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Der Rap-Fan, der zum Terroristen wurde

Frankreich steht nach dem Anschlag auf das Magazin "Charlie Hebdo" unter Schock. Eine Dokumentation von 2005 zeigt Bilder von einem der mutmaßlichen Täter - und berichtet von seiner Radikalisierung.

  Zum Zeitpunkt der Aufnahmen aus dem Jahr 2004 soll Chérif Kouachi 22 gewesen sein

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen aus dem Jahr 2004 soll Chérif Kouachi 22 gewesen sein

Mit Sturmgewehren bewaffnet betraten sie die Redaktionsräume des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris und feuerten um sich - zwölf Menschen starben, mehrere Opfer schweben immer noch in Lebensgefahr. Frankreich steht unter Schock. Die mutmaßlichen Attentäter, zwei Brüder aus einem Pariser Vorort, sind noch immer auf der Flucht. Tausende französische Polizisten jagen sie. Die Brüder Said, 34, und Chérif Kouachi, 32, sind polizeibekannt - Chérif Kouachi wurde Anfang 2005 zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er nach Syrien ausreisen wollte, um im Irak gegen US-Soldaten zu kämpfen. Ein dritter Beteiligter soll sich mittlerweile gestellt haben.

In einer französischen Dokumentation des Senders "France 3" aus dem Jahr 2005 ist der mutmaßliche Attentäter Chérif Kouachi zu sehen. Der Bericht zeigt Bilder des heute 32-Jährigen bei einigen Rap-Auftritten im Jahr 2004 - er wirkt zunächst nicht wie ein radikaler Islamist, der irgendwann zur Waffe greifen wird. Unter anderem geht es in dem Film um die Bedrohung durch internationalen Terrorismus und um die Radikalisierung von Jugendlichen. In der Dokumentation wird auch der Islamist Farid Benyettou erwähnt, durch den Chérif Kouachi laut eigener Aussage vor Gericht zum radikalen Islam bekehrt wurde.

"Spaß am Leben und hübschen Frauen"

Zunächst beschreibt die Dokumentation Kouachi als "Rap-Fan, der Spaß am Leben und hübschen Frauen hat, als jemanden, dem es Freude macht, in die Moschee zu gehen". Doch wie der "France 3"-Bericht schildert, radikalisierte sich Kouachi in nur wenigen Monaten. Sein neues Ziel: im Irak gegen US-Truppen zu kämpfen. Doch er wird noch vor seiner Ausreise verhaftet. "France 3" zitiert Ausschnitte aus seinem Gerichtsprozess, indem er seine Beziehung zu Farid Benyettou schildert: "Farid hat mir gesagt, dass die Texte (Koran) Beweise liefern, dass Selbstmordattentate etwas Gutes sind. In den Texten steht, dass es gut ist, als Märtyrer zu sterben."

Neben dem Kontakt zu Benyettou schildert die Dokumentation auch einen Kontakt zu einem angeblichen Waffenexperten, der Kouachi die Handhabung einer Kalaschnikow erklärt haben soll. Vor Gericht sagte Kouachi weiter aus: "Dank der Ratschläge von Farid verschwanden meine Zweifel. Ich hatte zwar Angst, aber ich sagte nichts." Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Dokumentation befindet sich Kouachi in Haft. "Es ist klar, dass Farid mich in meinen Anfängen beeinflusst hat, indem er meinem zukünftigen Tod einen Sinn gab", so Kouachi vor Gericht.

Sozialarbeiter hatte Kontakt zu Kouachi

Ein französischer Sozialarbeiter schildert in der Dokumentation seinen Briefverkehr mit Kouachi, während sich dieser in Haft befand: "Er ist glücklich nicht (in den Irak) gegangen zu sein, soviel ist klar. Ihm ist klar geworden, dass er (Kouachi) sich während dieser Zeit verändert hatte. Ihm ist auch klar geworden, dass er benutzt wurde und in etwas hineingezogen wurde, dessen er sich gar nicht völlig bewusst war." Damals glaubte der Sozialarbeiter offenbar an Kouachis Reintegration - heute scheint auf grausame Weise klar zu sein, dass er sich geirrt hat.

Hier die ganze Dokumentation:

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