. .
News am 03.06.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
3. September 2008, 17:21 Uhr

Palin und die Detektive

Wann wusste der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain was über seine Vize Sarah Palin? Haben seine Berater bei der Prüfung der Kandidatin versagt? Oder setzte McCain bewusst auf Risiko? Von Tobias Betz

Viele ungeklärte Fragen: McCain schweigt über den genauen Ablauf der Nominierung seiner Vizekandidatin Sarah Palin© Joe Raedle/GETTY IMAGES

Für McCain ist die Sache bereits erledigt. "Mein Nominierungsverfahren war sehr gründlich, und ich bin dankbar für das Ergebnis", sagte der Kandidat der Republikaner. Und entschwand. Doch so schnell wird McCain die lästigen Fragen zu seiner Stellvertreterin Sarah Palin wohl doch nicht loswerden. Denn die Zweifel an seiner Sorgfalt im Auswahlprozess bleiben bestehen: Wie genau ließ McCain die Gouverneurin von Alaska überprüfen, bevor er sie zu seiner Vizekandidatin kürte? Und wann genau wurde McCain über die Schwangerschaft von Palins 17-jähriger Tochter informiert?

Nach einem Bericht der "Washington Post" wurde Palin erst am vergangenen Donnerstag, also einen Tag vor ihrer Nominierung, von McCains Beauftragtem für die Vizesuche, Arthur Culvahouse, persönlich befragt. Erst bei diesem Treffen habe Palin auch die Schwangerschaft ihrer Tochter eingeräumt. Offenbar störte sich keiner daran. Die Berater von McCain weisen alle Schuld von sich, die Wahl sei überhastet und schlampig verlaufen. Die Entscheidung für Palin sei nach einem intensiven Meinungsaustausch im engsten Beraterzirkel von McCain gefallen.

McCain soll alles gewusst haben

"Während des wohl durchdachten Nominierungsprozesses eines Vizekandidaten haben alle politischen Berater ihre Pro und Kontra-Positionen über alle möglichen Kandidaten Senator John McCain gegenüber erklärt", sagte McCains Stratege Steve Schmidt der "Washington Post". McCain selbst habe Palin erst am Donnerstagmorgen in seinem Domizil in Sedona im Bundesstaat Arizona, empfangen. Davor hatte er mit ihr lediglich telefoniert. Einen Tag zuvor traf sie auch Top-Berater Steve Schmidt.

McCains Team behauptet, dass sie schon vor dem Treffen genügend Informationen über Palin gesammelt hätten, darunter auch alle Details über die Untersuchung des Parlaments in Alaska zu einem möglichen Amtsmissbrauch durch die Gouverneurin. Daneben habe Palin einen Fragebogen mit zum Teil sehr persönlichen Fragen ausgefüllt. Laut dem Nachrichtensender "CNN" wurden auch die anderen Kandidaten gebeten, diesen Fragebogen auszufüllen. Sie wurden aufgefordert, unter anderem Angaben über Haushaltspersonal, Seitensprünge und eventuelle Drogen- und Alkoholsucht zu machen. Unklar ist jedoch, ob McCains Team den ausgefüllten Fragebogen von Palin schon vor dem Treffen in Arizona erhalten hatte. Aus dem Umfeld des Republikaners hieß es dazu, man wolle keine näheren Details dazu an die Öffentlichkeit geben.

Doch scheinbar waren die Berater doch nicht so gut informiert, wie von ihnen behauptet. Denn erst die Gespräche am Mittwoch und die Antworten zu dem Fragebogen hätten McCains Team über die Schwangerschaft von Palins Tochter in Kenntnis gesetzt. Auch die frühere Verhaftung ihres Ehemanns wegen Trunkenheit am Steuer und ein Bußgeldbescheid für Palin wegen Fischens ohne Genehmigung waren McCains Leuten nicht bekannt. Trotz der neuen Erkenntnisse gaben sie aber ihre Zustimmung zu Palin.

Was nach einer hastigen Suche in letzter Minute aussieht, begann eigentlich schon im Frühjahr dieses Jahres. Als McCains Präsidentschaftskandidatur im Februar feststand, erhielt seine Prüfkommission für einen Vize zunächst eine Liste mit 20 Namen. Zu jedem wurde eine umfangreiche Akte mit Informationen angelegt. Später wurde die Suche nach einem Stellvertreter auf sechs Personen eingegrenzt, am Ende blieben mit Pawlenty und Palin nur noch zwei übrig.

