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7. Januar 2009, 10:00 Uhr

Nato-General will mit Taliban verhandeln

Der deutsche General Egon Ramms hat einen Wechsel in der Nato-Strategie für Afghanistan gefordert. Die Bündnis-Truppen sollten nicht mehr versuchen, das ganze Land zu kontrollieren, sondern sich auf die bevölkerungsreichsten Regionen konzentrieren, forderte Ramms im Interview mit dem stern.

Der 60-jährige General Egon Ramms ist seit Januar 2007 Kommandeur des Allied Joint Force Command der Nato© Michael Urban/DDP

Die Nato-Truppen in Afghanistan sollten nicht versuchen, das ganze Land zu kontrollieren, sondern sich auf die bevölkerungsreichen Regionen beschränken. Das forderte der deutsche General Egon Ramms, der für die Auslandseinsätze des Bündnisses zuständig ist, im Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern.

"Wir müssen nicht das ganze Land flächendeckend einnehmen, sondern dort Sicherheit schaffen, wo der Großteil der Menschen lebt", sagte Ramms. Er ist Nato-Befehlshaber des Allied Joint Force Command, dem auch die International Security Assistance Force (Isaf) in Afghanistan untersteht.

Die Meldungen der amerikanischen Streitkräfte, die oft die Anzahl getöteter Aufständischer wie eine Erfolgsbilanz präsentieren, widersprechen nach Ansicht des Vier-Sterne-Generals "jedem humanitären Denken". "Wir töten doch nicht Aufständische zum Selbstzweck", sagte Ramms dem stern.

Der 60-Jährige lobte die Vorgehensweise der Holländer. Die niederländischen Truppen hätten von Anfang an versucht, mit Verwaltungs-, Entwicklungs- und Landwirtschaftsexperten die Lage der Bevölkerung zu verbessern. Dadurch werde es in Orusgan, der Heimatprovinz des Taliban-Führers Mullah Omar, stetig ruhiger, während die Nachbarprovinz Helmand "noch weit davon entfernt" sei, unter der Kontrolle der Nato zu stehen.

Er warne davor, "alle Aufständischen als Taliban zu bezeichnen", sagte General Ramms dem Magazin. Es sei immer klarer zu trennen zwischen ortsansässigen Aufständischen und eingesickerten ausländischen. "Man müsste die spalten, die einheimischen Aufständischen auf die Seite der Regierung ziehen und mit ihnen langfristig einen Frieden schließen."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 03/2009

