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Karsai bestätigt US-Gespräche mit den Taliban

In Afghanistan werden offenbar kleine Schritte Richtung Frieden gemacht: Präsident Karsai hat erstmals offiziell bestätigt, dass die USA mit den Taliban sprechen. Auch die UNO sendet mit neuen Richtlinien versöhnende Zeichen an den Hindukusch.

Die afghanische Regierung hat erstmals direkte Verhandlungen zwischen den USA und den radikal-islamischen Taliban über ein Ende des Krieges am Hindukusch bestätigt. "Es laufen Friedengespräche mit den Taliban", sagte Präsident Hamid Karsai am Samstag in Kabul. "Die ausländischen Militärs und vor allem die USA selbst führen die Verhandlungen." Den Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban liege jedoch noch keine bestimmte Agenda zugrunde, ergänzte Karsai. Zudem habe es auch noch keine direkten Treffen gegeben - es seien aber Kontakte hergestellt worden. Die US-Botschaft in Kabul wollte sich zu den Aussagen Karsais nicht äußern.

Diplomaten haben bereits von monatelangen Gesprächen zwischen den Konfliktparteien berichtet. Die Taliban, die bis zu ihrem Sturz 2001 das Land mit eiserner Hand regiert hatten, bestritten bisher jegliche Verhandlungen. Sie verlangten als Vorbedingung den Abzug aller ausländischer Truppen.

Karsai hat seinerseits wiederholt über Kontakte zwischen Vertretern seiner Regierung und den Taliban gesprochen. Seine Bemerkungen sind jedoch die erste offizielle Bestätigung, dass sich auch die USA direkt an der Initiative beteiligen. Der Krieg in Afghanistan dauert inzwischen fast zehn Jahre. Auch die Bundeswehr ist an dem Einsatz beteiligt.

UN trennt in Zukunft zwischen Taliban und Al Kaida

Auch der Weltsicherheitsrat hatte zuvor mehr Flexibilität im Umgang mit den Taliban angedeutet. Künftig sieht er eine schärfere Trennung zwischen den afghanischen Taliban und dem weltweiten Terrornetzwerk Al Kaida vor. Die UNO beschloss am Freitag, in Zukunft für beide Gruppen getrennte Sanktionslisten zu führen.

Mit den UN-Resolutionen 1988 und 1989 werden Mitglieder der Taliban und Al Kaida künftig auf getrennten Sanktionslisten geführt. Bisher standen sie auf einer gemeinsamen Liste. Die Strafmaßnahmen, wie etwa das Einfrieren von Vermögen oder Reiseverbote, bleiben aber unverändert.

"Ein starkes Signal des Vertrauens"

Mit der neuen Regelung will der Westen auf die unterschiedlichen Strukturen und Zielsetzungen beider Gruppen reagieren: Während Al Kaida vor allem auf den weltweiten "Heiligen Krieg" gegen den Westen abzielt, konzentrieren sich die Taliban auf den Kampf im eigenen Land. Die von den USA angetriebene Initiative ist Teil der Bemühungen, eine Verhandlungslösung für den seit bald zehn Jahren andauernden Krieg am Hindukusch zu finden.

Die verabschiedeten Resolutionen sendeten eine "klare Botschaft an die Taliban", sagte die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice: "Es gibt eine Zukunft für diejenigen, die Al Kaida den Rücken kehren, der Gewalt abschwören und die afghanische Verfassung respektieren." Das US-Außenministerium erklärte, das neue Sanktions-Regime unterstütze die "Bemühungen der afghanischen Regierung um eine Aussöhnung mit Aufständischen, die bereit sind, ihre Beziehungen zu internationalen Terrororganisationen zu kappen". Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig, der dem Sanktionskomitee vorsitzt, sprach von einem "starken Signal des Vertrauens und der Unterstützung des Friedens und der Versöhnungsbemühungen der afghanischen Regierung".

liri/AFP/Reuters/DPA/DPA/Reuters
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