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18. November 2008, 16:23 Uhr

Amerikaner stürmen Waffengeschäfte

Waffenhändler machen in den USA derzeit ein Bombengeschäft. Weil viele Amerikaner fürchten, dass der neue US-Präsident Barack Obama schärfere Waffengesetze erlassen wird, decken sie sich rechtzeitig vor dem Machtwechsel noch mal mit Pistolen, Gewehren und Revolvern ein.

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Die passionierte Jägerin Rachel Smith deckt sich in einem Waffenladen noch einmal mit neuen Gewehren ein© Steve Helber/AP

Der zehnjährige Austin Smith hat nach dem Wahlsieg von Barack Obama nur eine Frage: "Bekomme ich jetzt kein neues Gewehr zu Weihnachten?" In seiner kindlichen Naivität drückt der Junge aus, was die Befürworter des privaten Waffenbesitzes in den USA derzeit umtreibt: Sie befürchten, dass Obama als neuer US-Präsident gemeinsam mit dem von seiner Demokratischen Partei dominierten Kongress den Waffenbesitz einschränken wird. Deshalb decken sich viele Waffenliebhaber vor dem Machtwechsel im Weißen Haus am 20. Januar noch einmal kräftig mit Flinten und anderen Schusswaffen ein.

Landesweit meldeten die Waffengeschäfte in den vergangenen Wochen Rekordumsätze. Vorigen Monat, als sich der Wahlsieg Obamas bei der Präsidentenwahl am 6. November bereits klar abzeichnete, gab es knapp 110.000 mehr der für den Erwerb von Waffen notwendigen Personenüberprüfungen als im Oktober 2007. Dies ist nach Angaben der Bundeskriminalpolizei FBI eine Steigerung um 15 Prozent.

Auch Austins Mutter, eine begeisterte Jägerin, will noch vor dem Amtsantritt Obamas mindestens fünf neue Schusswaffen kaufen. Die mit einem Kampfanzug bekleidete 32-jährige Rachel Smith aus Richmond im US-Staat Virginia sieht sich deshalb in einem Sportgeschäft um, das über ein reichhaltiges Angebot diverser Waffen verfügt. "Ich glaube, die neue Regierung wird den privaten Waffenkauf erschweren", sagt die Mutter von fünf Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren. Allen hat sie bereits den Umgang mit Schusswaffen beigebracht.

"Die Leute haben Angst, das Recht auf Waffenbesitz zu verlieren", sagte David Hancock von der Sportgeschäftskette Bob Moates. Die Befürworter des privaten Waffenbesitzes beziehen sich in ihrer Haltung auf den zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung. Kritiker wenden dagegen ein, dieser verbiete einer Regierung lediglich, Milizen zu entwaffnen, die beispielsweise im Unabhängigkeitskrieg gegen britische Truppen kämpften.

Obama hat als Senator in Illinois ein Verbot des freien Erwerbs von halbautomatischen Schusswaffen unterstützt und tritt für striktere Regelungen in den Einzelstaaten ein. Im Wahlkampf versprach Obama den Waffenbesitzern allerdings auch: "Ich will euch nicht eure Flinten wegnehmen." Im Obersten Gerichtshof sind die Befürworter des privaten Waffenbesitzes noch knapp in der Mehrheit. Dies könnte sich aber mit der Berufung neuer Richter durch den künftigen Präsidenten Obama ändern.

Kein Verbot von Sturmgewehren

Ob die Verschärfung der Waffengesetze im Land aber tatsächlich höchste Priorität bei der künftigen Regierung haben wird, bezweifelt der Harvard-Professor Mark Tushner, der ein Buch zur Diskussion in den USA über den Waffenbesitz veröffentlicht hat. Er verweist dabei auf die aktuellen Probleme wie die Finanzmarktkrise und die Kriege im Irak und in Afghanistan. "Ich wäre überrascht, wenn der Kongress ein neues Gesetz zum Verbot von Sturmgewehren verabschieden würde", schrieb Tushner in einer E-Mail.

Die Diskussion über eine Verschärfung der Waffengesetze hält in den USA seit Jahren an. Besonders nach spektakulären Amokläufen wird der Ruf nach strengeren Regeln lauter. Der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association (NRA) gelingt es allerdings immer wieder, die Mehrheit der Bevölkerung in ihrem Kampf gegen schärfere Gesetze hinter sich zu bringen.

Wie heikel das Thema ist, musste vor wenigen Wochen der Chef einer Waffenfabrik in Montana erfahren. Nachdem er sich im Wahlkampf für Obama ausgesprochen hatte, gab es Boykottaufrufe gegen die Firma. Der Geschäftsführer trat daraufhin von seinem Posten zurück.

Lara Jakes Jones, AP
 
 
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