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20. Mai 2010, 06:12 Uhr

Armee rückt gegen Rothemden-Zuflucht vor

Neue Schusswechsel, weitere Leichenfunde, lodernde Feuer: Die Lage im umkämpften Bangkok ist weiterhin angespannt - aber ruhig. Für große Teile Thailands wurde die Ausgangssperre verlängert.

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Gespannte Ruhe nach dem Sturm in Bangkok: Blick durch eine gesplitterte Scheibe auf den Boulevard Rama IV.© Bay Ismoyo/AFP

Die Lage in Bangkok ist nach der Aufgabe und Verhaftung der politischen Führung der thailändischen Protestbewegung unverändert gespannt. Am Morgen lieferten sich Soldaten im Geschäftsviertel Schusswechsel mit einigen der sogenannten Rothemden, die sich noch immer dort verschanzt hielten. Bewohner der Stadt plünderten die riesige Zeltstadt, in der die Regierungsgegner wochenlang ausgeharrt hatten. Die seit Mittwochabend geltende Ausgangssperre wurde um drei Tage verlängert. Ein Armeesprecher sagte, die Maßnahme gelte für Bangkok und 23 weitere Provinzen des Landes jeweils von 21 Uhr bis zum nächsten Morgen um 5 Uhr.

Am Morgen drang eine Spezialeinheit der Polizei in einen Tempel in dem einstigen Protestareal vor, in dem zwischen 1000 und 2000 Frauen und Kinder Zuflucht gesucht hatten. Dabei gaben sie als Drohgebärde Schüsse in die Luft ab und löst so eine Panik in dem Gebäude aus. Nach Berichten von Augenzeugen wurde kein Widerstand geleistet. In der Kirche wurden unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen sechs und neun Leichen gefunden. Sie sollen während der Unruhen am Mittwoch getötet worden sein. Im Kerngebiet der Demonstranten im Ratchaprasong-Viertel hatte die Armee am Donnerstag nach 24 Stunden noch immer nicht die volle Kontrolle erlangt.

"Die Nacht verlief ruhig"

Die Bangkoker Innenstadt war am Mittwoch zu einem brennenden Schlachtfeld geworden. Regierungstruppen und militante Rothemden lieferten sich heftige Auseinandersetzungen. Auch am Donnerstag brannten noch zahlreiche Feuer im Stadt. Die Lage hat sich wegen der verhängten Ausgangssperre aber beruhigt. "Polizei und die Armee haben an den Ministerpräsidenten berichtet, dass die Nacht ruhig verlief", sagte ein Armeesprecher.

Am Mittwoch waren nach jüngsten Angaben 14 Menschen - darunter ein italienischer Fotojournalist - während der stundenlangen Kämpfe getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Die Börse, mehrere Banken, der Hauptsitz der Städtischen Stromversorgung und eine Luxus-Einkaufsmeile gingen in Flammen auf. Dicke Rauchwolken standen über der Zehn-Millionen-Einwohnerstadt.

Seit Beginn der Unruhen vor einer Woche sind in Bangkok mindestens 74 Menschen getötet worden. Seit sechs Wochen hatten mehrere tausend Demonstranten das Rajprasong-Viertel besetzt und zunächst friedlich den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen gefordert. Eine Einigung war aber an Detailfragen gescheitert.

US-Regierung besorgt über Eskalation

Die internationale Gemeinschaft hat sich besorgt über die Eskalation der Gewalt in der thailändischen Hauptstadt gezeigt. Angesichts der Unruhen rief die US-Regierung die oppositionellen Rothemden zur Ruhe. Washington sei "tief besorgt" darüber, dass Regierungsgegner brandschatzend durch die Straßen zögen, sagte ein Sprecher des US-Außenamtes. Die US-Regierung begrüßte zugleich, dass sich mehrere Anführer der Polizei stellten.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton rief Demonstranten und Regierung zur Vernunft und zur Zurückhaltung auf. "Die Gewalt wird nichts lösen", teilte ihre Sprecherin mit. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich "tief besorgt" über die Spirale der Gewalt in Bangkok. Er forderte beide Seiten auf, "jedes Mittel" zu ergreifen, um ein weiteres Blutvergießen zu verhindern.

APN/Reuters/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
Asiat (20.05.2010, 16:16 Uhr)
@ rocky...
Ja, die ARD ist Thailand Kenner - genauso wie die Bild, die auch "Tempel gestuermt" schreibt...
Stimmt aber nun mal nicht! Einige der im Tempel gefundenen Toten scheinen schon aelteren Datums zu sein - die Autopsien werden das klaeren.
Und ob deutsche Politiker bei der Intendantenbesetzung von ARD und ZDF mitsprechen, koennen Sie vielleicht beim ZDF nachlesen.
rockyciano (20.05.2010, 15:51 Uhr)
Ich habe gerade mal bei der
ARD nachgesehen.-Die Militärs sind die wahren Machthaber Thailands - besitzen sogar einen Fernsehsender.

