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3. Dezember 2009, 17:34 Uhr

Guttenberg rudert zurück

Er hatte sich weit aus dem Fenster gelehnt - zu weit: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat Abstand genommen von seiner ursprünglichen Aussage zu dem Angriff auf Tanklaster in Afghanistan. Der von der Bundeswehr angeordnete Einsatz sei "militärisch nicht angemessen" gewesen.

Guttenberg, Afghanistan, Tankerangriff, Kundus, Klein

Revidiert seine erste Einschätzung: Karl-Theodor zu Guttenberg hält den Angriff von Kundus doch nicht für angemessen© Michael Gottschalk/DDP

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat seine Bewertung der Bombardierung von zwei Tanklastzügen in Afghanistan im Nachhinein korrigiert und den Einsatz als militärisch "nicht angemessen" bezeichnet. Der CSU-Politiker nahm am Donnerstag im Bundestag aber gleichzeitig den verantwortlichen Befehlshaber Georg Klein in Schutz. Er betonte ausdrücklich, Oberst Klein sei subjektiv von der militärischen Angemessenheit seines Handelns ausgegangen. "Dafür hat er mein Verständnis." Der Befehlshaber habe "zweifellos nach besten Wissen und Gewissen und zum Schutz seiner Soldaten gehandelt", sagte der Minister. Er werde "Oberst Klein nicht fallenlassen", betonte der CSU-Politiker.

Die Dokumente, die er bei seiner ersten Bewertung noch nicht gekannt habe, hätten ihn nun aber veranlasst, den Angriff als "militärisch nicht angemessen" zu bezeichnen, sagte der neue Verteidigungsminister, dessen Vorgänger Franz-Josef Jung aufgrund der Kommunikationspannen im Zusammenhang mit dem Angriff in der vergangenen Woche von seinem Amt als Arbeitsminister zurückgetreten war.

"Klar ist, dass vor Ort Fehler gemacht wurden"

Noch am 6. November hatte Guttenberg den Luftschlag als "angemessen" bezeichnet, aber schon damals darauf hingewiesen, dass es offensichtlich "Verfahrensfehler" gegeben habe. In einem Interview der "Bild"-Zeitung präzisierte Guttenberg vor wenigen Tagen: "Klar ist, dass vor Ort Fehler gemacht wurden, sowohl vor wie nach dem Luftschlag."

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, begrüßte die Neubewertung des Luftangriffs durch den Verteidigungsminister. "Ich bewerte diese Äußerung positiv", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Guttenberg hat eindeutig klargemacht, dass er zu Oberst Klein steht und ihn nicht fallen lässt und dass Ungewissheit der Begleiter dieser militärischen Entscheidung sein musste. Der entscheidende Punkt ist, dass Guttenberg sich klar zu Oberst Klein bekannt hat. Das ist die politische Größe, die wir auch brauchen."

Der ehemalige Generalinspekteur Harald Kujat kritisierte den Minister hingegen. "Es genügt nicht zu sagen, das war militärisch angemessen oder unangemessen. Vom Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt erwarte ich, dass er das auch begründet." Guttenberg habe "von sich selbst den Druck genommen", sagte Kujat der Zeitung. Er fügte mit Blick auf Klein hinzu: "Damit wird er weder dem Mann noch der Sache gerecht."

Bundestag verländert Afghanistan-Mandat

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass bereits am 4. September bekannt war, dass es bei dem Angriff auch zivile Opfer gab. Das hatte Jung noch Tage nach dem Einsatz bestritten. Noch ist aber nicht klar, wann er genau davon wusste. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, und Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert wurden von Guttenberg im Zuge des Skandals gefeuert. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages wird sich jetzt mit dem Angriff beschäftigen.

Unterdessen haben die Abgeordneten im Bundestag den Antrag der Bundesregierung gebilligt, den Einsatz der deutschen Soldaten in Afghanistan um ein Jahr zu verlängern. In namentlicher Abstimmung votierten 445 Abgeordnete für eine Verlängerung des am 13. Dezember auslaufenden Mandats, 105 stimmten dagegen, 43 Parlamentarier enthielten sich. Die Obergrenze von 4500 Soldaten im Rahmen des Isaf-Einsatzes soll zunächst beibehalten werden.

AP/DPA/ben
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
jackiki (05.12.2009, 14:14 Uhr)
mein mitgefühl
geht an die mindestens 142 getöten und etlichen verletzten, ob taliban oder zivilisten! wir tun immer so als wären taliban keine menschen.
Oluja (04.12.2009, 11:09 Uhr)
bisher gab es nur eine us und eine isaf/natountersuchung = kann man vergessen als unabhängig.
diese behaupten max. 142 tote, darunter angeblich nur 30-40 zivilisten.

hingegen hat ein afghanischer anwalt nach eigenrecherche und gesprächen mit allen anliegenden dörfern folgendes ergebnis recherchiert:

172 tote, darunter NUR 5 taliban, alle anderen nachweislich dorfbewohner umliegender dörfer, darunter viele kinder und minderjährige und nachweislich NICHT taliban.

