzeit sind im Wiederaufbauteam in Kundus rund 1100 Soldaten stationiert, davon 1000 Deutsche und 100 Belgier.

Guttenberg war am Freitagmorgen zu einem aus Sicherheitsgründen nicht angekündigten Besuch in Kundus eingetroffen. Der Minister will sich ein Bild von der Lage in der Region machen, wo am 4. September auf Befehl eines deutschen Obersts zwei von Taliban gekaperte Tanklastwagen bombardiert und dabei bis zu 142 Menschen getötet wurden. Guttenberg war am Donnerstag zu seinem ersten Besuch nach Afghanistan gereist. Kundus ist die letzte Station vor seiner Rückkehr nach Berlin am Freitagabend.

Der Besuch des Verteidigungsministers findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Als Guttenbergs Hubschrauber in Kundus landete, wurde eine Drohne - ein unbemanntes Flugzeug - zur Überwachung der Gegend gestartet.

"Der Einsatz muss auch einmal verzichtbar sein"

Guttenberg hatte am Donnerstagabend in einer Rede vor mehreren hundert Soldaten im Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif gesagt: "Afghanistan wird uns sicher noch eine Weile fordern." Der Einsatz müsse in "absehbarer Zeit auch einmal verzichtbar sein". Dafür müsse Afghanistan aber selbst für seine Sicherheit sorgen können. Die Bundesregierung werde der Regierung des umstrittenen afghanischen Präsidenten Hamid Karsai deutlich machen, "dass uns Lippenbekenntnisse nicht genügen".

Zugleich machte der Minister deutlich, dass er eine Bundeswehr bevorzugt, deren Soldaten auf Gefühl achten. Im Soldatenberuf gehe es eben nicht nur darum, "kühl dem Soldatentum als solches nachzugehen". Emotionen spielten eine wesentliche Rolle. Für ihn selbst sei sein neues Amt ein "Herzensanliegen".

Ehrenmal für gefallene Soldaten besucht

Der deutschen Bevölkerung müsse vermittelt werden, dass Soldaten ihren Beruf mit "hoher Professionalität, aber auch mit Herz reißen". Die Soldaten seien Botschafter des Landes. "Ich glaube, dass unser gemeinsames Vaterland auf sie stolz sein kann. Ich bin es zumindest", betonte der Minister. Er hatte zuvor mit Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan ein im Camp errichtetes Ehrenmal für die im Afghanistan-Einsatz gefallenen Soldaten besucht.

Guttenberg sagte dazu: "Ich bin dankbar dafür, (...) spüren zu dürfen, was Emotionen (...) bedeuten können und bedeuten müssen und, dass wir diese Emotionen zuzulassen haben, um zu wissen, welche Folgen dieser Dienst auch mit sich bringen kann." Mit einem Auslandseinsatz seien höchste Herausforderungen verbunden, aber auch Ängste der Soldaten und ihrer Angehörigen. Die Politik trage die Verantwortung für die Sicherheit und den Schutz der Soldaten.

