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22. Januar 2009, 06:50 Uhr

Obama geht auf Nummer sicher

Die ganze Welt hat den Versprecher beim Amtseid von Barack Obama mitbekommen. Es war der einzige Lapsus in einer perfekten Inszenierung. Am Tag danach legte der neue US-Präsident den Eid noch einmal vor dem Obersten Richter John Roberts ab - um ganz sicher zu gehen.

Barack Obama, Präsident, erster Tag,

Ganz langsam und nochmal von vorn: Barack Obama legt vor dem Obersten Richter John Roberts den Amtseid ein zweites Mal ab, diesmal im Weißen Haus© Pete Souza/AFP

Barack Obama verliert keine Zeit: An seinem ersten vollen Arbeitstag im Weißen Haus hat der neue US-Präsident ein strammes Programm mit zentralen Themen von Guantánamo über Irak und Nahost bis hin zur Finanzkrise und neuen Ansprüchen bei der Regierungsarbeit bewältigt. Um ganz sicherzugehen, legte Obama am Mittwoch außerdem den Amtseid ein zweites Mal ab, nachdem es bei der Vereidigungszeremonie Tags zuvor auf den Stufen des Kapitols leichte Abweichungen vom verfassungsmäßig vorgeschriebenen Text gegeben hatte.

Wie das Weiße Haus mitteilte, kam der Oberste Richter John Roberts am Mittwochabend (Ortszeit) eigens ins Weiße Haus, um einen Patzer vom Vortag auszubügeln. Bei der feierlichen Amtseinführung am Dienstag war es allen Vorbereitungen zum Trotz zu einer kleinen Panne gekommen. Vor mehr als einer Million Menschen in Washington und vielen Millionen Zuschauern von Live-Übertragungen unterlief Roberts beim Vorsprechen des Textes zunächst ein Fehler. Daraufhin kam Obama ins Stocken, weil er dies offenbar bemerkt hatte. Roberts wiederholte die Formulierung in der richtigen Reihenfolge, doch Obama sprach es schließlich falsch nach: Statt der in der Verfassung vorgeschriebenen Formel, dass er "das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich verwalten" werde, sagte Obama, "dass ich getreulich das Amt des Präsidenten" verwalten werde.

Das US-Präsidialamt hatte sich zwar zuvor überzeugt gezeigt, dass der Eid auch beim ersten Mal Gültigkeit hatte. Der Wortlaut des Eids stehe jedoch in der Verfassung und werde daher aus reiner Vorsicht wiederholt, hieß es.

Obama will Guantánamo schließen

Obama drückte vor allem beim weltweit kritisierten Gefangenenlager Guantánamo aufs Tempo und leitete die Schließung des Foltergefängnisses binnen eines Jahres ein. Eine entsprechende Verordnung solle bereits an diesem Donnerstag auf den Weg gebracht werden, berichtete der US-Sender CNN. Zudem wolle die neue Regierung alle Foltermethoden per Verordnung verbieten. Obama will auch alle Prozeduren im Umgang mit inhaftierten Terrorverdächtigen auf den Prüfstand stellen. Noch am Tag der Amtsübernahme hatte er bereits dafür gesorgt, dass alle Verfahren gegen Terrorverdächtige in dem US-Lager auf Kuba zunächst eingefroren werden.

Apropos Kuba: Ungewöhnliches Lob bekam der US-Präsident vom Erzfeind. Der ehemalige Staatschef Fidel Castro würdigte Obama als eine ehrliche Persönlichkeit. Der schwer kranke 82-Jährige brach am Mittwoch ein fünf Wochen dauerndes Schweigen und ließ eine Erklärung auf der Web-Site der Regierung veröffentlichen. Darin schreibt Castro, er "habe nicht den geringsten Zweifel an der Ehrlichkeit Obamas", wenn dieser seine Ideen präsentiere.

Auch das Thema Irak ging Obama an seinem ersten Arbeitstag an. So wies er die Militärführung an, Pläne für einen "verantwortungsvollen" Rückzug der US-Truppen auszuarbeiten. Obama hatte im Wahlkampf versprochen, alle rund 130.000 US-Truppen innerhalb von 16 Monaten aus dem Irak nach Hause zu holen. Zugleich kündigte er nach einem Treffen mit hohen Sicherheits- und Militärberatern an, eine "umfassende Politik für die gesamte Region" entwickeln zu wollen, die auch Afghanistan mit einbeziehe.

Obama schaltete sich auch in den Nahost-Konflikt ein und telefonierte mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, Ägyptens Präsident Husni Mubarak und König Abdullah II. von Jordanien. Der Präsident sei bemüht, die Waffenruhe im Gaza-Streifen zu stärken, teilte das Weiße Haus mit. Dazu müsse die Belieferung der radikal-islamischen Hamas mit Waffen unterbunden werden. Zudem wollten die USA den Wiederaufbau unterstützen. Sie würden "ihren Teil tun", um diese Bemühungen zum Erfolg zu führen.

