16. April 2012, 08:58 Uhr

Taliban-Angriffe fordern 47 Todesopfer

Bei den koordinierten Taliban-Angriffen in Afghanistan sind nach Angaben des Innenministeriums 47 Menschen getötet worden. Bei den meisten Opfern soll es sich um Aufständische handeln.

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Kabul nach den Kämpfen: Afghanische Polizisten patroullieren die Straßen©

Nach der Serie von Angriffen der Taliban in Afghanistan haben die Behörden die Angabe zur Zahl der Getöteten auf 47 erhöht. 36 Taliban-Kämpfer seien als Selbstmordattentäter oder bei den Einsätzen der Sicherheitskräfte ums Leben gekommen, teilte Innenminister Bismillah Mohammadi mit. Darüber hinaus seien acht Mitglieder der Sicherheitskräfte und drei Zivilisten getötet und 40 Angehörige der Sicherheitskräfte und 25 Zivilisten verletzt worden. 35 Zivilisten, die von den Taliban in einem Gebäude am Parlament festgehalten wurden, sollen sich wieder in Freiheit befinden, teilte der Polizeichef von Kabul, Mohammed Ajug Salangi, mit. Nur eine Frau sei bei der Aktion leicht verletzt worden.

Die radikalislamischen Rebellen hatten am Sonntag mindestens sechs Ziele zeitgleich angegriffen, darunter das Parlament in Kabul und mehrere Botschaften westlicher Staaten. Die Kämpfe in der afghanischen Hauptstadt waren erst in der Nacht zu Montag nach mehr 18 Stunden niedergeschlagen worden. Mohammadi sagte, an den Angriffen an drei verschiedenen Orten in Kabul seien 16 Taliban-Kämpfer beteiligt gewesen. Die meisten von ihnen hätten sich unter einer Burka - dem muslimischen Vollschleier - als Frauen getarnt gehabt. Bei den Gefechten in Kabul war am Sonntag auch die deutsche Botschaft beschossen und beschädigt worden. Diplomaten kamen nicht zu Schaden.

An der Angriffsserie seien "viele Selbstmordattentäter" beteiligt gewesen, teilten die Taliban mit, die vom "Beginn der Frühjahrsoffensive" sprachen. Die Islamisten wollten unter Beweis stellen, dass sie kampffähig seien. In den kalten afghanischen Wintern ziehen sie sich regelmäßig zurück und intensivieren ihre Angriffe auf die Regierung und die NATO-Truppe ISAF im Frühling wieder.

Grüne und FDP fordern neue Verhandlungen mit Taliban

Von den Angriffen im Diplomatenviertel von Kabul war auch die deutsche Botschaft betroffen, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin bestätigte. Er verurteilte die Attacken "in aller Schärfe" und sagte, es gebe "kleinere Sachschäden" auf dem Botschaftsgelände, jedoch keine Verletzten. Die Botschaftsmitarbeiter befänden sich "an einem sicheren Ort".

Verteidigungsexperten der Grünen und der FDP forderten unterdessen einen neuen Anlauf des Westens für Verhandlungen mit den radikalislamischen Rebellen. "Man muss mit allen Taliban-Gruppierungen reden, die verhandeln wollen", sagte Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour der "Rheinischen Post". Dabei müsse die afghanische Regierung die Fäden in der Hand halten, der Westen und insbesondere die USA müssten aber mit am Tisch sitzen.

Auch die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff, sagte: "Natürlich müssen der Westen und die afghanische Regierung mit den Taliban verhandeln." Das Problem sei aber, dass die Taliban keine einheitliche Bewegung seien. Der Westen müsse akzeptieren, dass die Taliban die Paschtunengebiete im südlichen und östlichen Teil Afghanistans repräsentierten. "Diese müssen an der Macht in Kabul beteiligt werden", sagte Hoff.

DPA/AFP
 
 
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