Lesen Sie das komplette Interview im neuen stern

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
Dirk_37 (08.01.2009, 17:34 Uhr)
@oetker
Sie haben Recht, ich dachte daß sich die Mujahedin früher auch so nannten. Aber es waren im wesentlichen dieselben Leute, also im Kern trifft meine Aussage zu. Alles außer Commies ist auch richtig, nur so wie sich die Sowiets aufgeführt haben denke ich, hat es auch humanitäre Beweggründe gegeben. Ich halte Krieg generell für schlecht und deshalb bin ich für einen geordneten Abzug der Truppen, allerdings muss eine gewisse Stabilität gesichert sein. Ehrlich gesagt denke ich, sollen sich die Brüder dort doch die Schädel einschlagen wenn sie wollen, mich interessiert es nicht! Im Westen dauerte der Prozeß der Humanisierung /Demokratisierung auch sehr lange, wenn breite Teile der musl. Welt dies nicht möchte- mir egel,jeder wie er will. MfG Dirk
Oetker333 (08.01.2009, 15:29 Uhr)
@ Dirk
Wohl vergessen dass sich die Taliban 1994 gebildet hat! Die Amerikaner haben aber, da hast du Recht, den Mudschaheddingruppen in Afghanistan unterstützt im Krieg gen die UDSSR. Aber das war das damalige Prinzip: Alles außer Kommunismus.
Dirk_37 (08.01.2009, 09:28 Uhr)
knilch/achaz
Ein zweischneidiges Schwert,keine Frage. Aber wie sonst soll die Region zumindest einigermaßen dauerhaft befriedet werden? Mit Taliban redet man nicht? Naja, haben sie aber schon,in den 80ern gegen die Russen, da hat der Westen sogar gerne mit denen geredet. Diese Region wird in absehbarer Zeit keine Oase der westlich geprägten Demokratie werden, ich denke Sie stimmen mir da zu!
Also ist Verhandeln besser als weiter zu töten und sich von den Afghanen zu entfremden. Und wenn das nur mit Taliban geht, dann eben mit Taliban!
Achaz: der Unterschied zu Vietnam ist, das militärisch gesehen die Westkräfte schon gewonnen haben, wenn man bei Krieg überhaupt von Siegern reden kann. Und arbeitslos würde wohl keiner der Soldaten werden, auch klar! Berussoldaten sowieso nicht und bei Zeitsoldaten läuft der Vertrag mal aus, ob am Hindukusch oder in der Heimat:-)
MfG Dirk
knilch_59 (08.01.2009, 00:07 Uhr)
Da muss noch etwas anderes gehen!
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Soso - Ramms ist also der Nato-Befehlshaber des Allied Joint Force Command – Was machen die? Setzen die die Rezepte (=command) fest, damit die aus verschiedenen Zutaten zusammengesetzten Joints (=allied joint) in einer bestimmten Stärke (=force) bleiben? Kann man sich da bewerben? Auf welchem Trip muss man sein, um ernsthaft zu erwägen, mit Taliban zu verhandeln? Das sind Leute, die rücksichtslos darüber bestimmen, dass ihr Land im Mittelalter zu verbleiben hat. Von Reisefreiheit und Versagung medizinischer Behandlung ganz zu schweigen und vom Recht auf Bildung für Frauen ganz abgesehen. Mit solchen Typen redet man nicht – Punkt
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Ja – die Bundeswehr muss raus aus einem Land, von dessen Geschichte und Kultur wir nicht den Hauch einer Ahnung haben. Aber nicht um den Preis, dass die Taliban wieder Raum und Einfluss gewinnen. Das entehrt auch diejenigen Soldaten, die wir dort verloren haben!
Gisella (07.01.2009, 17:43 Uhr)
@Achaz III.
völlig richtig -Ihr Beitrag. Ein verlorener Krieg, der nicht der unsrige ist. -auch die Amis können nicht aufhören. denn der G.W. hat auch ihr Land in eine absolute "Schieflage" gebracht.Also, weiterkämpfen, damit wir den "Terror hier nicht im eigenen Lande bekämpfen müssen"-ein beliebtes Wortspiel Cheneys , Bush , Rumsfeld und alle anderen Kriegstreibern Amerikas.
Malt (07.01.2009, 11:30 Uhr)
Rambo III
Der General hat sich wohl Rambo III und die darin enthaltene Rede des US Colonel Trautman an den russischen Lagerkommandanten angeguckt :-D
AchazIII. (07.01.2009, 10:48 Uhr)
...und das Land gesichtswahrend verlassen
Der General legt nur eine realistische Sicht an den Tag, nachdem der Krieg für die ausländischen Truppen in der ursprünglichen Form schon lange verloren ist. 2001 bei Beginn des Krieges klang das noch anders.
Noch böte sich jetzt als deutsche Truppen die Chance, gesichtswahrend in Afghanistan das Land zu verlassen und nicht etwa wie die USA 1975 in Vietnam als geschlagene Truppe.
Das Problem dürfte jetzt aber sein, wie einst bei den Russen 1990, die die DDR verließen, was tun mit ihnen?
In Deutschland wartet die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit auf die Soldaten.
Möglicherweise müsse sie am Hindukusch weiter kämpfen, nachdem man anderweitig für sie keine Verwendung hat.
 
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