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19. April 2007, 13:44 Uhr

"Lektion" für die Feinde des Islam

Sie nennen sich "Brüder" und wohnten im Gebäude einer islamischen Stiftung: Die Studenten, die drei Mitarbeitern eines christlichen Verlags die Kehle durchgeschnitten hatten, haben angeblich aus religiösen Motiven gehandelt.

Türkische Polizisten führen einen der vermutlichen Attentäter ab© Ihlas News Agency/Reuters

Nach dem Überfall auf ein christliches Verlagshaus in der Türkei haben vier Verdächtige die Tat gestanden, wie die türkische Zeitung "Hürriyet" am Donnerstag berichtete. Den drei Todesopfern, darunter einem 46-jährigen Deutschen, seien die Kehlen durchgeschnitten worden, um Feinden des Islams "eine Lektion" zu erteilen, berichtete das Blatt. Die Behörden nahmen insgesamt zehn Personen fest. Die EU-Kommission erklärte mit Blick auf die Verhandlungen mit Ankara, jeder Beitrittskandidat müsse "die Menschenrechte respektieren, darunter die Religionsfreiheit".

Verdächtige nenen sich "Brüder"

"Wir haben das nicht für uns selbst getan, sondern für unsere Religion", zitierte "Hürriyet" die am Mittwoch festgenommenen Verdächtigen. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu hatte jeder der vier einen Brief bei sich, in dem sie sich als "Brüder" bezeichnen, die in den Tod gehen. Medienberichten zufolge handelt es sich um Studenten, die in einem Gebäude einer islamischen Stiftung wohnten. Ein weiterer Verdächtiger wurde im Krankenhaus behandelt.

Am Donnerstag wurden nach Angaben des Gouverneurs von Malatya, Halil Ibrahim Dasöz, erneut fünf junge Männer festgenommen. Der scheidende türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer verurteilte die Bluttat scharf. Nichts könne einen solchen Angriff in einer Zeit, in der "Frieden, Brüderlichkeit und Toleranz" gebraucht würden, rechtfertigen, sagte Sezer. Außenminister Abdullah Gül erklärte, der brutale Überfall habe das Ansehen der Türkei im Ausland beschädigt.

Deutsches Opfer soll in Malatya bestattet werden

Die Angreifer hatten ihre Opfer am Mittwoch an Händen und Füßen gefesselt und ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Nach Angaben von Gouverneur Dasöz lebte der getötete Deutsche seit 2003 in Malatya. Laut Anadolu handelt es sich um den 46 Jahre alten Tilman G. Seine Familie wolle ihn in Malatya bestatten. Die Frage, ob sich das Verbrechen auf die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auswirken werden, verneinte die Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn, Krisztina Nagy, indirekt: Der Überfall sei von türkischen Regierungsvertretern scharf verurteilt worden. Nagy erinnerte jedoch daran, dass die Kommission von Ankara unter anderem eine Verbesserung der Rechtsstellung nicht-muslimischer Gemeinden und Stiftungen erwarte.

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi sagte während eines Besuchs in Südkorea, das Verbrechen sei für den erhofften EU-Beitritt der Türkei nicht hilfreich. Die Entscheidung darüber sei jedoch eine rein politische und dürfe von solchen "Tragödien" nicht beeinflusst werden. Auch der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, verurteilte den Anschlag. Es reiche nicht aus, nur Beileidserklärungen abzugeben. "Es ist höchste Zeit, die gesellschaftliche Verantwortung für diese Taten zu übernehmen und offen über die Entwicklungen in der Türkei zu sprechen", sagte Kolat.

Protest in Istanbul

Auch der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland hat den Mordanschlag "mit tiefem Entsetzen und Abscheu verurteilt". Die Taten seien "unfassbar", sagte der Sprecher des Rates, Ayyub Axel Köhler, am Donnerstag in Köln. "Es gibt keine religiöse Rechtfertigung für solche Überfälle", so Köhler. Solche Taten dürften niemals geduldet werden. In Vers 256 der zweiten Sure garantiere der Koran das Recht auf Glaubensfreiheit. "Diese koranische Grundlage darf niemals in Frage gestellt werden", mahnte er. "Ich hoffe, dass wir alle der Versuchung widerstehen, uns gegeneinander ausspielen zu lassen." Im Koordinierungsrat sind vier muslimische Organisationen in Deutschland vertreten.