Einen Tag nach Guttenbergs Besuch in Kabul kam es am Freitag in der afghanischen Hauptstadt zu einem Selbstmordanschlag. Der Chef der Kabuler Kriminalpolizei, Sayed Abdul Ghafar Sayedsada, sagte, drei Afghanen seien bei der Detonation vor einem Militärlager im Osten der Stadt verletzt worden. Der Sprecher des Innenministeriums, Semarai Baschari, sagte, die Gegend sei abgeriegelt worden. Bei dem Lager handelt es sich um das Camp Phoenix an einer Ausfallstraße im Osten der Stadt, das von ausländischen Truppen benutzt wird. Guttenberg hatte Kabul am Donnerstag verlassen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
traldors (15.11.2009, 11:57 Uhr)
Was für ein Unsinn (...)
in Afghanistan herrscht Krieg. Jeder Soldat der dort stirbt, kommt um in einem Krieg der nicht seiner ist/war.
Von "kriegsähnlichen Zuständen" oder "Kampfhandlungen" zu fabulieren, ist einfach grotesk.
Genauso wie die Vorstellung dort eine funkitonierende Demokratie zu "installieren". Diese "Installation" - weil nicht getragen von dem Volk- wird nie funktionieren.
Aber hey, immer schön Geld und Leben anderer opfern, das hat System in unserer und anderer Gesellschaften. Hauptsache es trifft keinen aus den etablierten Rängen.
Weder die Politik begreift das Ausmaß ihres irrwitzigen Handelns noch die Bündnispartner. Es bleibt eine Besetzung eines Landes mit der Absicht, prowestliche Strukturen zu errichten.
Kann nicht funktionieren, 2 Minuten google maps aufrufen und sich als "Hobbystratege" das Elend ansehen. Dann wird klar, warum auch die ruhmreiche Sowjetarmee da kein "Bein an den Boden" bekommen hat.
Und "last but not least" auch die "Schweinerei" in Afghanistan hat der CIA zu verantworten, welche die Taliban gegen die USSR unterstützt hat. Das hier kriegserfahrene Gegner am Werk sind, merkt man daran, wie sehr sich die Bundeswehr im Norden "einigelt". Klever ist das allemal, zumal die "Weisungen" aus Berlin allenfalls ein Leitfaden sind "bitt scheiden sie still und leise aus diesem Leben und gefährden Sie keine Zivilpersonen". Was für ein Elend unsere Soldaten da unten zu "verheizen".
Dirk_37 (14.11.2009, 23:42 Uhr)
@rockiciano
Welchen Eigennutz sprechen Sie denn an? Den der Soldaten?
Kommen Sie bitte, ich kenne einige der Jungs ( sorry, zu meiner Zeit gab´s da nur Männer) die dort ihren Dienst zum wiederholten Mal ableisten müssen und keiner macht das gerne.
Wir können gerne über den Unsinn oder die Unrechtmäßigkeit des Krieges dort diskutieren, ich sehe das sehr differenziert. Aber unsere Soldaten machen einen sehr guten Job und es ist billiges Geplänkel, ihnen sowohl Dummheit als auch ein monitär geleitetes Weltbild unterschieben zu wollen!
rockyciano (14.11.2009, 10:07 Uhr)
@Dirk
Glauben Sie allen Erntes die BW ist zu unserem Schutz in Afghanistan???- Fakten hat doch Recht - der Eigennutz steht doch bei Vielen im Vordergrund.
rockyciano (13.11.2009, 20:00 Uhr)
Unsere Regierung versucht
es mit Suggestion und wenn das nicht funktioniert kommt vielleicht die "Hirnwäsche".-@ BENKKU -schön, dass sie wieder da sind!!!


"


!!-
Logan5 (13.11.2009, 19:48 Uhr)
Ziele nicht erreichbar
Die Ziele dauerhaft eine Demokratie zu erreichen und das Land frei von Terrorcamps zu halten, sind auf Dauer nicht erreichbar. Schon die unter Anwesenheit der Truppen stattgefundene Wahl war gelinde gesagt ein Witz, wie soll das erst nach Abzug der Truppen mal sein? Und Terrorcamps gibt es ebenfalls noch, unter den Augen der Truppen. Da wird sich auch nichts dran ändern, also was will man da noch, wenn die Ziele sowieso unrealistisch sind? Man darf nicht vergessen, dass dort deutsche Soldaten sterben.
Benkku (13.11.2009, 19:27 Uhr)
Ablehnende Begeisterung.
Eindeutig fundiert ablehnende Begeisterung aus all den geduldeten Kommentaren ist hier ersichtlich. Auch die Zensoren haben sich damit abzufinden, daß der Groll gegen das schwarz-gelbe Pack in dem Maße zunimmt, wie es sich mehr und mehr anmaßt und über unsere Köpfe hinweg unbefugt dazu erdreistet, Kriegsabenteuern fremder Gewaltherrschaften im Namen des Volkes zu dienen. Guttenberg und Konsorten mißbrauchen eindeutig ihre Macht, wenn sich in die Angelegenheiten fremder Staaten einmischen und dabei auf ein Mandat berufen, das auf wackeligen Füßen steht.
.
Er reitet so abgeschirmt durch Nacht und Wind.
.

