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6. Februar 2008, 17:13 Uhr

"Deutsche müssen töten dürfen"

Deutschland schickt eine schnelle Eingreiftruppe nach Afghanistan. Was kommt auf die Soldaten zu? Werden sie töten müssen? Wie soll die Öffentlichkeit mit dem riskanten Einsatz umgehen? Im Interview mit dem stern sagt ein norwegischer Kommandant, was auf die Deutschen zukommt.

Deutsche Soldaten in Afghanistan: "Bundeswehr muss schon auf feindliche Absichten reagieren können"© Syed Jan Sabawoon/DPA

Im Sommer sollen deutsche Fallschirmjäger und Panzergrenadiere die norwegischen QRF-Soldaten ablösen. Sind die Bundeswehr-Truppen der Aufgabe gewachsen?

Diese Einheiten sind für eine schnelle Eingreiftruppe gut geeignet. Aber sie brauchen ein glasklares Mandat: Sie müssen wissen, was sie dürfen und was nicht.

Im Moment dürfen die deutschen Soldaten in Afghanistan nur schießen, wenn sie angegriffen werden. Reicht das für QRF?

Nein. Für QRF brauchen die Deutschen mehr Möglichkeiten. Sie müssen schon auf feindliche Absichten reagieren können. Nur so kann man unnötige Opfer vermeiden.

Wie meinen Sie das?

Wenn ich mit einer Fahrzeug-Kolonne durch ein Tal fahre und auf den Hügeln oberhalb von uns Taliban auf Motorrädern sehe, die uns beobachten und telefonieren. Dann weiß ich: Die bereiten sehr wahrscheinlich einen Hinterhalt vor. Und dann möchte ich gegen die Typen auf den Motorrädern vorgehen können, bevor uns etwas passiert. Nicht unbedingt mit tödlicher Gewalt, aber wenn es notwendig ist auch damit. Ich will nicht abwarten müssen, bis meine Leute unter Feuer geraten.

Anfang November 2007 lieferten sich norwegische QRF-Soldaten schwere Gefechte mit Taliban, die aus dem gefährlicheren Süden des Landes eingesickert waren. Kann so etwas auch den Deutschen passieren?

Ja, das ist wahrscheinlich. Ich rechne damit, dass die Aufständischen mit Beginn des Frühjahrs wieder aktiver werden.

Was heißt das für die QRF-Soldaten?

Sie müssen sich bewusst sein, dass der Einsatz sie das Leben kosten kann und sie müssen bereit sein zu töten, wenn es die Situation verlangt.

Sollte die Bundeswehr also generell aggressiver vorgehen und sich mehr auf die Niederschlagung der Aufständischen kümmern, als um humanitäre Hilfe wie es US-Verteidigungsminister Gates unlängst gefordert hat.

Die US-Strategie in Afghanistan möchte ich lieber nicht kommentieren. Nur soviel: Die Idee Wiederaufbau-Teams in den Provinzen zu stationieren, stammt ursprünglich von den Amerikanern. Meiner Meinung nach müssen die Isaf-Soldaten beides sein: humanitäre Helfer und Kampftruppe. Beide Aufgaben gehen Hand in Hand.

Trotzdem sprechen deutsche Politiker im Zusammenhang mit Afghanistan immer viel vom Wiederaufbau und wenig vom Kämpfen.

Die deutschen QRF-Einheiten können in Situationen kommen, in denen sie kämpfen müssen. Das muss den Menschen in Deutschland ganz klar sein - und die Politiker, müssen es ihnen erklären. Es nützt nichts, darüber zu philosophieren, wie unwahrscheinlich ein Kampfeinsatz ist. Kämpfen gehört zum Job.

Aber viele Deutsche sind gegen die Afghanistan-Mission. Sie wollen nicht, dass Soldaten der Bundeswehr bei Kampfeinsätzen am Hindukusch ihr Leben riskieren.

Wir sind hier, um diesem Land wieder auf die Beine zu helfen. Dafür haben wir ein Mandat der Vereinten Nationen. Um diese Aufgabe zu erledigen, brauchen die Soldaten die Unterstützung der Bevölkerung zu Hause. Wenn sie die nicht haben, ist das ein ernstes Problem - für die deutschen Soldaten, aber auch für ihre Kameraden aus anderen Ländern.

Warum auch für die Anderen?

Weil sie sich auf die Deutschen verlassen können müssen. Die QRF-Truppe ist die Lebensversicherung für die Isaf-Stützpunkte in Nord-Afghanistan. Die Soldaten dort müssen sich sicher sein können: Wenn es hier brenzlig wird, dann kommen die Deutschen und hauen uns raus.

Sind die Einheiten der anderen Nationen denn glücklich darüber, dass gerade die Deutschen mit ihrer sehr eingeschränkten Lizenz zum Kämpfen die QRF-Truppe übernehmen?

Darüber habe ich mit meinen Kollegen in den lokalen Wiederaufbau-Teams der Isaf bisher nicht gesprochen. Von Soldat zu Soldat ist das Vertrauen sicher da. Aber mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen.