Steuererklärungen der letzten sieben Jahre

Die letzten sechs Kandidaten mussten ihre Steuererklärungen der letzten sieben Jahre einreichen, ihre Kreditwürdigkeit wurde überprüft. Zusätzlich mussten sie den Fragebogen mit 70 Fragen ausfüllen. Zu einem Sicherheitscheck durch das FBI kam es jedoch nicht. Die Prüfkommission hätte zwar gerne einen solchen durchführen lassen, jedoch lehnte das FBI ab, da eine solche Überprüfung nur für hohe Staatsämter vorgesehen ist.

Doch noch immer bleiben wichtige Details zum Nominierungsverfahren offen. Und das soll auch so bleiben. Top-Berater Schmidt ließ nun verkünden: "Die McCain Wahlkampagne wird unseren langen und gründlichen Nominierungsprozess nicht weiter erläutern." Auch die Vizekandidatin selbst beteiligt sich nicht an einer weiteren Aufklärung. Sie verschanzt sich momentan in ihrem Hotel in Minneapolis. Alle öffentlichen Auftritte sagte sie ab, es hieß, sie wolle noch an ihrer Rede für den Parteitag arbeiten. Nach Angaben der "Washington Post" macht sie dies jedoch nicht allein. McCains Beraterteam schaut ihr über die Schulter und bereitet den Text mir ihr zusammen vor. Diese sollen sich aber noch uneinig sein, ob Palin in ihrer Rede auf die Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter eingehen soll. Man plane, so die "Washington Post", Palin auf dem Parteitag am Mittwoch als Reformerin und Energieexpertin zu präsentieren.

Der Zustimmung auf dem Parteitag dürfte sie sich aber schon jetzt sicher sein. Demonstrativ stellten sich alle Parteitagsredner jetzt hinter die Gouverneurin aus Alaska. Auch die republikanische Basis scheint weiterhin an Palin festzuhalten. Doch McCain muss weiter bangen, wie die Gerüchte und Enthüllungen um Palin draußen beim Wähler ankommen. McCain setzte mit dieser Wahl auf Risiko, jetzt muss er warten, ob sein gewagtes Spiel auch aufgeht. "Die Wahl Palins ist entweder brillant oder ein kolossaler Fehler von McCain", meint Charles Cook, Kommentator der "Los Angeles Times". "Sagen die Leute, sie ist eine normale Person, die sich mit Problemen herumschlägt, ähnlich wie wir? Oder sagen die Leute, wie kann sie für das Amt des Vizepräsidenten kandidieren, mit all dem, was in ihrem Leben passiert?"

