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2. Juli 2008, 16:12 Uhr

Israelis mit Bulldozer zu Tode gewalzt

Es war eine Schneise der Verwüstung, die ein Palästinenser bei einer Amokfahrt mit einem Bulldozer mitten in Jerusalem hinterließ. Drei Israelis starben in den Trümmern ihrer Autos, Dutzende wurden verletzt. Ein Baby überlebte das Drama - seine Mutter hatte es gerade noch aus dem Wagen werfen können, bevor er platt gewalzt wurde.

"Platt wie ein Pfannkuchen": Die Frau in dem völlig zerstörten Wagen hatte keine Chance - ihr Baby überlebte. Im Hintergrund der Bulldozer, mit dem ein Palästinenser in Jerusalem wahllos Autos rammte© Brian Hendler/Getty Images

Den Rettungskräften in Jerusalem bot sich ein Bild des Grauens, als sie nach der Amokfahrt eines Palästinensers den Bulldozer in die Luft hievten, mit dem er drei Israelis getötet und Dutzende verletzt hatte. Ein Auto, in dem eine junge Mutter mit ihrem Baby unterwegs war, wurde unter dem Gewicht des tonnenschweren Gefährts vollkommen zerquetscht. "Das Auto war platt wie ein Pfannkuchen", berichtete ein Augenzeuge. Die Mutter kam zu Tode, ihr Kind jedoch überlebte wie durch ein Wunder. Die Polizei geht davon aus, dass sie es im Angesicht des Todes in letzter Minute aus dem Auto werfen konnte.

Der Anschlag in Jerusalem ereignete sich zwei Wochen nach Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinenserorganisationen im Gazastreifen. Es ist noch unklar, ob und wie sich die Tat auf die Vereinbarung auswirken wird. Der Attentäter stammte aus dem arabischen Ost-Jerusalem, verfügte über eine israelische Identitätskarte und war der Polizei als Krimineller bekannt. Nach ersten Angaben des israelischen Rundfunks handelte er auf eigene Faust. Ein Polizeisprecher sagte jedoch später, es bestehe vermutlich eine Verbindung zu Terrorgruppen. Er wollte aber keine Einzelheiten nennen. Hamas nannte die Tat ein "natürliches Ergebnis" der israelischen Besatzungspolitik, wollte sie - ungewöhnlicherweise - jedoch nicht ausdrücklich gutheißen.

"Er fuhr wie ein Berserker"

Der Mann, der mit dem Bulldozer im Stadtzentrum auf einer Baustelle arbeitete, verübte die Tat gänzlich unvermittelt. Nach Augenzeugenberichten begann er plötzlich, auf der Jaffa-Straße in Jerusalem mit dem schweren Gefährt gegen die Fahrtrichtung zu rasen und wahllos Fahrzeuge zu rammen. Einen fast voll besetzten Passagierbus warf er mit voller Wucht auf die Seite.

"Er fuhr wie ein Berserker", schilderte Eli Misrachi, der Polizist, der den Palästinenser kurz darauf in dem Fahrerhaus mit mehreren Schüssen aus nächster Nähe tötete. "Er hatte das Lenkrad fest umklammert und einen ganz starren Blick." Mehrmals fuhr er rückwärts, um mit neuem Schwung in voller Fahrt mit der erhobenen Schaufel Autos zu rammen. Selbst als einer der Passanten ihn mit einem Schuss traf, fuhr er weiter. Erst nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen der Polizei, ihn zu überwältigen, kletterte Misrachi auf den Bulldozer und erschoss den Attentäter.

Erster Anschlag seit mehr als drei Monaten

Der israelische Polizeiminister Avi Dichter nannte den ersten Anschlag in Jerusalem seit dem 6. März einen "sehr schwerwiegenden Vorfall". Besonders schlimm sei, dass "ein Einwohner Ost-Jerusalems sein Arbeitsfahrzeug genommen hat, um eine Mordserie zu verüben". Auch den letzten Anschlag in der Stadt, bei dem acht Studenten einer Religionsschule in Jerusalem getötet wurden, hatte ein Palästinenser aus Ost-Jerusalem verübt. Dies bereitet Sicherheitskreisen große Sorgen, weil der arabische Ostteil der Stadt, den Israel als Teil seiner "ewigen Hauptstadt" beansprucht, offen und nicht wie das Westjordanland durch eine Sperranlage von Israel getrennt ist.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert, der nach dem Anschlag eine Dringlichkeitssitzung mit Sicherheitsexperten einberief, will sich nach Medienberichten dafür einsetzen, dass der Familie des Attentäters als abschreckende Maßnahme die Rechte bei der israelischen Nationalversicherung entzogen werden. Und sein Haus soll zerstört werden - mit einem Bulldozer.

Sara Lemel/DPA
 
 
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