7. August 2012, 16:22 Uhr

Hamas und Muslimbrüder beschuldigen Israel

Wer steckt hinter dem Anschlag auf ägyptische Grenzsoldaten im Sinai? Islamistische Kräfte und Israel schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Derweil haben die USA Hilfe zur Grenzsicherung angeboten.

Nach dem Anschlag auf ägyptische Grenzsoldaten im Sinai haben die ägyptischen Moslembrüder und die radikalislamische Hamas Israel als Drahtzieher beschuldigt. "Der Ort des Verbrechens und die Umstände weisen auf eine Beteiligung der Besatzungsmacht (Israel) hin", wurde der Ministerpräsident der im Gazastreifen herrschenden Hamas, Ismail Hanija, vom Hamas-Fernsehsender Al-Aksa zitiert. Der Angriff sei verübt worden, "um die neue ägyptische Führung zu stören und um Unruhe an der Grenze zu schaffen und so die Bemühungen zunichte zu machen, die (israelische) Belagerung des Gazastreifens zu beenden". Kein Palästinenser wolle Ägypter töten.

Die Muslimbruderschaft glaubt an eine Verstrickung des israelischen Geheimdienstes Mossad. Es handele sich um den Versuch, die Arbeit von Präsident Mohammed Mursi zu hintertreiben, hieß es am Montag auf der Internetseite der Muslimbrüder. Es sei zwingend erforderlich, die Vereinbarungen zwischen Ägypten und Israel zu überprüfen.

Die Regierung in Jerusalem wies die Behauptung zurück. "Das ist nicht einmal ein Vorwurf. Da hat jemand auf Autopilot geschaltet und bellt seine üblichen Flüche über Israel heraus", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Jigal Palmor, am Dienstag. Israel hält radikale Islamisten von der Sinai-Halbinsel und aus dem Gazastreifen für die Täter - wie auch der Oberste Militärrat in Ägypten: In einer von der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena verbreiteten Erklärung hatte das Gremium angekündigt, die Armee werde "Rache" an den Attentätern nehmen.

Ägyptisches Militär zerstört Schmugglertunnel zum Gazastreifen

Kurz zuvor hatten die USA Ägypten Hilfe bei der Sicherung der Region angeboten. Die Sicherheitslage auf der Halbinsel sei seit geraumer Zeit "Grund zur Sorge" und Thema von Gesprächen zwischen beiden Regierungen, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Die USA seien bereit, die ägyptische Regierung bei der von Staatschef Mohammed Mursi zugesagten Wiederherstellung der Sicherheit in der Region zu helfen. Den Angriff verurteilte der Sprecher "auf das Schärfste".

Bei dem Angriff waren am Sonntag 16 ägyptische Grenzschützer getötet worden, als schwer bewaffnete Angreifer das Feuer auf einen Kontrollposten nahe der Grenze zu Israel eröffneten. Anschließend waren mehrere Angreifer mit einem erbeuteten gepanzerten Fahrzeug nach Israel eingedrungen, wo sie vom Militär getötet wurden. Israel hat die Leichen von sechs Attentätern unterdessen an Ägypten übergeben. Nach Angaben der israelischen Armee wurde außerdem der Grenzübergang Kerem Schalom (Arabisch: Karm Abu Salem) auf der Sinai-Halbinsel wieder geöffnet, über den die Angreifer anschließend nach Israel eingedrungen waren.

In einer TV-Ansprache nach einem Krisentreffen mit der Armeespitze betonte Mursi, die Sicherheitskräfte würden den Sinai wieder vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Das ägyptische Militär zerstörte unterdessen weitere der Schmugglertunnel unter der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Sie vermuten, dass die Terroristen durch einen der Tunnel gekommen waren.


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jwi/AFP/Reuters/DPA
 
 
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