Von Tobias Betz
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
DrNoHamburg (03.09.2008, 20:15 Uhr)
Showtime
..Ist doch alles ne riesen Inszenierung. McCain & Palin treten nicht an um zu gewinnen, sondern um zu verlieren. Scheindmokratie! Hinter den Kuliessen sind beide Partein EINS! Steigen zufällig McCains Werte, folgen bald sicher noch Nacktbilder von Palin, um die Quoten wieder runter zu drücken. Obama soll und wird gewinnen! Die ganzen Vorwahlen waren nichts weiter als ne Farce! Sensiblisierung der Bevölkerung auf einen schwarzen Kanidaten! Die kommende Regierungszeit ist doch längst vorgezeichnet. Die USA stecken mitten in einer Rezession, die derzeit mit aller Macht künstlich aufgehalten wird bis nach den Wahlen! Es wird die Unterschicht treffen, in der Regel Schwarze Bevölkerung.Deswegen ein Schwarzer Präsident, um die schwarzen Gemüter zu beruhigen! Zudem erwarte ich einen politischen Machtkampf um die Afrikanischen Staaten. NAch dem ehemaligen Ostblock ist nun Afrika an der Reihe und hier muß China verdrängt werden. Und dafür ist ein afrikanischer Obama eben besser geeignet, als der Oldtimer McCain!
Ein riesen Zirkus und Theater, Manipulation und Volksverdummung, welches ich seit einem Jahr mit genuß beobachte...!Die durch die Medien manipulierte Masse wird dann bald ihre "freie Wahl" treffen... Übrigens bin auch ich für Obama. Von Anfang an. Nicht, weil es mir unterschwellige eingetrichtert wird, sonder weil der Junge jung und frisch ist und somit doch näher am Zeitgeist , als die alte Garde...
edom.ehceped (03.09.2008, 20:10 Uhr)
Typisch USA: Moralische Werte sind Unterwäsche!
Nein, nein, ich bin kein Kreationist wie Palin!
Ich verbrenne keine Bücher und lasse an Schulen sexuelle Aufklärung verbieten und solche Bücher auf den Index setzen!
Ich bin auch nicht dafür, dass Frauen, die nach einer Vergewaltigung ihr Kind abgetrieben haben, hingerichtet werden sollten
und die Evolutions-Theorie hätte ich an Alaskas Schulen auch nicht verbieten lassen.
Aber wenn man so als Moralapostel wie Palin auftritt, dann solche man sich an die eigene Werte halten.
Konnte ihre Tochter nicht mit Pille und Kondom umgehen? Weiß Palins Tochter überhaupt, dass es sowas wie Kondome oder Pillen gibt?
Fakt ist, dass unter Palin die Suizidrate und Aidsrate gestiegen ist. Kein Wunder, wenn man per Gewalt von außen die sexuelle Selbstbestimmung und individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beschneidet.
Ein Verbrechen gegen eines der wichtigsten Kinderrechte!
Wie Palin jetzt mit der Schwangerschaft ihrer Tochter so locker umgehen kann, finde ich phänomenal.
Letztes Jahr sprach sie sich doch noch für harte Haftstrafen aus, wenn Sex vor der Ehe oder Geschlechtsverkehr unter Minderjährigen ausgeübt und praktiziert wird!
So locker sieht man jetzt auf einmal alles?
Palin ist eine waschechte Republikanerin: Weltmeister im Predigen von Moral, dabei ist gerade dort ein Hort zu finden, was reinste moralische Verkommenheit entspricht!
Diese Leute brauchen uns keine Moralpredigt zu halten, denn ihre Worte stinken nach Heuchlerei und ernst kann man sie sowieso nehmen!
Heute gilt dies und morgen jenes; genau immer das, was der Bequemlichkeit am meisten entgegen kommt!
Brauny (03.09.2008, 19:26 Uhr)
Palin
Die Tochter von Frau Palin ist noch keine 18 also hat sich der Freund doch eigentlich Strafbar gemacht nach den Gesetzen der USA
chatahootchee (03.09.2008, 19:19 Uhr)
ANTWORT
"Doch McCain muss weiter bangen, wie die Gerüchte und Enthüllungen um Palin draußen beim Wähler ankommen." Hier ist die Antwort: Die Waehler "draussen" finden die Wahl gut und finden die Hysterie der Medien schlecht. Die Frau geht das Establishment an und sie passt somit in McCains Denkschema. Die Waehler wolle Aenderung in Washington, mit McCain und Sarah Palin koennen sie es haben.
BHO dagegen hat die Washington-Mentalitaet in sein Team geholt.
Ist es nicht interessant, dass niemand ueber Biden redet?
MEHR ZUM ARTIKEL
US-Republikaner "Alles spricht gegen die Republikaner"

Er war Bushs wichtigster Redenschreiber und erfand einst den Begriff "Achse des Bösen". Doch David Frum hat sich seither zum Kritiker gewandelt. Im stern.de-Interview erläutert er, warum die Republikaner ein gewaltiges Problem bei diesen Wahlen haben und McCains Vizewahl Sarah Palin ein riskantes Spiel ist. mehr...

Republikaner 70 intime Fragen an Sarah Palin

Das Vorleben von Sarah Palin scheint die Republikaner kalt erwischt zu haben - und das, obwohl Parteistrategen die Gouverneurin, die Vize-Präsidentin der USA werden könnte, doch durchleuchtet hatten. 70 intime Fragen musste Palin beantworten, darunter auch welche zu ihrer Ehe. mehr...

Parteitag der US-Republikaner Bush lobt McCain aus der Ferne

Sie sind keine Freunde. Dennoch hat US-Präsident George W. Bush John McCain, den designierten Kandidaten der Republikaner, auf deren Parteitag per Videobotschaft gepriesen - als Mann, den Amerika nun brauche. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe