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Ugandas Hexenjagd auf Homosexuelle

In Deutschland geht es um Adoptionsrechte für homosexuelle Paare, in Uganda werden Schwule und Lesben von den Medien zwangsgeoutet - und leben in Existenzangst. Ein Gespräch mit Kasha Nabagesera.

Frau Nabagesera, Deutschland diskutiert ziemlich abgeklärt und unaufgeregt über die Gleichstellung homosexueller Menschen. Ist das eine Art Wunderland für Sie?
Nein. Alle Menschen sind gleich. Trotzdem haben sie auch in Deutschland nicht gleiche Rechte. Ein gleichgeschlechtliches Paar darf zum Beispiel keine Kinder adoptieren. Warum sollte ich also von einem Wunderland sprechen? Deutschland vollzieht nur überfällige rechtliche Anpassungen.

Gibt es ein Land, das Sie für seinen liberalen Umgang mit Homosexuellen bewundern?
Ja, Island zum Beispiel. Und auf meinem Kontinent ist es Südafrika. Dessen Verfassung ist in der Frage der Gleichbehandlung sehr fortschrittlich.

Wie ist die Situation in Uganda?
Homosexualität steht unter Strafe, am liebsten würde die Regierung die Todesstrafe dafür verhängen und es auch strafbar machen, allein nur über Homosexualität zu reden. Homosexuelle werden verfolgt, ausgegrenzt, geschlagen, es ist einfach gefährlich, so zu leben. Die Medien veröffentlichen Fotos und Namen von Schwulen und Lesben, sie sind Sündenbock für alles, was im Land schief läuft. Andererseits wird offiziell nicht über Safer Sex oder HIV geredet, weil das als Propaganda für Homosexualität angesehen wird. Deswegen ist es schwer, darüber aufzuklären.

Wer ist hauptverantwortlich für die Hetze gegen Schwule?
Vor allem die religiösen Fundamentalisten, egal ob sie christlich oder muslimisch sind. Im Hass auf Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intersexuell sind, treffen sich alle. Wobei die Evangelikalen, die aus Amerika finanziert werden, besonders radikal sind. Und der Staat unterstützt sie. Als ein Bischof kürzlich über Homosexuelle sagte: "Sie sind auch Gottes Kinder", wurde er kurzerhand exkommuniziert.

Sie sind nicht, wie viele andere Homosexuelle, aus dem Land geflohen, sondern leben dort. Wie geht das?
Natürlich ist mein Leben sehr limitiert. Ich kann nicht einfach rausgehen und mich ins Café setzen. Meistens bin ich in meiner Freizeit isoliert, weil ich Angst habe, in die Öffentlichkeit zu gehen. Manchmal treffe ich Freunde, denen ich traue. Ich habe viele Drohungen bekommen. Manche wollen mich zusammenschlagen. Andere drohen mit Vergewaltigung, um mir zu zeigen, wie eine Frau zu sein habe.

Trotzdem haben Sie im vergangenen Jahr eine Art öffentlichen Christopher Street Day abgehalten. Was ist danach passiert?
Die Polizei hat uns verhaftet. Unter dem Vorwand, hier würde eine Schwulen-Hochzeit zelebriert. Aber das konnten sie nicht belegen. Und sie haben unterschätzt, wie gut vernetzt wir sind. US-Außenministerin Hillary Clinton war zu diesem Zeitpunkt noch im Land, weil sie unsere Bewegung mit einem Menschenrechtspreis ausgezeichnet hat. Sie wartete am Flughafen in Kampala auf ihre Maschine, wir sorgten dafür, dass sie unterrichtet wurde. Nach drei Stunden waren wir wieder frei.

Benutzen Sie die Regenbogenfahne als Kennzeichen?
Ja. Auch wenn die meisten Menschen in Uganda nicht wissen, wofür sie steht. Die Anti-Gay-Bewegung weiß es natürlich genau.

Sie haben den Preis für Zivilcourage des CSD bekommen, der deutsche Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hielt die Laudatio auf sie. Was bedeutet ein solcher Preis für Sie?
Viel. Es ist eine Anerkennung meiner Arbeit, eine große Motivation. Und solche Preise schützen nicht nur mich, sondern auch meine Community.

Was können Entwicklungshelfer, aber auch ganz normale Menschen tun, um Sie zu unterstützen?
Uns fehlt vieles, Geld natürlich, aber auch Leute, die Webseiten aufbauen und gestalten können, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Aber es sind auch die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben, weil die dafür sorgen, dass wir weiter gehen können. Wenn ich morgens einen freundlichen Gruß auf Facebook lese, habe ich die Drohungen aus der Nacht schon wieder halb vergessen.

Lutz Kinkel

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