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2. August 2008, 12:23 Uhr

Das Prinzip Hoffnung

Obama lässt sich am Montag in dieser Woche vom Oberkommandierenden der US-Streitkräfte im Irak, General David Petraeus, bei einem Hubschrauberflug über die Außenbezirke von Bagdad die militärische Lage in der Hauptstadt erklären© SSG Lorie Jewell/AP

Die Suche beginnt in einem Kinderzimmer in der Tujunga Avenue in Studio City, Kalifornien. Abends um halb sieben, wenn sich die Hitze verzieht und die Nation sich vor dem Fernseher einfindet, beginnt Joshua Steele, 14, seinen Wahlkampf für Obama. Er schreibt seinen Obama- Blog und lädt sich Namen aus dem Internet und greift zum Telefon, Anruf Nr. 1239, nach Cincinnati, Ohio: "Mein Name ist Joshua Steele. Wissen Sie schon, wen Sie im November wählen?" - "Nein", sagt der Mann, der nicht ahnt, wie jung sein Anrufer ist. Dann erklärt Joshua ihm die Politik Obamas, den Krieg und sein Leben und erhält schließlich die Zusage, die er ersehnt: "Ich wähle Obama."

Joshua macht einen Haken hinter dem Namen - Bradley, 24 Jahre, männlich. "Ich habe eine Erfolgsquote von 85 Prozent", sagt er. "So verbringe ich meine Freizeit. Ich glaube, dass wir die Welt verändern können." Sätze, an denen Zyniker ihre Freude haben, aber für Zyniker ist in Obamas Wahlkampf kein Platz.

Neben ihm sitzt seine zehnjährige Schwester Harriett. Auch sie rief Wähler im ganzen Land an, doch ihre Eltern fanden, dass ihre Stimme etwas zu jung klang. Also schreibt sie nun ihren Obama-Blog. Harriett ist Teil der Gruppe "Kids für Obama". Es gibt auch "Jazzfreunde für Obama" und "Wassertherapeuten für Obama".

"Wir sind der Wandel, den wir suchen"

Die Geschwister Steele haben in der Wohnung ihre eigene Wahlkampfzentrale aufgebaut. Sie schicken Ketten-E-Mails, schreiben an Senatoren und tätigen Anrufe, bis nach Guam. "So funktioniert Politik im 21. Jahrhundert", sagt Joshua. "Wir nehmen Obamas Aufruf wörtlich: This is our time." Das ist ihre Zukunft. Eine neue Welt ohne Krieg, Klimakatastrophe und Diskriminierung. Sie sehen sich als erste Generation, in der Hautfarbe keine Rolle spielt, in der die Menschheit eins wird.

Hört man Joshua und anderen Jugendlichen zu, klingt es, als wäre es ein Leichtes, diesen Giganten Amerika ins Rollen zu bringen. Zum ersten Mal sehen sie sich im Angesicht einer Revolution. Sie feiern das Revival eines Wortes, das seit dem "Summer of Love" vor 40 Jahren begraben lag: Grassroot power, die Macht, die von unten kommt. Sie reden vom "Wind of Change" und der Neugeburt Amerikas, Begriffe wie aus Zeiten der Perestrojka. Doch ihr Gegner ist nicht ein politisches Regime, sondern das Alte, Verbrauchte, dieser Anachronismus: ihr buntes Land in den Händen alter weißer Männer.

Der 14-jährige Joshua Steele wirbt per Telefon um Stimmen für Barack Obama© Brad Swonetz/Redux

Die Obama-Kampagne hat Millionen junger Wähler angezogen, 80 Prozent von ihnen hatten mit Politik nie etwas am Hut. Obama-Jünger kündigen ihre Jobs für ein Jahr, sie reisen wie Missionare durch die "Swing States", die hart umkämpften Bundesstaaten, im Gepäck ihren Schlafsack und Wahlplakate, auf denen nicht viel mehr zu sehen ist als ein strahlender Obama und daneben seine Schriftzüge, Sätze für die Ewigkeit: "Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben", "Wir sind der Wandel, den wir suchen". Plakate wie von Gandhi. King. Mandela. Schon jetzt befindet sich Obama in einer Kategorie globaler Helden, ohne auch nur eine politische Großtat vollbracht zu haben.

Das Massenprodukt "Obamamania"

Yvonne Miller hat ihr Jurastudium für Obama unterbrochen, ein ganzes Jahr lang. Sie zog nach Pennsylvania, wo sie mit zehn anderen kostenlos im Haus einer Managerin wohnte, deren republikanischer Ehemann morgens über die vielen Körper und Matratzen stolperte. Wenn sie davon erzählen, hat es einen Hauch von 68, doch das Motto lautet eher: All you need is Obama. Während die Eltern Blumen in den Haaren trugen, tragen sie Wählerlisten in den Händen. Während es ihren Eltern um die Verwirklichung ihres Selbst ging, geht es ihnen um die Verwirklichung eines neuen Landes. Warum sollten sie wie die Babyboomer den Marsch durch die Institutionen antreten, wenn ihr Marsch direkt ins Weiße Haus führt?

Obamamania ist längst ein Massenprodukt, das wie iPods oder HipHop vor allem über die Jugend funktioniert. Es ist die Wiederentdeckung von Politik als coolem Ort, als Singletreff, nicht anders als ein Fanklub. Und sie nutzen die Gesetze der "American Idol"-Generation: Nicht die Erfahrung führt auf den Thron, die Parteitreue, das Mobben, sondern Lächeln, Charisma, Aussehen, Starpower. Für sie ist Obama kein Politiker. Eher ein Motivator. Ein Mentor. Sie unterstützen den Menschen Obama, nicht den Demokraten.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 31/2008

 
 
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KOMMENTARE (1 von 1)
 
gmathol (03.08.2008, 00:06 Uhr)
Das Prinzip Hoffnung truegt...
...auch Obama schwenkt wie seine demokratischen Parteigaenger voll auf die Bush Linie ein. Krieg mit Iran - kein Problem, wenn israel das anordnet. Abhoeren der US Buerger - kein Problem. Letztes Umfallen war die Eroeffnung weiter Gebiete fuer die Oel Exploration.
Die Demokraten werden im November wieder darueber "raetseln" warum sie wieder nicht ihren Kandidaten ins Weisse Haus brachten und obendrein noch eine Schrumpfung ihrer Mehrheit in beiden Haeusern in Kauf nehmen mussten.
Obama hat die Menschen betrogen die fuer ihn in den Primaries stimmten, diese werden nun entweder nicht waehlen oder fuer die Kandidaten der anderen Parteien stimmen.