Zugleich fiel am Mittwoch eine wichtige Personalentscheidung in Washington: Der Senat stimmte mit breiter Mehrheit der Nominierung Hillary Clintons zur Außenministerin zu. 94 Senatoren gaben der ehemaligen First Lady die Stimme, lediglich zwei votierten gegen sie. Unmittelbar danach wurde die 61-Jährige vereidigt.

Obama schwor die Mitarbeiter seiner Regierung auf Transparenz, hohe moralische Standards und Sparsamkeit ein. Er erwarte "eine neue Ära der Offenheit", sagte er bei der Vereidigung seiner Mitarbeiter. Ziel sei es, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung wiederherzustellen. Präsident Obama verfügte, dass Gehälter von Mitarbeitern des Weißen Hauses über 100.000 Dollar (77 000 Euro) eingefroren werden. "Amerikanische Familien müssen den Gürtel enger schnallen, also muss Washington das auch", meinte er zur Begründung. Zudem legte er striktere Regeln für die Beschäftigung von früheren Lobbyisten in Regierungsämtern fest.

Zugleich wurde Obama an der "Wirtschaftsfront" aktiv. Er traf sich am Mittwoch mit seinen ökonomischen Beratern. Obamas Hauptziel ist es, möglichst schnell ein 825 Milliarden Dollar (633 Milliarden Euro) schweres Konjunkturpaket zur Ankurbelung der Wirtschaft auf den Weg zu bringen. Allerdings wächst unter Republikanern im Kongress die Zahl der Kritiker, die ein baldiges Treffen mit Obama verlangten.

Der künftige US-Finanzminister Timothy Geithner mahnte einen energischen Kurs im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise an. Vor allem gelte es, dass so schnell wie möglich wieder Kredite in die Wirtschaft fließen. Wenn das ausbleibe, drohe ein Verlust des bisherigen Lebensstandards und noch größerer Schaden für das Finanzsystem. Es dürfe nie wieder zu einer solchen Finanzkrise kommen. Zugleich verwies er aber auch auf das erwartete Rekord- Haushaltsloch von 1,2 Billionen Dollar. Die USA müssten baldmöglichst aufhören, über ihre Verhältnisse zu leben, sagte er.

