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17. Dezember 2007, 11:39 Uhr

Deutscher aus Eifersucht entführt?

Schon wieder ist ein Deutscher in Afghanistan entführt worden. Ein 42-jähriger aus Bayern wurde von bewaffneten Männern überfallen und verschleppt. Ein politischer Erpressungsversuch gilt jedoch als unwahrscheinlich. Ein Familiendrama hat wohl zu der Tat geführt. Der afghanische Präsident Karsai verurteilte die Entführung und versprach rasche Aufklärung

Ein afghanischer Soldat hält Wache am Schrein in Herat. Dort wurde vermutlich erneut ein Deutscher entführt© Fahrnaz Karimy/DPA

In Afghanistan ist zum fünften Mal in diesem Jahr ein Deutscher entführt worden. Es handelt sich nach Angaben von ZDF und "Süddeutscher Zeitung" um den 42 Jahre alten Schreinermeister Harald Kleber aus Amberg. Der Oberpfälzer lebt seit 2003 in Afghanistan, ist mit einer Afghanin verheiratet, zum Islam übergetreten und hat den muslimischen Namen Abdul Rahman angenommen.

Herats Polizeichef Mohammad Juma Azim sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa, Bewaffnete hätten am Sonntagabend das Auto mit dem Deutschen, seiner Ehefrau und seinem Schwager gestoppt und Kleber aus dem Wagen gezerrt. Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte die Entführung und versprach rasche Aufklärung. "Kriminelle Handlungen wie diese werden von uns nicht hingenommen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Dem Blatt zufolge wurde Kleber von seinem Schwager am Montag bei der deutschen Botschaft als vermisst gemeldet.

Sorge bei Ex-Arbeitgeber

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, es seien alle maßgeblichen Stellen eingeschaltet worden, um den Hinweisen nachzugehen. "Wir bemühen uns um Aufklärung."

Kleber arbeitete in den Jahren 2003/2004 für die Hilfsorganisation "Grünhelme" in der westafghanischen Provinz Herat, wo er in der gleichnamigen Stadt eine Schreinerwerkstatt betreibt. "Wir haben seit langem keinen Kontakt mehr zu ihm. Selbstverständlich sind wir besorgt um unseren ehemaligen Mitarbeiter und sehr froh und erleichtert, wenn er wieder frei ist", hieß es am Montag auf einer Tonbandansage der in Troisdorf bei Bonn ansässigen Organisation. Nach Schilderung des Vorsitzenden Rupert Neudeck war Kleber auf dem Weg in das Dorf Toteschi in der Provinz Herat, als er entführt wurde.

Seit Anfang Juli dieses Jahres wurden damit insgesamt vier Männer und eine Frau in Afghanistan verschleppt. Erst am 10. Oktober war der deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt nach fast dreimonatiger Geiselhaft frei gelassen worden. Seinen Kollegen Rüdiger D. hatten die Geiselnehmer nach einem Kreislaufkollaps erschossen. Alle anderen Entführungsopfer kamen nach teils kurzer Zeit wieder frei.

Entführter war Kandidat für Landtag

Unterschiedliche Angaben gab es zunächst darüber, ob Kleber mit seiner Frau und möglicherweise mit dem gemeinsamen Kind verschleppt wurde, oder ob die Geiselnehmer nur ihn mitnahmen. Neudeck sagte der "SZ" unter Berufung auf örtliche Mitarbeiter in Afghanistan, Kleber sei mit seiner Familie entführt worden. Nach Angaben von Polizeichef Azim wurden aber die Ehefrau und der Schwager nicht verschleppt. Auch der Chef der Kriminalpolizei für Westafghanistan, Ali Khan Hussainzada, sagte, nur der Deutsche sei entführt worden.

Ein politischer Hintergrund ist nach den Worten der afghanischen Polizei unwahrscheinlich. Es handele sich eher um ein Familiendrama. Nach Angaben der Polizei heiratete er vor zwei Jahren eine afghanische Frau, die sich zuvor von ihrem Cousin getrennt hatte - wohl für den Deutschen. Das sei in der traditionell konservativen afghanischen Gesellschaft hochgradig ungewöhnlich.

Kleber wollte 2003 für die Grünen in den bayerischen Landtag einziehen. Er sei damals als Kandidat in seiner Heimatstadt Amberg vorgesehen gewesen, habe die Kandidatur aber kurz vor der Wahl zurückgezogen, sagten Vertreter der Partei der dpa. Grund für den Rückzug sei ein laufendes Strafverfahren gegen Kleber gewesen. Kurz darauf sei er nach Afghanistan ausgewandert.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Malt (17.12.2007, 13:15 Uhr)
Schon wieder?
Langsam, aber sicher, gewöhnt man sich daran, dass im Ausland Deutsche von extremistischen (oder rein kriminellen?!?) Organisationen entführt werden. Warum geht denn überhaupt noch jemand da hin? Könnte man da nicht eine Art Haftungsausschluss einführen? Denn so sponsert man quasi als Bundesregierung den Terror direkt - da brauch ich auch kein Geldwäschegesetz oder ähnliches, wenn die Regierung alle Nase lang einen Haufen Geld DIREKT an die "Terroristen" überweist!
catchme (17.12.2007, 12:11 Uhr)
Der Mann lebe seit 2003 in Afghanistan und habe in der Provinz Herat eine Schreinerwerkstatt ...
... er hat die Entwicklung also seit 2003 mitbekommen und ist im Lande geblieben ... also waren die Risiken bekannt . Hoffentlich lernt die Bundesregierung aus der Vergangenheit und unternimmt nichts - garnichts ... soll doch die eig. Familie zahlen !
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