In Istanbul protestierten rund 150 Menschen gegen das Verbrechen und zeigten sich solidarisch mit der christlichen Minderheit in der Türkei. Sie entzündeten Kerzen und entfalteten ein Plakat mit der Aufschrift "Wir sind alle Christen". Malatya im Osten der Türkei gilt als Hochburg der Nationalisten. Aus der Stadt stammt auch Mehmet Ali Agca, der 1981 das Attentat auf Papst Johannes Paul II. verübte. Dem Überfall vom Mittwoch waren mehrere Angriffe auf die christliche Minderheit in der Türkei vorangegangen. Unter anderem wurde im Februar vergangenen Jahres ein katholischer Priester in der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer von einem Jugendlichen erschossen.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Rosenengel (22.04.2007, 09:51 Uhr)
sutman
Diese Fälle liegen schon eine Weile zurück?
Ich kann mich noch daran erinnern. War es nicht so, das bei einem dieser Fälle zum Schluß rauskam, das es ein Familienangehöriger war?
Und wenn das Geld und das Sozialamt der Grund für Einwanderung ist, wo ich aber nicht Glaube das es der Alleinige ist, dann muß die deutsche Regierung Regelungen schaffen, das niemand mehr vom Geld und Sozialleistungen angelockt wird.
sutman (22.04.2007, 01:01 Uhr)
Für Rosenengel und andere
29.5.1993 Fünf türkische Frauen ermordet Bei einem Brandanschlag verbrennen fünf türkische Frauen und Mädchen in ihrem Haus. Sechs Monate nach dem Mordanschlag auf eine türkische Familie in Mölln (23. 11. 1992) wird in Solingen in einem von Türken bewohnten Haus Feuer gelegt. Zwei Frauen und drei Kinder kommen ums Leben, mehrere andere Personen erleiden z. T. lebensgefährliche Verletzungen. Die Polizei nimmt zunächst einen 16jährigen, später drei weitere Männer zwischen 16 und 23 Jahren fest, von denen einer Mitglied in der rechtsextremen Deutschen Volksunion (DVU)
sutman (22.04.2007, 00:56 Uhr)
dersimli
du bist doch bestimmt für PKK devsol usw. du bist aktiv dabei oder mitläufer? wie kannst du leute beurteilen wenn du selber zu terror bekennst!!!
Ihr habt in deutschland nicht zu suchen.
die leute sind genau so mörder wie die in Malatya.
sutman (22.04.2007, 00:23 Uhr)
Warum fliehen so viele Armenier und Kurden nach Deutschland? Warum drängt es überhaupt auch so viele Türken nach Deutschland?
das Geld und Sozialamt?
Rosenengel (20.04.2007, 16:55 Uhr)
An Ismail
Du liegst Falsch: Nicht Herr Steinmeier hat Herrn Kurnaz 4 Jahre im Knast sitzen lassen. Es war die türkische Regierung! Und so ein Unschuldaslamm ist der Herr Kurnaz auch nicht. Das er nicht zum Verbrecher wurde, hat er nur seiner rechtzeitigen Verhaftung zu verdanken.
Wo wurden Türken in Deutschland verbrannt? Oder haben die Deutschen Schuld an türkischen Ehrenmorden?
Warum hast Du nichts von dem Deutschen geschrieben, den in Berlin türkische Jugendliche mit Eisenstangen erschlagen wollten? Die Türken fordern in Deutschland Rechte ein, die keine Minderheit und kein Ausländer in der Türkei je hatten und haben. Warum fliehen so viele Armenier und Kurden nach Deutschland? Warum drängt es überhaupt auch so viele Türken nach Deutschland?
Grüße an Raknarak, hummelbiene und Dersimli
Dersimli (20.04.2007, 16:39 Uhr)
Der realexistierende Islam ist Barbarei pur !
Ich habe lange in der Türkei gelebt und kenne die Intoleranz der gläubigen Moslems. Es ist nun einmal ein Fakt das in keinem einzigen islamischen Land Demokratie und Menschenrechte gibt. Ich kann nicht verstehen warum gläubige Moslems nach Deutschland kommen und hier ihre Religion ausleben wollen. Eine integration von gläubigen Moslems in eine pluralistische Demokratie ist nicht möglich, schade um die Steuergelder.
hummelbiene (20.04.2007, 14:09 Uhr)
Muslimrat
Lieber Muslimrat, ich danke für die
Verurteilung des Mordes an unseren christlichen Brüdern in der Türkei, aber wo bleiben die Lichterketten?
Ich freue mich auch über Ihre Forderung für Islamkunde an deutschen Schule und hoffe, daß Sie
auch meinen Wunsch nach Bibelkunde an türkischen Schulen unterstützen.
Raknarak (20.04.2007, 13:33 Uhr)
@ Ismail
Kann du mir sagen wie viel verantwortung herr steinmeier für einen türkischen staatsbürger hat?
auf jeden fall weniger als die türkische regierung!
und wann haben den türken in deutschland gebrannt, als sie beim angriff auf wien von den bergen gerutscht sind, oder wie?
Ismail (20.04.2007, 12:34 Uhr)
Leicht gemacht
Wenn deutscher Aussenminister einen Türken(murat kurnaz) 4 Jahre unschuldig im Knast sitzen läst, kommt keiner auf die Idee Deutschland zu beschuldigen, sondern nur Herrn Steinmeier, in der Türkei passiert etwas (Leider) alle schreien sofort: Die Türkei ist schuld, nicht die türkei sondern die Kriminelle sind schuld. wer hatte schuld als in Deutschland Türken verbrannt wurden ?
Rosenengel (20.04.2007, 10:06 Uhr)
Es ist interessant
die Reaktionen auf diesen 3fachen rassistischen/religiösen Mord mit den Reaktionen auf die Worte eines, nun Ex, Bundeswehrausbilders zu vergleichen.
Bei dem Bundeswehr - Video gab es 5 Artikel und hunderte Kommentare, in denen "Die Deutschen" als Tiere beschimpft wurden und ähnlicher Dinge mehr. "Außenpolitische Dimensionen" und "Bundeswehr bei USA entschuldigen".
Hier, bei Mord: Die Reaktionen tendieren gegen Null. Warum? Weil dieser brutale Mord "nur" Christen, darunter einen Deutschen, traf? Wo bleiben jetzt die sonst so plakativ vorgetragenen Empörungsschreie der Antirassisten (auch ich bin einer, nur eben keiner von den "Einseitigen")?
Nein, hier wird der Spieß umgedreht: Wie schrieb einer: Der "arrogante Westen" hat Schuld. Am Ende wohl wieder die Deutschen. Wir werden wohl aus dieser "Schuldenfalle" nie rauskommen.
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