Dieses schwarz-gelbe Pack bringt dem deutschen Volk nichts als Unglück. Mit diesen Laiendarstellern vom Supermarkt der Weltgeschichte nimmt das Unheil seinen Lauf. Glücksritter, die glauben, zusammen mit verbündeten Pleitegeiern am Arsch der Welt große Beute machen zu können. Der Mann, der aufpassen muß, daß ihm sein Monokel nicht in den Kakao plumpst, ist ein dankbares Objekt, im Namen des Volkes eben diesem Opfer für seine zweifelhaften Waffenbrüder aufzubürden. Mir graut's vor diesen 'Helden'. Dem sollten die Talibans mal richtig die Juppe vollhauen. In deren Höhlen ist doch bestimmt noch eine Ecke frei.

Schulse (13.11.2009, 18:40 Uhr)
"kriegsähnlich"
Mich nervt s dermaßen, dass jeder Bundesbürger bereits weiß, dass dort nicht kriegsähnliche Zustände sondern Krieg herrscht. Das wird aber auch erst so genannt, wenn unsere Herren und Meister in der Bundesregierung das auch sagen. Erst dann dürfen wir das auch. Die Hörigkeit der deutschen Bevölkerung widert mich dermaßen an.

Würde mitten ein UFO landen und tausende würdens sehen, dann würde der Rest der Bevölkerung das auch erst glauben, wenn die werte Obrigkeit es offiziell macht.

"Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"
rockyciano (13.11.2009, 16:44 Uhr)
HABT ihr eine Ahnung wer wohl
die Gesetzesvorgaben für den Einsatz der Bundeswehr erarbeitet haben ?!!!
dreicon (13.11.2009, 15:33 Uhr)
Hätte nicht eine unheimlich weise
US-Regierung einen Herrn BinLaden derart trefflich mit Kriegswaffen ausgerüstet, nur um im Machtwettlauf mit der UdSSR scheinbar mitzuhalten, gäbe es keine hochgerüstete ElQuaida. Wären den Warlords und Mudshaheddin nicht Kriegswaffen unvorstellbaren Ausmaßes aus den gleichen Intensionen in den A.... geschoben worden, gäbe es heute keine hochgerüsteten Taliban. Ergo: kein 9/11, kein "Export von Menschenrechten", kein Afghanistankrieg, keine deutschen Soldaten kriegerisch im Ausland. Denn: ohne 9/11 wäre es dem Westen sch...egal gewesen, wie es Frauen und Mädchen in Afghanistan geht!
Malt (13.11.2009, 14:59 Uhr)
@neyzen
Soweit ich weiß ist zu Guttenberg zumindest Reserveofizier der Gebirgsjägertruppe... damit ist er fachlich zumindest für dieses Ministeramt eher geeignet als seine letzten 3 Vorgänger Struck (war glaub' ich garnicht beim Bund),Scharping (nach einem halben Jahr aus der Truppe entlassen wegen Sehschwäche) und Rühe (hatte verweigert).
.
Ich halte es auch gefährlich ehem. Generäle o.ä. auf einen Ministerposten zu befördern... denn hier herrscht oft eine sog. Haus und Hofblindheit... von daher ist mir ein ehem. Leutnant, der den Finger noch eher am Puls der Truppe hat auf einem Ministerposten lieber als ein hochbefähigter General... denn da ist es wie überall sonst auch... je weiter oben, desto weiter weg von denen, die für die Entscheidungen gerade stehen müssen.
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