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9. April 2006, 15:19 Uhr

Taliban überziehen das Land mit Anschlägen

Die Sicherheitslage in Afghanistan ähnelt zusehends der im Irak: Beinahe täglich verüben die Taliban Anschläge. Am Wochenende sind nun mindestens vier Menschen getötet und 25 verletzt worden.

Rat- und fassungslose Bevölkerung: Bombenkrater in Kandahar© Ismail Sameem/Reuters

Bei einer erneuten Anschlagsserie in Afghanistan sind am Wochenende landesweit mindestens vier Menschen getötet und 25 weitere teils schwer verletzt worden. Die Welle der Gewalt ist offenbar Teil der jüngst von Taliban-Kämpfern ausgerufenen Frühlingsoffensive. Sie richtet sich gegen die Regierung in Kabul und die Truppen der USA sowie weiterer Nato-Mitglieder - darunter auch Deutschland.

Vor einem Stützpunkt der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) riss ein Selbstmordattentäter einen afghanischen Wachmann und einen Polizisten mit sich in den Tod. Bei dem Autobombenanschlag in der westlichen Stadt Herat seien zudem sieben Afghanen und ein italienischer Zivilist verletzt worden, sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte am Samstag. In Herat sind auch deutsche Soldaten stationiert. Die Region galt als relativ sicher.

In den vergangenen Monaten haben Taliban-Rebellen jedoch ihre Anschläge auf den Westen und Norden Afghanistans ausgedehnt. Der Taliban-Kommandeur Mullah Dadullah erklärte per Telefon, der Anschlag sei von einem Taliban-Kämpfer ausgeführt worden.

Bei einem weiteren Selbstmordanschlag in der östlichen Provinz Paktika starb am Sonntag ein Attentäter, als er einen Stützpunkt der afghanischen Armee nahe der pakistanischen Grenze attackierte. Nach Militärangaben wurden sechs Soldaten verletzt, vier von ihnen schwer. Der Attentäter hatte versucht, mit einem Fahrzeug in das Lager vorzudringen. Daraufhin eröffneten die Soldaten das Feuer, der Wagen explodierte.

Doppelanschlag in Kandahar

Bei einem Doppelanschlag in Kandahar wurden zudem elf Menschen verletzt. Die zwei Sprengsätze detonierten in einem Zeitabstand von etwa 15 Minuten neben einer Straße in der südafghanischen Stadt, wie ein Militäroffizier mitteilte. Drei Soldaten und drei Polizisten seien verletzt worden. Nach Krankenhausangaben wurden zudem fünf Zivilisten verwundet, darunter zwei Kinder. Ein Mann wurde festgenommen und verhört. Zunächst blieb jedoch unklar, wer die beiden Bomben in einem Abstand von 30 Metern an der Straße legte. In der Vergangenheit hatten sich wiederholt Anhänger der gestürzten Taliban-Regierung zu ähnlichen Anschlägen bekannt.

Die Aufständischen kämpfen für einen Sturz der westlich gestützten Regierung in Kabul sowie einen Abzug der ausländischen Soldaten, darunter auch knapp 2700 Bundeswehrsoldaten. Damit stellt Deutschland das größte Kontingent innerhalb der Isaf, die ab Sommer auch die Sicherung des gefährlichen Südens von den USA übernehmen soll. Dort sollen aber vor allem Großbritannien, Kanada und die Niederlande die Federführung haben.

Die Ausweitung des Einsatzgebietes wird in einigen Nato-Staaten kritisiert. Die Kritiker befürchten, die ausländischen Truppen könnten in tödliche Gefechte nicht nur mit Taliban-Anhängern, sondern auch mit rivalisierenden Drogenbanden aufgerieben werden.

 
 
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