joe/DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
tetrapanax (22.01.2009, 20:25 Uhr)
Warum nur, warum
haben WIR nicht so einen tollen Heilsbringer in diesem Lande?
.
Wir Deutschen sind in der Mehrheit so blöd, dass es körperlich schmerzen müsste: jubeln einem Medienstar zu, der noch GAR NICHTS getan hat (außer populistischen Ankündigungen und ´nem Tänzchen).
Wir hatten doch schon so was Tolles:
den nichthaarefärbenden, zigarrenrauchenden Narziss aus Hannover, der sein Volk verraten und verkauft hat und den natürlich hinterher keiner gewählt hatte.
.
Auch einem Kennedy wurde zugejubelt, vor allem in D - einem kranken, egozentrischen Alles-Popper.
Aber Hauptsache ist, es sieht gut aus und fühlt sich gut an - so wie bei der Party gestern in D.C. Die Inhalte sind dann sekundär.
.
Ich hoffe, ich werde eines Besseren belehrt und Herr Obama erweist sich nicht als Schaumschläger (der momentane hype ist mir halt etwas suspekt...).
Johann58 (22.01.2009, 17:52 Uhr)
@mramorak
da muss ich wohl am Dienstag eine andere Rede gehoert und gesehen haben. Was wurde denn erwartet? Eine Jubelrede? Das blaue vom Himmel?
Obama hatte seinerzeit gegen die Ernennung von John Roberts gestimmt. Hat Roberts sich deshalb verhaspelt? Obama hat in 2 Tagen mehr Entscheidungen getroffen als Bush in der ersten 100 Tagen seiner Praesidentschaft und waere nicht 9/11 passiert wuerden wir heute noch auf irgendeine Entscheidung von bushg awarten ausser dass er die Steuern fuer Gross- und Groesstverdiender gesenkt hat.
Biden hat gestern einen unpassenden Scherz zu John Roberts Versprecher gemacht. Obama's Reaktion war ungewoehnlich heftig und ausserordentlich passend.
Reality (22.01.2009, 14:43 Uhr)
@SinBringer
Entschuldigung, aber einen Angriffskrieg befürworten, Menschen dabei abschlachten, des Profit-es wegen, was für eine Lebenseinstellung ?
Der Vizepräsident, Herr Bilden, sagte mal bei einer Veranstaltung.:
Merken sie sich meine Worte, der neue Präsident wird in den ersten 150 Tagen geprüft werden, damit man weiß wo er steht.
Es ist leicht auszudenken wie er geprüft wird und von wem.
Das Szenario, das Drehbuch für einen neuen Angriffskrieg ist bereits erstellt und man weiß genau wie man vorgehen wird.
Lassen wir uns nichts einreden, es ist derzeit sehr gefährlich auf dieser Welt.
Es würde mich nicht wundern, wenn man gegen Iran baldmöglichst losschlagen würde, nicht ohne ihnen vorher ein für sie nicht annehmbares Angebot gemacht zu haben.
Seien sie nicht blauäugig.
Wichtig ist heute, sehr genau hinzusehen was als nächstes passieren wird.
Man muß auch ganz genau die "Israel-Lobby" im Auge behalten.
Sich als Handlanger für Angriffskriege gut zu fühlen obwohl dies unsere Verfassung nicht mal zu lässt, ist schon ein besonders dreistes Stück das wohl eine ganze Portion Skrupel erfordert. Es gehört viel Phantasie dazu, um zu glauben, dass das Vaterland am Hindukusch verteidigt werden muß.
Und kommen sie mir nicht mit Demokratie die man dort hin bringen muß. So ein Schwachsinn als würde Amerika nicht mit zig Staaten zusammenarbeiten die weit ab jeder demokratischen Vorstellung existieren.
SinBringer (22.01.2009, 12:17 Uhr)
@ kldrkur
Richtig, die Presse berichtet durchaus einseitig, was aber auch ein wenig daran lieben mag, daß man nach einem unsympathischen, ungebildeten Vollpfosten wie Bush auch so etwas wie Erleichterung empfinden kann.
Das Erstaunliche ist, daß ich persönlich den "Stolperer" beim Amtseid eher menschlich fand und damit sympathisch, zumal der eigentliche Lapsus beim Richter lag, der nicht den korrekten Wortlaut vorsprach auf den Obama sich vorbereitet hatte.
....
@ Reality
In Afghanistan sind unsere Soldaten bereits wir sollten dankbar sein, wenn die USA ihre Bemühungen dort forcieren, weil es auch unseren Soldaten dort unten zugute kommt ist es auch nur richtig, wenn wir als eine der führenden westlichen Industriemächte uns nicht heraushalten können.
...
Die USA waren schon imemr ein enger wenn nicht der engste Partner Israels, das wird sich auch nicht ändern, die Frage ist aber ob nicht eher Bush als Obama blind den Israelis alles durchgehen ließ, ich glaube Obama wird eher mäßigend auf israel einwirken können,als der dumpfe Texaner
tricky_dude (22.01.2009, 12:07 Uhr)
@kldrkur
Ja genau, weil Bush den Amtseid so schön gesprochen hat war er der bessere Präsi, höhö. Außerdem hat´s der Herr Oberrichter dem Obama falsch vorgesagt.
Was hat der Bush eigentlich gutes gemacht? Ok, er hat sich um die AIDS-Hilfe für Afrika bemüht, aber das haben Bill Clinton und Bill Gates auch geschafft ohne im Amt zu sein.
kldrkur (22.01.2009, 11:53 Uhr)
Einseitig
Die Presse ist mehr als einseitig. Der Mann hat bisher noch nie eine wirkliche Entscheidung treffen müssen und außer Allgemeinheiten nichts von sich gegeben. Als ihm das erste mal etwas abverlangt wurde, war er schon überfordert: Er war nicht einmal in der Lage, den Amtseit ornungsgemäß abzulegen. Bush hat das immerhin zweimal fehlerfrei gemacht.
Reality (22.01.2009, 11:33 Uhr)
Ist mir derzeit alles zu viel Schauspielerei...
Denke wir werden alle noch ganz schön die Augen auf machen, was dieser Mann alles noch so will.
Ausschlaggebend wird wohl sein, in wieweit er den Einfluss der Israel-Lobby begrenzen kann.
Wenn das nicht passiert, stehen wir sehr schnell vor einem nächsten Angriffskrieg.
Bisher schon sehr gut vorbereitet.
Wir werden dabei sein müssen.
Schauen wir nur mal wer die engsten Berater sind und schon wird alles glasklar und man kann sich sehr leicht vorstellen wohin die Reise geht.
mramorak (22.01.2009, 10:59 Uhr)
Ja?
So, mein Beitrag wurde mal wieder "Erfolgreich gespeichert", sehr tröstlich!
mramorak (22.01.2009, 10:55 Uhr)
Zustimmung von Kuba bis China
Aber ist das ein Ruhmesplatt für einen demokratzisch gewählten Staatspräsident? Denn die Rede des Präsidenten war doch nichts anderes als eine Verdammung seines Vorgängers. Oder ist das ein Ruhmesplatt eines demokratisch gewählten Präsidenten? Der Herr Obama hat also gleich Farbe gezeigt, die Farbe - rot - derer, die ihn dorthin brachten, wo er ist. Er steh auf dem 44, Stock und ruft der Welt zu, dass er das Fundament und der Grundstein des Gebäudes ist. Er will den 43. stock zerschmettern, koste es was es wolle. Denn die Feinde der Freiheit wollen es so! Als Präsident wurde er gewählt, als Gott hat er sich selbst ernannt. Und alle schreien heil dem Gott Obama.
Malt (22.01.2009, 09:51 Uhr)
@kralli19
So sieht's leider aus... in unserem Bundestag sitzt eine Horde von stromlinienförmigen Parteizäpfchen... die müssen nämlich so aalglatt sein, weil man in der Partei nur dann vorankommt, wenn man dem nächst Höheren min. bis zur Hüfte in den Arsch kriechen kann. Siehe Strauss-Stoiber-Söder... oder Kohl-Merkel...
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