Die Militärs haben auch den Tempel gestürmt,es gibt 9 Tote.Die Demonstranten sagen,dass es die Militärs waren.Die Militärs wollen keine Demokratie und werden alles unternehmen,um ihre Macht zu erhalten.
ganzbaf (20.05.2010, 14:53 Uhr)
Diktatoren...


gehören immer aus dem Amt gejagt. Mit den Mitteln die nötig sind.
Und das gesteht z.B. auch unser Grundgestz in Art. 20 / 4 seinen Bürgern ausdrücklich zu.
ganzbaf (20.05.2010, 14:51 Uhr)
Diktatoren...

gehören immer aus dem Amt gejagt. Mit den Mitteln die nötig sind.
Und steht z.B. auch unser Grundgestz seinen Bürgern ausdrücklich zu.
Asiat (20.05.2010, 14:28 Uhr)
Die Armee ist NICHT gegen rote Zuflucht VORGEGANGEN.
Die geplante Aktion, die Leute aus dem Tempel in Sicherheit zu bringen, war gestern nicht moeglich. Also wurden sie heute zu den bereitstehenden Bussen geleitet.
Auch im Tempel waren militante Rothemden. Es ist absolut moeglich, dass die vorgefundenen Toten von ihrer eigenen Seite erschossen wurden. Es ging naemlich um die Frage: Abziehen oder Weitermachen. Wie wir gestern gesehen haben, wurde von einigen der Terror durchaus aufrecht erhalten.
Blumi63 (20.05.2010, 13:44 Uhr)
@pops
Vollkommen richtig, auch wenn der erste Tote dieses Konflikts nicht in den letzten Tagen, sondern vor einigen Wochen bereits zu beklagen war. Auch danach kehrte weitgehend Ruhe ein, die sich jetzt als trügerisch herausstellte.
Der gestrige Einsatzbefehl des Militärs kam ja keinesfalls überraschend, so dass die friedlichen "Rothemden" genug Zeit zum Rückzug hatten, unterstützt von ihren Anführern, die ihrerseits die Kapitulation erklärt hatten.
Die anschließend gefallenen Demonstranten haben sich daher bewusst dem Militär zum Gefecht gestellt und eine Niederlage einstecken müssen, die in diesem Fall tödlich ausfiel. Der tödlich getroffene Journalist hat die Brisanz dieses Konfliktes wohl leider unterschätzt und ebenfalls mit dem Tod bezahlen müssen.
Eine weitergehende Tolerierung der Blockade des gesellschaftlichen Lebens durch die "Rothemden" wäre wohl kaum ein akzeptabler Weg gewesen.
pops (20.05.2010, 12:23 Uhr)
Wie fast immer
ging, Blumi 63, der Schuss nach hinten los. Wenn ich mich recht erinnere, war das ganze bis zum Einsatz der Militärs und dem ersten Toten recht friedlich. Eskaliert ist es dann erst so richtig...
Viel Spass beim Nachdenken: Pops
iosono (20.05.2010, 12:21 Uhr)
dem Titel nach,
habe ich im ersten moment gedacht das es für gysi und lafo jetzt ganz dicke kommt....
gaga007 (20.05.2010, 11:51 Uhr)
Nur mal eine Frage ...
... an die Befürworter der Gewalt - wird es auch nur einem der Demonstranten durch das gelegte Feuer und die ausgeübte Gewalt wirtschaftlich besser gehen ?? Im Gegenteil, durch diese Gewalt hat die herrschende Klasse eine Rechtfertigung für ihre Gewaltanwendung - das haben die Anführer der Protestbewegung erkannt und aufgegeben, der Mob der Straße denkt leider etwas zu kurz. Im Übrigen ist es scheinbar immer einfacher, die Gesellschaft, die politischen Verhältnisse oder die Banken für das eigene Schicksal verantwortlich zu machen - nur selbst hat man nie Schuld. Diese, einer Neid-Gesellschaft entsprungenen Denkweise, ist aber kein speziell thailändisches Problem.
Blumi63 (20.05.2010, 11:50 Uhr)
@rockyciano
Ich weiß ja nicht, ob Sie die Situation richtig sehen, aber wenn Sie meinen, auch der militante Teil der sog. Rothemden repräsentiere die Meinung der armen Landbevölkerung, liegen Sie wohl kräftig daneben. Diese Guerilla ist vielmehr der (bezahlte) verlängerte Arm des ehemaligen PM Thaksin, der primär die Stabilität im Lande zu brechen versucht. Gegen diese Leute mit Waffengewalt vorzugehen ist nicht nur das Recht sondern sogar die Pflicht des Staates.
Mir ist sehr wohl bewusst, dass die derzeitige Regierung nicht frei vom Volke gewählt worden ist. Dieser Umstand hat sie auch in diese Lage gebracht. Zu meinen, Thaksin war bei der vorherigen Wahl mit lauteren und ethisch korrekten Mitteln gewählt worden, ist jedoch barer Unsinn.

Diese traurige Entwicklung mit Ihrer persönlichen Abneigung gegen die FDP und Herrn Westerwelle zu verknüpfen ist schäbig.
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