die frage, wer sagt die wahrheit?, wobei klar sien dürfte das weder bw, nato/isaf noch usa jemals zugeben würden, slebst wnen sie es wüssten, das bei diesme angriff somit fast nur zivilisten getötet wurden und dutzende teils schwer verwundet/verbrannt.
Aquinate (04.12.2009, 09:05 Uhr)
Moschee im Dorf lassen ...
Wenn bei einem Angriff auf ein militärisch legitimes Ziel ca. 110 Feinde getötet werden, dann ist es zwar sehr bedauerlich, wenn dabei auch 30 Zivilisten umkommen, jedoch kein "Kriegsverbrechen". Derlei Gerede ist Gefühlsduselei, da es einen Krieg ohne zivile Opfer nicht gibt.
pitiplatsch (04.12.2009, 08:13 Uhr)
Obwohl Klein zweimal
gefragt wurde ob die Flieger nicht erst im Tiefflug über die Tanklaster fliegen sollen hat dies der Mann abgelehnt ! warum ?? Dafür hat der Adelige Verständniss !! ich nicht ! Aber an diesem widerlichen Krieg ist die Merkel zu 99 % schuldig und nicht Deutschland ! soll sie Deutschland befragen ! das macht sie nicht warum ?? weil sie eine Lobbyistenhörige Kanzlerin ist, die undemokratisch und diktatorisch, soweit es geht, regiert. Sie hat die meiste Schuld an diesem inzwischen 9 Jahre langen widerlichen Krieg. Wir haben es nicht nötig den verlogenen Amis hinterherzudackeln wie die Kanzlerin; sollen diese aroganten Typen machen was sie wollen es ist verachtenswert unmenschlich und widerlich.
justus39 (04.12.2009, 00:03 Uhr)
Unsere Kinder und Enkel
werden sich wieder einmal für diesen Angriffs- und Eroberungskrieg entschuldigen und dafür zahlen müssen.
Sie können aber nicht sagen, dass sie die Wahrheit über diese Invasion nicht wissen konnten.
rockyciano (03.12.2009, 22:59 Uhr)
Die wahren "Verantwortlichen"
sind noch nicht benannt.Ich teile hierzu die Einschätzung von Audio 001.Herr von und zu Guttenberg kann durch sein gesamtes Verhalten nicht überzeugen.Es gibt nach wie vor zu "viele" offene Fragen , die jetzt geklärt werden müssen.
n8g8 (03.12.2009, 22:27 Uhr)
Mister Fettnapf
Einfach süß, der Kolibri versucht die großen Fußstapfen vom Vogel Strauss nebst posthumen verkohlten Gedächtnislücken zu schließen. Er sieht ja auch viiiel besser aus wie jedes Eisbein mit Erbsen und Zefix-Halleluja, sog I, zefixx llllujaaa!!!
Zum Wohle seiner Wählerschaft wäre es sicher eher gewesen, wenn er erstmal die Akten liest!!! Aber so was kann man ja dem Super-Scarface nicht zumuten, er stand schließlich sogar schon einmal mit seinen Füßen auf dem Broadway und ist daher als sternengleiche Lichtgestalt gegen jedwede Kritik erhaben. Nicht nur von diversen kostspieligen Beratern, Kanzleien aus dem Ausland, die auf bismarcksche Aufträge warten, sondern vor allem jenseits der Meinung der Bevölkerung. Die wählt so was ja auch immer wieder.
Gegen Masochismus gibt es eben kein Rezept, sehr bedauerlich!!!!
Bleibt nur noch, dass entsprechende ministeriale Star-Handabdrücke aus purer Rache nach dem Willen unseres Volkes in den USA den Gehsteig verunstalten ...
Gisella (03.12.2009, 22:14 Uhr)
"Die"
haben das mandat doch gerade (gegen den willen des volkes) wieder verlängert-damit weitermachen-2011 will dann zumindest die USA ihre noch überlebenden zurückholen........Was für ein irrsinn.
knilch_59 (03.12.2009, 22:12 Uhr)
Graf von und zu Moralelastix
Die Nonchalance, mit der unsere adlige Erlösergestalt den Moralspagat geschafft hat, ist in der Tat beeindruckend. In einem Satz sowohl den Angriff zu verurteilen, wie auch denjenigen in Schutz zu nehmen, der ihn angeordnet hat, ist ganz großes Voodoo. Ich schlage vor, Herrn zu Guttenberg im Zwei-Monats-Turnus durch alle Ministerämter rotieren zu lassen, der schafft alles: Anfang nächsten Jahres ist Afghanistan befriedet, dann kann er bis Ende Februar die Arbeitslosenquote auf Null reden, zu Frühlingsanfang sind die Sozialversicherungen saniert bis ins nächste Jahrtausend, bis Mai die Staatsverschuldung auf Null (Ende Juni werden alle Steuern abgeschafft und durch ein Bürgergeld ersetzt, das er einmalig am 30.06. persönlich zwischen 08:30 und 08:45 Uhr jedem Bürger in der eigenen Wohnung aushändigt). In den Sommermonaten stoppt er den Klimawandel, und kümmert sich in den lauen Sommernächten um den Babymangel. Im September vereinigt er die großen Kirchen zu einer Gemeinschaft, danach kümmert er sich um die wirklich wichtigen Probleme [Ironie off].
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Der Mann ist das Letzte! Der Prototyp des Populisten, aber wirklich gut gemacht.
hosiannarunner (03.12.2009, 20:45 Uhr)
Etwas zu lange ...
Etwa einen Tag nach dem Raketenanschlag auf die Tanklaster war klar, dass diese nicht in unmittelbarer Nähe des deutschen Militärlagers waren und dass damit auch keine akute Gefahr bestanden hatte.
Man musste eigentlich nicht besonders schlau sein, um damals gleich zu dem Ergebnis zu kommen, dass die Bombardierung nicht nötig gewesen wäre. Dass unser Verteidigungsminister dafür mehrere Monate braucht, deutet nicht gerade auf Durchblick hin.
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