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18. August 2010, 07:38 Uhr

Mehr als 60 Tote bei Selbstmordattentat

Der anstehende Abzug der US-Truppen aus dem Irak wird nach Ansicht vieler Beobachter die Lage in dem Land destabilisieren. Anschläge auf Armee-Einrichtungen nehmen schon jetzt wieder zu. Ein Selbstmordattentäter riss am Dienstagmorgen mindestens 61 Rekruten und Soldaten mit in den Tod, am Abend explodierte ein Tanklaster.

Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Rekrutierungsbüro der irakischen Armee in der Hauptstadt Bagdad sind am Dienstag mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen. 125 Menschen seien bei der Attacke verletzt worden, teilten das Innen- und das Verteidigungsministerium in Bagdad mit. Der Attentäter sprengte sich mitten in einer großen Gruppe von Rekruten im Zentrum von Bagdad in die Luft. Die Männer hatten sich vor dem früheren Verteidigungsministerium versammelt, das nun das Hauptquartier der 11. Division ist. Jede Woche melden sich dort rund 250 Rekruten.

Die Mehrheit der Opfer waren denn auch Rekruten - unter den Toten befänden sich aber auch drei Soldaten. Der Selbstmordattentäter zündete den Angaben zufolge gegen 7.30 Uhr Ortszeit (6.30 Uhr MESZ) eine Sprengstoffweste, nachdem er sich in die Schlange vor dem Rekrutierungsbüro der 11. Division im Viertel Baab el-Muatham im Zentrum der Hauptstadt gestellt hatte. Der Ort des Anschlags wurde von Sicherheitskräften sofort abgeriegelt, US-Hubschrauber kreisten über dem Gebiet. Iin Lachen von Blut waren abgerissene Beine und Hände zu sehen.

Zwei verletzte Rekruten sagten, möglicherweise sei auch ein Auto explodiert, was die hohe Opferzahl erklären könnte. Ein Militärsprecher wies das jedoch zurück. "Wir saßen dort und jemand rief wegen eines geparkten Autos", sagte der 21-jährige Rekrut Ali Ibrahim. Er habe seit 3 Uhr am Morgen vor dem Gebäude gewartet. "Dann kam es zur Explosion und ich wurde auf den Rücken geworfen", erklärte er weiter. "Es war schrecklich."

US-Truppen ziehen ab, Gewalt nimmt zu

Ein Militärsprecher des Irak machte das Terrornetzwerk Al-Kaida verantwortlich. Vor dem Gebäude hatten sich seinen Angaben zufolge bis zu 1000 Rekruten versammelt, weil am Dienstag die Bewerbungsfrist ablaufen sollte. "Wir konnten keinen anderen Ort für die Rekruten finden", sagte Al Mussaui. "Es war schwer, das Gebiet zu kontrollieren, weil es offen ist und wegen der großen Anzahl von Rekruten."

Am Dienstagabend kam es dann zu einem weiteren Anschlag. In einem schiitischen Viertel explodierte ein mit Kerosin beladener Tanklaster. Acht Menschen starben, 44 weitere wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Krankenhausmitarbeiter bestätigten die Opferzahl. Eine Tankstelle fing Feuer.

Die Gewalt im Irak hat zuletzt wieder zugenommen. Anschläge wie der auf das Rekrutierungsbüro zielen direkt auf die Vorbereitungen der irakischen Sicherheitskräfte für den Abzug der US-Kampftruppen bis Ende August. Nur 50.000 US-Soldaten sollen danach im Land bleiben, um sich an der Ausbildung der irakischen Armee zu beteiligen.

Die Armee sucht derzeit verstärkt nach neuen Soldaten, um auf die zusätzlichen Aufgaben wahrnehmen zu können. Daher sind die Rekrutierungsbüros besonders häufig Ziele von Selbstmordattentätern.

dho/AFP/APN
 
 
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