18. Januar 2013, 17:33 Uhr

Armee nimmt ersten Geiselnehmer gefangen

Noch immer verschanzen sich Islamisten auf dem Gasfeld in der algerischen Wüste. Ein Geiselnehmer ist dem Militär in die Hände gefallen. Der Drahtzieher des Überfalls stellt neue Forderungen.

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Auf dem Gelände der Gasanlage in Algerien halten sich noch immer Geiselnehmer verschanzt©

Algerische Einsatzkommandos haben bei der Erstürmung der von Islamisten besetzten Industrieoase In Aménas einen der Geiselnehmer gefangen genommen. Der Mann habe bei einem "harten Verhör" ausgesagt, dass sein Kommando aus 32 Kämpfern der Brigade "Die mit dem Blut unterschreiben" bestanden habe, berichtet die algerische Zeitung "El Watan". Die Brigade wird von Mokhtar Belmokhtar geführt, der in der al Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) zum "Emir" aufgestiegen war.

Die Militärs hätten sieben Hubschrauber eingesetzt, schreibt "El Watan". Sie überflogen das Gebiet auf der Suche nach Beschäftigten des Werks, die sich vor den Islamisten versteckt hätten.

Die algerische Agentur APS meldete, 18 Islamisten seien "außer Gefecht gesetzt" worden. Die Geiselnehmer waren nach algerischen Angaben auch mit Raketen und Granatwerfern bewaffnet. Sie wollten Ausländer gefangen nehmen und nach Mali verschleppen, um die am Mali-Einsatz beteiligten Länder unter Druck zu setzen. Eine Gruppe Islamisten verschanzt sich noch mit mehreren Geiseln im Industriekomplex der Oase. Wie viele Geiseln sie tatsächlich haben, ist unklar.

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Die Geiseln wurden an der Grenze zu Libyen genommen. Das Erdgasfeld liegt im traditionellen Gebiet der Tuareg.©

Drahtzieher fordert Gefangenenaustausch

Belmokhtar forderte unterdessen Verhandlungen über den Einsatz Frankreichs in Mali sowie einen Gefangenenaustausch. Die mauretanische Nachrichtenagentur ANI zitierte am Freitag aus einem Video des Islamistenführers, in dem dieser Frankreich und Algerien auffordert, über ein Ende des Mali-Einsatzes zu "verhandeln". Zudem schlägt er darin vor, die von seiner Gruppe "Die mit Blut unterzeichnen" festgehaltenen US-Geiseln im Gegenzug für einen in den USA inhaftierten Ägypter sowie eine Pakistanerin freizulassen.

Der Ägypter war 1995 in den USA wegen Plänen zu Angriffen auf Ziele in New York sowie zum Mord an dem damaligen ägyptischen Staatschef Husni Mubarak zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Pakistanerin, eine Wissenschaftlerin, sitzt ebenfalls wegen Terrorvorwürfen in den USA in Haft. Sie soll versucht haben, 2008 in Afghanistan auf US-Soldaten zu schießen.

Neben Kämpfern aus Mali, Niger, Ägypten, Algerien, Mauretanien und anderen islamischen Staaten gehörte dem Kommando von In Aménas den Islamisten zufolge auch ein Dschihadist aus Kanada an. Die Aktion war offenbar monatelang für den Fall vorbereitet worden, dass Frankreich im Mali-Krieg eingreift. Die Täter kannten sich laut Überlebenden gut auf dem Gelände aus und waren mit Armeeuniformen getarnt.

65 Ausländer wurden befreit

Die islamistischen Kämpfer hatten am Mittwoch auf einer Gasanlage in Algerien nahe der Grenze zu Libyen hunderte Geiseln genommen, darunter dutzende Ausländer. Die algerische Armee startete am Tag danach eine Befreiungsaktion.

Bei dem Militäreinsatz wurden mehr als 65 Ausländer befreit. Insgesamt seien 639 Geiseln freigekommen, "darunter mehr als die Hälfte der 132 ausländischen Geiseln", berichtete die Nachrichtenagentur APS unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die Islamisten gaben an, bei dem Einsatz seien 34 Geiseln und 15 Geiselnehmer getötet worden. Aus Sicherheitskreisen verlautete, die von den Islamisten verbreiteten Zahlen seien "frei erfunden".

Der britische Premier David Cameron sagte nach einem Gespräch mit Algeriens Regierungschef Abdelmalek Sellal, die algerische Armee suche auf der Anlage weiter nach "Terroristen" und weiteren Geiseln. Großbritannien, Norwegen, Japan und die USA beklagten, dass Algerien sie nicht vorab über den Einsatz informiert habe. Das ebenfalls betroffene Frankreich stellte sich allerdings gegen den Chor der Kritiker. Die Algerier seien mit einer sehr komplexen Lage konfrontiert, erklärte das Pariser Außenministerium.

mlr/AFP/DPA
 
 
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