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27. September 2007, 08:54 Uhr

Entführte sollten Rudolf B. abholen

Zwei ausländische Mitarbeiter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes sind in der zentralafghanischen Provinz Wardak entführt worden. Laut des IKRK sollten sie die deutsche Geisel Rudolf B. abholen. Bisher hieß es, sie hätten Verhandlungen über seine Freilassung geführt.

Zentrale des Internationalen Roten Kreuzes in Kabul© Rafiq Maqbool/AP

Die in Zentralafghanistan entführten Rot-Kreuz-Mitarbeiter haben nach Angaben des IKRK nicht über die Freilassung der vor mehr als zwei Monaten entführten deutschen Geisel verhandelt, wie berichtet, sondern sie sollten Rudolf B. "abholen". Das erklärte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Genf ohne weitere Details zu nennen.

Die beiden ausländischen sowie zwei afghanische Mitarbeiter des IKRK seien am Mittwochabend dann ohne die Geisel auf dem Rückweg nach Kabul gewesen. Über die Nationalität der beiden verschleppten Ausländer konnte die Sprecherin keine Angaben machen. "Ihr Verschwinden wird wohl nicht mit ihrer Aufgabe zusammenhängen", sagte die Sprecherin. Das IKRK ist in Afghanistan mit rund 60 internationalen Mitarbeitern vertreten. Die Zahl der einheimischen Mitarbeiter und Helfer ist deutlich höher.

Taliban wollen nichts mit der Entführung zu tun haben

Zuvor hatte es geheißen, die Rot-Kreuz-Mitarbeiter hätten vor ihrer Entführung über die Freilassung der seit mehr zwei Monaten entführten deutschen Geisel Rudolf B. verhandelt. Laut des Gouverneurs des Distrikts Jaghato in der Provinz Wardak, Naeem Khan, seien sie auf dem Rückweg nach Kabul gewesen, nachdem die Gespräche gescheitert seien. Auf der Strecke seien sie entführt worden.

Die Taliban wiesen die Verantwortung für die Entführung von sich und machten kriminelle Banden für die Tat verantwortlich. Ein Taliban-Kommandeur in der Region, der anonym bleiben wollte, sagte, auch die radikalislamischen Aufständischen suchten nach den Entführern. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid sagte, die Rebellen respektierten die Arbeit des Roten Kreuzes.

Bitte nach einer Eskorte abgelehnt

Khan sagte, die beiden Ausländer und die zwei Afghanen seien am Mittwoch erst bei Anbruch der Dunkelheit aus Jaghato abgefahren. "Wir sagten ihnen, sie sollten eine Eskorte mitnehmen, weil es eine sehr gefährliche Strecke ist." Die IKRK-Mitarbeiter hätten das unter Verweis darauf abgelehnt, dass sie nicht von bewaffneten Wachen begleitet werden dürfen. Der Gouverneur des Distrikts Saidabad, Enayatullah Mangal, sagte, die beiden Ausländer und die zwei Afghanen seien in seinem Distrikt von Unbekannten verschleppt worden, als sie auf der Schnellstraße von Kandahar nach Kabul unterwegs waren.

In Wardak war Mitte Juli der deutsche Bauingenieur Rudolf B. entführt worden, der seitdem als Geisel festgehalten wird. Ein gemeinsam mit Rudolf B. verschleppter Deutscher war kurz danach erschossen worden.

Einen Tag nach Rudolf B. waren in Wardaks Nachbarprovinz Ghasni 23 Südkoreaner von den radikalislamischen Taliban verschleppt worden. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) hatte mit den Taliban über die Freilassung der Südkoreaner verhandelt. Zwei Männer aus der Gruppe waren zuvor bereits von den Aufständischen erschossen worden. Die letzten südkoreanischen Geiseln kamen Ende August frei.

DPA
 
 
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