Zur Person

Zur Person Oberstleutnant Kjell Inge Bækken, ist Kommandant der norwegischen Quick Reaction Force (QRF) im nord-afghanischen Mazar e Sharif, dessen Soldaten die Deutschen im Sommer ablösen sollen

Lesen Sie im neuen stern

Lesen Sie im neuen stern "Lizenz zum Töten" - Die Lage in Afghanistan und die Strategie der Deutschen

"Tod eines Soldaten" - Mit kranker Seele kehrte Sebastian H. aus Afghanistan zurück. Wenig später lässt er sich nach einem Raubüberfall von einem Polizisten erschießen

Interview: Steffen Gassel
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
seppmaier (07.02.2008, 00:49 Uhr)
meiner meinung nach...
...wird hier das pferd vom falschen ende her aufgezäumt. das grundgesetz sagt glas-klar, dass die bundeswehr ein armee zu reinen landesverteitigung ist. dass es so mancher politiker, befeuert von den interessen der energie-konzerne und banken anders sehen will und sich einer rechtabenteuerlichen argumentation bedient ist ne andere sache. man könnte es auch landesverrat nennen. raus aus afghanistan!
verdad (07.02.2008, 00:14 Uhr)
VERRÜCKTE MERKEL!
NEIIIIIN! bitte liebe deutscheR Volk aufwachen! ihr durfte das nicht zu lassen Deutschland es weiter eine Marionette von DER USA danach werdet euch wunder warum Deutschland nicht mehr sicher ist
hevosenkuva (06.02.2008, 23:16 Uhr)
@ganzbaf
danke. das kannte ich noch nicht. sehr wahr.
manndernichtdaist (06.02.2008, 22:22 Uhr)
Afghanen platt machen.
Danach Kaffee mit Hillary.
ganzbaf (06.02.2008, 21:41 Uhr)
Knigge für Unbemittelte

Ans deutsche Volk, von Ulm bis Kiel:
Ihr eßt zu oft, Ihr eßt zuviel!
Ans deutsche Volk, von Thorn bis Trier;
Ihr seid zu faul! Zu faul seid ihr!
Und wenn sie euch den Lohn entzögen!
Und wenn der Schlaf verboten wär!
Und wenn sie euch so sehr belögen,
daß sich des Reiches Balken bögen!
Seid höflich und sagt Dankesehr.
Die Hände an die Hosennaht!
Stellt Kinder her! Die Nacht dem Staat!
Euch liegt der Rohrstock tief im Blut,
Die Augen rechts! Euch geht´s zu gut.
Ihr sollt nicht denken, wenn ihr sprecht!
Gehirn ist nicht für kleine Leute.
Den Millionären geht es schlecht,
Ein neuer Krieg käm ihnen recht.
So macht den Ärmsten doch die Freude!
Ihr seid zu frech und zu begabt!
Seid taktvoll, wenn ihr Hunger habt!
Rasiert euch besser! Werdet zart!
Ihr seid kein Volk von Lebensart!
Und wenn sie euch noch tiefer stießen
Und würfen Steine hinterher!
Und wenn sie euch verhaften ließen
Und würden nach euch Scheibe-schießen!
Sterbt höflich
und sagt Dankesehr.
Erich Kästner
ganzbaf (06.02.2008, 21:34 Uhr)
Nur weil die doofe Merkel-Nuss...
ihrem großen Politmafiosovorbild Kohl wahnhaft folgen will:
Immer feste auf dem Weg zur "Großmacht" Teutschland... :-G
Schnaafpaaf (06.02.2008, 21:13 Uhr)
Noch einmal...
dieses Unternehmen in AFG ist keine Benefiz-veranstaltung und auch kein Sportfest. Wir sind mitgegangen, werden mitgefangen und auch mitgehangen, wenn`s ernst wird. Raus aus dem Schlamassel, schnell!
hevosenkuva (06.02.2008, 21:02 Uhr)
Angela Merkel 2008:
Wir schicken eine schnelle Eingreiftruppe, aber nur wenn die nicht schießen muss. Und töten schon gar nicht, nur eingreifen! Ich habe zum Beispiel schon oft eingegriffen, in die Politik der Bundeskanzlerin zum Beispiel oder auch bei Schiesser (Doppelripp), aber geschossen habe ich trotzdem nie!
JoDo (06.02.2008, 20:40 Uhr)
Das Ende der Freiheit
und hoffentlich das Ende der "Eisernen Kanzlerin"!
Warum fangen die Leute bloß immer an außen zu schießen wen Sie es innen nicht bringen?
cklasseking01 (06.02.2008, 20:40 Uhr)
hmmm
Da diese Mission in Afghanistan unter UN-Mandat steht, finde ich es OK, wenn deutsche Truppen auch kämpfen dürfen, um die Bevölkerung vor radikalen Gruppen zu schützen. Leider kommen aber durch die Kämpfe auch Teile der zu schützenden Bevölkerung zu schaden und zum Tod. Daher muß der Kampf eher wie mit einem Skalpell mit gut ausgebildeten Truppen geführt werden und nicht wie das momentan im Süden verläuft.
Der Rest der Soldaten sollte sich nur um den Aufbau kümmern und nur eingreifen, wenn Menschen angegriffen werden.
Das Problem bei uns Deutschen ist eben auch, daß wir durch die 2 verlorenen Weltkriege und die damalige Besatzung der Siegermächte zu Pazifisten erzogen wurden und in den Köpfen (zum Glück) ist, daß Krieg schlecht ist. Und nun will einer der Staaten, der uns das beigebracht hat, daß wir wieder töten sollen. Finde ich etwas paradox!
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