. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
2. Juni 2010, 16:21 Uhr

Blutige Werbe-Veranstaltung in Kabul

Die Friedensdschirga in Afghanistan stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Zu viele wichtige Teilnehmer erschienen erst gar nicht, und die Versammlung war ohnehin nur eine PR-Nummer für den Westen. Eine Analyse von Christoph Reuter, Kabul

Afghanistan, Kabul, Dschirga, Karsai, Frieden, Taliban, Angriff, Selbstmordattentäter

Handverlesen und wenig transparent ausgewählt: Die Teilnehmer der Friedensdschirga in Kabul© Musadeq Sadeq/AP

Mehr als 12.000 Polizisten hatten bereits in der Nacht zuvor Teile Kabuls abgesperrt. Ihre Sorge galt der Sicherheit der wenige Stunden später beginnenden Friedensdschirga. Doch ihre Bemühungen waren vergebens. Schon in den Morgenstunden sind Detonationen zu hören - von Raketen- und Granaten-Angriffen sowie einer Selbstmordattacke der Taliban, dazwischen das Prasseln von Schüssen. Selbst noch in kilometerweiter Entfernung.

Die Dschirga, eine stammesübergreifende Versammlung, wurde von der internationalen Gebergemeinschaft mit Millionen unterstützt. Sie war gedacht, um Afghanistans Regierung ein Mandat für Verhandlungen mit den Taliban zu geben. Als Präsident Hamid Karsai dann vor 1600 Teilnehmern seine Eröffnungsansprache beginnt, detoniert in der Nähe des Versammlungsorts die erste von drei Raketen. "Setzen Sie sich wieder", sagt er jenen, die sofort aufspringen, um sich in Sicherheit zu bringen. Es werde nichts passieren, versicherte er der handverlesenen Menge.

Doch ein paar Minuten später, der Lärm der Schüsse lässt immer noch nicht nach, enteilt das afghanische Staatsoberhaupt plötzlich in seinem gepanzerten Konvoi. Mit hoher Geschwindigkeit verlässt er den Tagungsort auf dem Gelände der Polytechnischen Universität im Westen Kabuls.

Zwei Selbstmordattentäter "sind in der Gegend unterwegs"

Nur wenig später, zwölf Uhr Mittags Ortszeit: Mittlerweile sind drei Raketen aufs Tagungsgelände abgefeuert worden, hat sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe gesprengt, wird ein anderer von der Polizei erschossen. Zwei weitere, heißt es trocken in einem Lagebericht der Sicherheitskräfte, "sind in der Gegend unterwegs". Hubschrauber der Isaf kreisen über der Universität, die Dschirga geht weiter.

Eigentlich wurde die Veranstaltung schon im Vorfeld abgeschrieben, doch mit diesen dramatischen Ereignissen verleihen ihr nun ausgerechnet die Taliban eine Art von Substanz. In den Tagen zuvor hatten das Parlament, Abdullah Abdullah, Gegenkandidat Karsais bei den Präsidentschaftswahlen sowie andere Gruppen unisono erklärt, die Dschirga boykottieren zu wollen. Es hieß, die Teilnehmer seien undemokratisch ausgewählt worden und in der Tat wurden Beteiligten weitgehend geheim gehalten. Das Parlament wiederum beklagte sich, dass Karsai verfassungswidrig ein neues Wahlgesetz erlassen habe, das künftig Wahlfälschungen noch mehr erleichtern würde. Überdies weigere er sich, die immer noch ausstehenden elf Ministerposten zu besetzen, um deren vorgeschriebenen Bestätigung durch das Parlament vor der Sommerpause zu entgehen.

Selbst Karsais Verbündete blieben der Versammlung fern

Selbst Karsais Verbündete Raschid Dostum, Milizführer der Usbeken, und Mohammed Mohaqiq, Führer der Wahdat-Partei der schiitischen Hazara-Minderheit, verweigerten die Teilnahme. Und dann wurde noch der Vorschlag vieler Teilnehmer, einen Vorsitzenden zu wählen, von den Mitgliedern des Regierungskabinetts abschlägig beschieden. Sie bestimmten einfach, dass Ex-Präsident Rabbani der Versammlung vorstehen solle.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Welche Bedeutung hat die Versammlung überhaupt? Und kommt es überhaupt zu einem Ergebnis?

Seite 1: Blutige Werbe-Veranstaltung in Kabul
Seite 2: Versammlung stand unter keinem guten Stern
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Dschirga in Kabul Taliban greifen Friedenskonferenz an

Sie soll dem Frieden dienen und beginnt mit Krieg: Taliban-Kämpfer haben die Versöhnungs-Dschirga in Kabul mit Raketen beschossen. Zugleich versuchten offenbar Selbstmordattentäter während einer Rede von Präsident Karsai, zum Tagungsort vorzudringen. mehr...

Afghanistan Taliban setzen Angriffserie auf Nato-Truppen fort

Die Taliban scheinen Ernst zu machen mit ihrer angekündigten Offensive gegen ausländische Truppen. Rebellen haben einen Nato-Militärflugplatz bei Kandahar attackiert, mehrere Soldaten wurden verletzt. Es ist bereits der dritte Angriff innerhalb einer Woche. mehr...

Afghanistan Taliban setzen "Nachtruhe" für Handys durch

So still war es seit Jahren nicht mehr in Kunduz: Pünktlich gegen 18 Uhr erlischt dieser Tage jedes Handy-Bimmeln. Denn die Taliban haben den Mobiltelefonierern eine Nachtruhe verordnet. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe