. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
31. Juli 2008, 10:02 Uhr

Tod am Hindukusch

60.000 Soldaten aus 40 Nationen kämpfen in Afghanistan gegen die Taliban. Solange aber Pakistan die Kämpfer im Grenzgebiet gewähren lässt, bleibt der Nato-Truppe ein durchschlagender Erfolg verwehrt. Sie muss sich damit begnügen, ihre Toten zu zählen. Von Fidelius Schmid, Kabul

Soldaten der Quick Reaction Force bei einer Gefechtsübung in Afghanistan. Gewaltsame Zusammenstöße zwischen den Taliban und der Schutztruppe ISAF werden immer häufiger© Michael Kappeler/DDP

Zwei frisch gestrichene weiße Blechcontainer mit Fenstern leuchten in der Sommersonne. Rund um einen Gedenkstein hat jemand Topfpflanzen in den Kies gestellt. Drei Flaggen hängen regungslos in der Windstille - fast idyllisch liegt der kleine Komplex am Khaibarpass zwischen Afghanistan und Pakistan unter dem wolkenlosen Himmel, angeschmiegt an die Berge des Hindukusch.

Der Krieg scheint weit weg zu sein. Doch er ist nah. Durch die malerische Bergwelt am Khaibarpass knattern zwei Militärhubschrauber. Amerikanische Soldaten in Kampfanzügen laufen auf und ab. "Seid Ihr hier beschossen worden?", fragt John Craddock. Keine 100 Kilometer entfernt von hier haben Aufständische aus Pakistan einen amerikanischen Vorposten überfallen. Neun US-Soldaten starben. Die internationale Afghanistan-Schutztruppe Isaf räumte den Posten.

Craddock ist ein zierlicher Mann mit randloser Brille, weißen Haaren und vier Sternen an der Knopfleiste seines Tarnanzugs. Er ist der Oberkommandierende der Nato. Normalerweise sitzt er im belgischen Casteau. Einmal im Monat fliegt er nach Afghanistan. Jetzt ist er hier, weil der Krieg des Westens gegen al-Kaida und die Taliban entlang der Grenze zu Pakistan besonders schlecht läuft.

Ein Symbol für den Krieg des Westens in Afghanistan

40.000 Mann umfasst die von der Nato geführte Schutztruppe Isaf inzwischen - doch das hilft wenig, denn der Gegner verkriecht sich immer mehr in den unkontrollierten Tälern jenseits der Grenze und schlägt von dort zu. Mit Sprengfallen, Scharmützeln und Selbstmordanschlägen. Dagegen sollen nun die Blechcontainer helfen. In ihnen surren Klimaanlagen, der Teppich riecht nach Sagrotan, Flachbildschirme übertragen Aufklärungsvideos, Satellitenbilder und Nachrichtenkanäle. Feinste Technik, alles neu. Seit Ende März gibt es den ersten gemeinsamen Koordinationsposten von Nato, Afghanistan und Pakistan. Insgesamt sechs solcher Stationen soll es bald geben, damit sich die drei Armeen beim Kampf gegen die Taliban in der Grenzregion besser absprechen können.

Doch die Station ist auch so etwas wie ein Symbol für den Krieg des Westens in Afghanistan: Zusammen mit dem amerikanischen Antiterroreinsatz schicken 40 Nationen 60.000 Soldaten in ein Land, das so groß ist wie Deutschland und Italien zusammen und für dessen Kontrolle nach Berechnungen des US-Militärs mindestens 400.000 Mann nötig wären. Über 700 Kilometer Gebirge sind zu überwachen - allein im amerikanischen Sektor im Osten Afghanistans. Da werden auch sechs gemeinsame Koordinationszentren nicht viel helfen "Es ist noch nicht ausgereift. Aber es ist ein Anfang", sagt Craddock.

Pakistanische Regierung hat ein Stillhalteabkommen mit den Taliban

Abhilfe könnte nur die pakistanische Regierung schaffen. Doch anstatt die Taliban in den Stammesgebieten zu bekämpfen, hat sie ein Stillhalteabkommen mit ihnen geschlossen. Dagegen ist auch der oberste Kommandeur des mächtigsten Militärbündnisses der Welt machtlos. Craddock muss hoffen, dass der diplomatische Druck auf die Machthaber in Islamabad groß genug wird. Aber auf etwas zu hoffen, das man selbst nicht beeinflussen kann, ist ein Albtraum. Nicht nur für einen General.

Seit Anfang des Jahres sind die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen den Taliban und der Schutztruppe drastisch in die Höhe geschnellt. Die radikalen Islamisten sprengten Hunderte Aufständische aus einem Gefängnis in Kandahar frei, überfielen das Hotel des norwegischen Außenministers und beschossen Ende April eine Militärparade - Präsident Hamid Karsai überlebte. Im Mai und Juni starben in Afghanistan erstmals mehr westliche Soldaten als im Irak. Die Anzahl der Opfer für dieses Jahr nähert sich rapide der Zahl 150. An allen drei Tagen, die Craddock Ende Juli in Afghanistan verbringt, stirbt ein Isaf-Soldat.

