Festnahmen und Geständnisse nach Blutbad

12. Mai 2013, 08:24 Uhr

Nach den Anschläge in der türkischen Stadt Reyhanli wurden neun Verdächtige festgenommen. Nach Angaben türkischer Regierungspolitiker führen Spuren zum syrischen Regime.

Nach den blutigen Bombenanschlägen in der türkischen Grenzstadt Reyhanli hat die türkische Polizei neun Verdächtige festgenommen. Sie seien alle türkische Staatsbürger, zitierten türkische Medien den Vizeregierungschef Besir Atalay. Nach seinen Angaben haben die Beschuldigten die Tat teilweise gestanden.

Nach Angaben türkischer Regierungspolitiker führen Spuren zum Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Attentäter hätten Kontakte zum syrischen Geheimdienst, so Atalay. Die Organisation der Täter und ihre Hintermänner seien weitgehend bekannt. Bei der Explosion zweier Autobomben kamen nach jüngsten Angaben mindestens 46 Menschen ums Leben, 140 weitere wurden verletzt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Tat scharf.

Vor Atalay hatte bereits Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, die Anschläge könnten im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien stehen. Außenminister Ahmet Davutoglu sieht in der Tat eine gezielt gegen sein Land gerichtete Provokation.

Syrische Opposition verurteilt die Anschläge

Es ist der bislang schwerste Zwischenfall auf türkischer Seite der Grenze seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011. Die Türkei steht auf der Seite der syrischen Aufständischen und hat zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Erst jüngst hat Ankara den Kurs gegen Damaskus noch einmal verschärft. Reyhanli ist nicht weit entfernt vom Grenzübergang Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei kommen.

UN-Generalsekretär Ban erklärte nach Angaben eines Sprechers, er verurteile "alle terroristischen Taten". "Kein Grund oder Missstand kann jemals Angriffe auf Zivilisten rechtfertigen."

Die syrische Opposition verurteilte die Anschläge mit scharfen Worten. "Wer diese verabscheuungswürdigen Terroranschläge verübt hat, will damit die türkische Regierung, die dem syrischen Volk beisteht, für ihre ehrenhafte Haltung bestrafen", erklärte die Nationale Syrische Koalition in Istanbul. Ziel des Terrors sei es offensichtlich, einen Keil zwischen Syrer und Türken zu treiben

"Schreckliche Nachrichten"

Syrische Revolutionsaktivisten warnten vor möglichen Übergriffen auf Syrer im Grenzgebiet. Sie riefen über den Kurznachrichtendienst Twitter alle in Reyhanli lebenden Flüchtlinge dazu auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Als Reaktion auf die Anschläge soll es in dem Ort auch zu Übergriffen der türkischen Bevölkerung auf syrische Flüchtlinge und auf Autos mit syrischen Kennzeichen gekommen sein.

Davutoglu, der am Samstag in Berlin war, wurde von türkischen Medien mit den Worten zitiert, hinter der Tat könnten Kräfte stecken, die den Frieden in der Türkei stören wollten. "Niemand sollte unsere Macht testen. Unsere Sicherheitskräfte werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen", sagte Davutoglu. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschläge.

US-Außenminister John Kerry sprach in Washington von "schrecklichen Nachrichten". Die USA stünden an der Seite "unseres Verbündeten Türkei".

Riesiges Loch in der Straße

Fernsehbilder zeigten massive Zerstörungen - eine Explosion hatte ein riesiges Loch in die Straße gerissen. Nach Angaben syrischer Aktivisten waren unter den Verletzten auch einige Syrer. 29 Verletzte waren am Samstagabend noch in kritischem Zustand, wie Innenminister Muammer Guler nach Berichten der Nachrichtenagentur Anadolu mitteilte.

Erst im Februar hatte es in dem Grenzort einen schweren Anschlag gegeben. Damals waren bei der Explosion einer Autobombe zwölf Menschen getötet und rund 30 verletzt worden. In der Türkei sind in den vergangenen Monaten zudem immer wieder Granaten aus Syrien eingeschlagen. Die türkische Armee reagierte mehrfach mit Artilleriefeuer. Am Abend erschütterte eine dritte Explosion die Stadt Reyhanli. Sie war allerdings von einem technischen Defekt an einem Auto ausgelöst worden.

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