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10. Juni 2004, 11:42 Uhr

Mindestens zehn Chinesen getötet

Im afghanischen Kundus wurden bei einem nächtlichem Feuerüberfall mindestens zehn chinesische Bauarbeiter und ein afghanischer Wachmann getötet. In der Region sind auch über 200 Bundeswehrsoldaten stationiert.

Die Region um das nordafghanische Kundus galt bisher als ruhig: deutsche Soldaten im Gespräch mit Afghanen in der Stadt Boz© Michael Kappeler/DDP

Beim tödlichsten Angriff auf ausländische Zivilisten seit dem Sturz der Taliban sind am Donnerstag in der nordafghanischen Provinz Kundus mindestens zehn chinesische Bauarbeiter getötet worden. Wie der Polizeichef der als bisher relativ ruhig geltenden Region, Mutaleb Beg, mitteilte, erschossen sechs bis acht Angreifer zunächst einen afghanischen Wachmann und feuerten in zwei Zelte, in denen die Chinesen schliefen. Die amtliche Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua sprach von einem "terroristischen Angriff" von 20 Personen.

Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigen könnte. Eine Patrouille der internationalen Truppe ISAF sprach bereits von elf chinesischen Todesopfern und 16 Verletzten. Die Angreifer entkamen. Beg sagte, er vermute Kämpfer des früheren afghanischen Ministerpräsidenten Gulbuddin Hekmatjar hinter dem Angriff. Hekmatjar hat sich mit den Taliban verbündet und geschworen, die Regierung von Präsident Hamid Karsai zu stürzen. Beg wies daraufhin, dass das Wüstengebiet bei Dschalaw Gir, in dem die Bauarbeiter angegriffen wurden, eine Hochburg Hekmatjars gewesen sei.

Zeichen für Ausweitung des Untergrundkampfes

In der vergangenen Woche waren in der nordwestlichen Provinz Badghis drei europäische Mitarbeiter medizinischer Hilfsorganisationen und zwei Afghanen bei einem Angriff getötet worden. Dies könnte ein Zeichen für eine Ausweitung des Untergrundkampfes der Taliban und ihrer Verbündeten vom ohnehin instabilen Süden und Osten auf den bisher eher ruhigen Norden sein.

Beg sagte, das Lager sei nicht eingezäunt gewesen und von den zwei Wachmännern sei nur einer bewaffnet gewesen. "Wir sagten ihnen, sie sollten mehr für die Sicherheit tun. Aber sie sagten, das sei erst später geplant", berichtete er. "Das war ein großer Fehler."

In Kundus sind derzeit Soldaten der Bundeswehr zum Schutz ziviler Aufbauhelfer im Einsatz. Deutschland wird demnächst ein zweites so genanntes regionales Aufbauteam in die Stadt Feisabad entsenden - ebenfalls im Nordosten von Afghanistan. Das hatte Verteidigungsminister Struck erst im April bekannt gegeben.

AP
 
 
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