"Man braucht Zeit, um einen Aufstand zu besiegen"

"Die Aufständischen gewinnen nicht in Afghanistan", sagt David McKiernan dennoch tapfer. McKiernan ist der Oberkommandierende der Isaf-Truppen in Afghanistan und damit Craddocks Statthalter in Kabul. "Man braucht Zeit, um einen Aufstand zu besiegen", sagt er. Vor seinem Büro im Isaf-Hauptquartier in Kabul hat sich seine Truppe auf eine lange Präsenz eingerichtet. Es gibt einen Fußballplatz, ein Volleyballfeld, ein Thai-Restaurant und einen Garten, in dem gegrillt werden kann.

Die meisten der Soldaten hier erleben den Krieg nur indirekt - sie verlassen das Hauptquartier während ihrer sechsmonatigen Dienstzeit nur, um wieder nach Hause zu fahren. Die schlechten Nachrichten erkennen sie an den Flaggen. Werden sie auf Halbmast gesenkt, gab es Tote in den Reihen der Isaf. Bis vor ein paar Monaten senkten die Verantwortlichen die Flaggen für jedes Gefecht mit Gefallenen drei Tage. Jetzt bleiben sie nur noch einen Tag unten. "So wie es läuft, hätten wir die Fahnen sonst gar nicht mehr hissen können", sagt ein Soldat.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Known (01.08.2008, 02:11 Uhr)
@ecomoc4u
Es dort um latein-amerikanische Staaten nicht um Afghanistan oder afghanische Freiheitskämpfer. Sie mixen das alles mal eben bunt durcheinander. Ein bisschen bin Laden hier, dann ein paar Taliban dort, und dort drüben noch ein paar latein-amerikanische Killerkommandos.
ecomoc4u (01.08.2008, 02:07 Uhr)
@known
weil ich so faul bin, habe ich einfach mal die allererste quelle genommen die ich fand.
.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,165751,00.html
Known (01.08.2008, 01:57 Uhr)
@ecomuc4u
Auch für die Merkbefreiten unter uns: Taliban UNGLEICH Mudschaheddin.
.
"wo wurden die terroisten ausgebildet?"
.
Welche Terroristen meinen Sie?
.
Hätten die USA gewusst, was sich später aus ihrer Unterstützung für die Mudschaheddin entwickeln würde, hätten sie die ganze Sache wohl etwas anders ausgezogen.
.
Soll ich glauben, dass Terroristen in Fort Benning - "Home of the Infantry" - von den USA ausgebildet wurden? Quelle?
ecomoc4u (01.08.2008, 01:52 Uhr)
fakt ist:
wo wurden die terroisten ausgebildet?
.
FORT BENNING,GA,USA.
.
1979 durch cia finanziert, über pakistan ISI wurden taliban auf die russen losgelassen. dann anfang 80er cia/bush und bin laden familie fingen an in grossem stil gelder an osama bin laden zu geben.
.
diese miese geschichte geht noch endlos weiter...
Known (01.08.2008, 00:40 Uhr)
@gmathol
"Nicht vergessen wer die Taliban schuf!"
.
Nicht die USA. Die USA haben die Mudschaheddin damals unterstützt. Die Taliban haben sich aus den Bürgerkriegsflüchtlingen schließlich in Pakistan formiert, Zöglinge der dortigen Koranschulen. Für Sie mag das das Gleiche sein, für Leute die differenziert denken können, nicht.
.
Zum 1000. Mal: In Afghanistan kämpfen auch andere Staaten als die USA: insgesamt etwa 40 Staaten beteiligen sich an der ISAF.
.
Weiterhin bezweifele ich, dass 29,3 Mrd Euro Verteidigungsetat mehr als 53% des Steueraufkommens sind. Ausgabenanteil vom Steueraufkommen: 6,3%
Known (01.08.2008, 00:19 Uhr)
@gmathol
"Deutschland verschwendet 53% seines Steueraufkommens fuer militaerische Zwecke."
.
BLÖDSINN
hamburg123 (31.07.2008, 22:17 Uhr)
Krieg
Dieser Krieg war von Anfang an falsch. Jetzt müssen diejenigen die Suppe auslöffeln, die diesen ganzen Krieg zu verantworten hatten. Dies waren die USA und nicht irgendein anderer Staat. Machen Sie die Augen auf, Known!
Gisella (31.07.2008, 15:00 Uhr)
-?
ist eigentlich nichts Neues mehr in diesem Artikel.erspare mir jeglichen negativen Kommentar.
MEHR ZUM ARTIKEL
US-Demokrat Obama will Kampf in Afghanistan verstärken

Da dürften die Europäer aufhorchen: Barack Obama will im Fall seiner Wahl zum amerikanischen Präsidenten den Krieg im Irak beenden und den Kampf in Afghanistan verstärken. Das könnte auch bedeuten, dass Obama von den Europäern mehr Einsatz am Hindukusch verlangt. mehr...

Aufklärungsflugzeuge Wie man Awacs durch den Bundestag schleust

Nato-Militärs fordern Truppenaufstockungen in Afghanistan. Besonders gefragt: Awacs-Einsätze. Die Besatzungen bestehen aber zu 40 Prozent aus deutschen Offizieren, deren Einsatz vom Bundestag genehmigt werden muss. Da ist eine geschickte Informationspolitik gefragt. mehr...

Weimers Woche Schafft die Wehrpflicht ab!

Deutsche Tornados überm Hindukusch, die Marine vor Libanons Küste, Heerestruppen auf dem Balkan und im Kongo. Der Bundeswehr wird viel zugemutet, zu viel wahrscheinlich. Und das mit einer völlig antiquierten Organisation. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe