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24. Juli 2007, 06:52 Uhr

Tornados spüren zweite Geisel auf

Medienberichten zufolge ist es Bundeswehr-Tornados gelungen, die zweite deutsche Geisel in Afghanistan aufzuspüren. Der Krisenstab bemüht sich derweil um die Freilassung des Mannes, der gesundheitlich angeschlagen sein soll.

Bundeswehr-Tornado in Afghanistan: Aufenthaltsort des Entführten nun bekannt© AP

Die Verhandlungen um die Freilassung des in Afghanistan verschleppten Deutschen dauern an. Nach dem Tod des anderen entführten deutschen Bauingenieurs konzentriere sich die Arbeit des Krisenstabes nun mit voller Kraft darauf, die deutsche Geisel freizubekommen, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin. Die ARD berichtete, der Gesundheitszustand des Ingenieurs sei wegen der Anstrengungen nicht gut. Zumindest am Sonntag habe er noch gelebt, da ein Telefonat mit ihm geführt worden sei.

Nach ARD-Informationen ist der Aufenthaltsort des Entführten den Behörden bekannt. Bei der Lokalisierung hätten auch Aufklärungs-Tornados der Bundeswehr geholfen. Unterdessen soll der Leichnam des in Geiselhaft gestorbenen 44 Jahre alten Bauingenieurs rasch nach Deutschland übergeführt und untersucht werden, um Aufschluss über die Todesursache zu erhalten.

Laut "Spiegel online" weist die Leiche mehrere Einschüsse in der Brust auf. Das hätten Beamte des Bundeskriminalamts nach einer ersten Untersuchung am Sonntagabend in Kabul nach Berlin gemeldet. Ob der Mann durch die Kugeln starb oder bereits tot war, als auf ihn geschossen wurde, ist noch unklar. Der Mann litt an Diabetes. Er hinterlässt eine Frau und einen Sohn in Wismar.

Neue Forderung gestellt

Die radikal-islamischen Taliban stellten eine neue Forderung für die Freilassung des angeblich von ihnen entführten deutschen Ingenieurs. Da die Bundesregierung einen zunächst geforderten Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ablehne, wollen sie nun die Freilassung von zehn Taliban-Kämpfern aus afghanischer Haft erreichen, sagte Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi. Das Auswärtige Amt wollte sich zu der neuen Forderung der Taliban am Montagabend nicht äußern.

Ahmadi behauptete, eine der am Wochenende von den Taliban als tot gemeldete deutsche Geiseln und vier mitgefangene Afghanen seien noch am Leben. Es gibt allerdings erhebliche Zweifel daran, dass sich die Geiseln jemals in der Hand der Taliban befanden. Experten vermuten, dass die Entführung auf einen Stammeskonflikt mit kriminellem Hintergrund zurückgeht und die Rebellen die Geiselnahme für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Auch die Bemühungen der afghanischen und südkoreanischen Regierung um eine Freilassung der 23 von den Taliban entführten Südkoreaner liefen auf Hochtouren. Die Regierung halte über verschiedene Kanäle "indirekten oder direkten" Kontakt zu den Geiselnehmern, sagte ein Regierungsbeamter in Seoul. Die Taliban verlängerten am Abend ihr Ultimatum abermals um 24 Stunden. Die südkoreanische Regierung erklärte jedoch, weder sie noch die Regierung in Kabul sei über eine Verlängerung informiert worden.

Diskussion über Bundeswehr-Einsatz

Unterdessen sprach sich der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold dafür aus, dass deutsche Soldaten in Afghanistan von ihnen ausgebildete Einheiten der afghanischen Armee auch in den Süden des Landes begleiten dürfen. "Ich bin dafür, das generelle Verbot aufzuheben", sagte Arnold der "Frankfurter Rundschau". Vielmehr müsse in jedem Einzelfall entschieden werden, ob Ausbildungsstand und Einsatzart eine solche Begleitung verantwortbar erscheinen ließen.

Seine Fraktionskollegin Petra Hess forderte eine personelle Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr im Rahmen des Ifor-Mandates. "Wir können gar nicht raus", sagte die Politikerin nach ihrer Rückkehr aus Afghanistan der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeinen". Notwendig sei eine Beschleunigung des zivilen Aufbaus, um den Taliban den Boden zu entziehen. Dies sei allerdings nur möglich, wenn die Aufbauhelfer auch geschützt werden. Eine deutliche Verstärkung auch der deutschen Truppen sei deshalb unumgänglich.

Dagegen forderte der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels im "Kölner Stadt-Anzeiger" einen Kurswechsel beim Afghanistan-Einsatz. "Es muss sich was ändern, sowohl beim zivilen Aufbau als auch bei der Struktur der Mandate." Der Bundestag stimmt im Herbst über drei Mandate ab: die Beteiligung an der Isaf-Truppe, den Einsatz von Tornados sowie die Teilnahme am US-geführten Anti-Terrorkampf.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Aurum (26.07.2007, 03:46 Uhr)
Befreiung?
Warum befreit das Heer nicht die Geiseln? Gibt es keinen Deutschen General, der ein Arsch in der Hose hat und sich nicht von Politikern knebeln lässt? Frankreich hätte schon längst ein paar Legionäre an den Krisenherd gesandt um dem ein Ende zu setzen.
germinal (25.07.2007, 12:59 Uhr)
Wünschenswert...
...wäre es auch in meinen Augen, daß das KSK genau die Aufgabe wahrnimmt, für die sie ausgebildet wurden, nämlich Geiselbefreiung.
Hier ein Signal zu setzen, halte ich für die Zukunft der Aufbauhilfe in Afghanistan für zwingend notwendig.
woris (24.07.2007, 17:01 Uhr)
Afghanistan
Das muss vom Volk ausgehen.Wer Staudämme baut und von Verbrechern entführt wird, hat seine Kraft an die falschen Leute vergeudet.
Dieses Land ist verloren.Wir haben auch nicht 200 Jahre Zeit zu warten auf die Einsicht der Fanatikern.
Das Wort "Stämme" sagt doch schon alles.Die sind sich doch selber spinnefeind.
Schade um jedes Menschenleben.
testsieger2006 (24.07.2007, 12:53 Uhr)
Einsatzbefehl an die KSK
Wenn unsere Gutmenschen doch genau wissen, wo sich diese Verbrecher befinden, verstehe ich nicht, warum nicht schon längst ein Kommando unterwegs ist. Die fürchten sich wahrscheinlich vor der zu erwartenden hohen Anzahl toter Kidnapper.
provocateur (24.07.2007, 11:22 Uhr)
Deutsche Soldaten und Politiker - Memmen?
So, die Bundeswehr weiß also genau, wo sich die zweite Geisel befindet, der es allem Anschein nach so schlecht geht, daß dringend ärztliche Versorgung geboten ist. Was soll man da noch verhandeln, nachdem die erste Geisel bereits getötet wurde? "Liebe Taliban, wir bitten Euch, mit der Geiselnahme doch bitte aufzuhören." Ich würde da mal ein paar Fallschirmspringer absetzen und die Erdhöhle umstellen... Das würde ich mir als Geisel in dem Zustand jedenfalls wünschen. Wenn ich sowieso draufgehe, dann lieber so. Das würde auch ein deutliches Signal an die Taliban sein, daß die Bundeswehr auch anders kann, als den lieben Onkel aus dem Westen zu spielen. Ich dachte eigentlich, der militärische Auftrag sei, den Terror zu bekämpfen. Das wäre doch mal eine Gelegenheit...
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