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Tausende gehen in ganz Europa auf die Straße

Fassungslos verfolgen weltweit Journalisten das Schicksal ihrer Kollegen vom Satiremagazin "Charlie Hebdo". Das Entsetzen ist groß, doch noch größer ist die Solidarität.

  Unter dem Hashtag #JeSuisCharlie würdigen Tausende den Einsatz des Satiremagazins "Charlie Hebdo" für die Pressefreiheit

Unter dem Hashtag #JeSuisCharlie würdigen Tausende den Einsatz des Satiremagazins "Charlie Hebdo" für die Pressefreiheit

Der Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" hat in vielen Ländern Europas Entsetzen ausgelöst. Unter anderem in Toulouse, Berlin, London und Madrid beteiligten sich am Mittwochabend tausende Menschen an Mahnwachen. Darüber hinaus hat Frankreichs Präsident François Hollande für Donnerstag einen nationalen Trauertag ausgerufen.

Wo Versammlungen geplant sind oder aktuell stattfinden, können Sie dieser Karte entnehmen

Medien zeigen sich schockiert

Insbesondere Medienvertreter sind entsetzt. Beim schwersten Terroranschlag in Frankreich seit einem halben Jahrhundert sind zwölf Menschen ermordet worden. "Das ist ein Anschlag auf das Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit", sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, nach DJV-Angaben in Bonn. Er sprach den Toten das Beileid aller DJV-Mitglieder aus.

Auch wenn die Angst vor weiteren Anschlägen groß ist, die Redaktion des deutschen "Titanic"-Magazins will sich von dem tödlichen Anschlag nicht in ihrer Arbeit einschränken lassen. Für religiöse und alle anderen Themen gelten die gleichen Regeln, sagte Chefredakteur Tim Wolff dem "Wiesbadener Kurier". "Wenn ein Thema für uns wichtig ist und wir die Witze lustig finden, drucken wir das." Mit einem derartigen Anschlag werde das Thema noch relevanter für Satiriker. "Das zieht ja noch mehr Spott nach sich.

Der Islam sei auch für die "Titanic"-Redaktion in Frankfurt immer wieder ein Thema gewesen. "Wir haben auch einige Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, um sie zu besprechen. Wir halten uns nicht zurück", sagte Wolff dem Blatt. Bisher sei seines Wissens nach noch kein deutscher Satiriker in der Nachkriegszeit erschossen worden. "Wir hoffen, das bleibt auch so."

"Satire ist Lebenselexier für den gesellschaftlichen Diskurs"

Diesen Worten ließ die "Titanic"-Redaktion auch prompt Taten folgen. Auf der Homepage des Satiremagazins erschien kurz nach dem Anschlag eine lakonische Mitteilung, mit der sich Redakteure provokativ an potenzielle Terrorisieren wandten: "Terrorhinweis: Für 16 Uhr ist in der Titanic-Redaktion eine Pressekonferenz angesetzt, bei der RTL, Hessischer Rundfunk, Frankfurter Rundschau und sämtliche weitere Privat- und Systemmedien anwesend sind. Für Terroristen bietet sich hier die Möglichkeit, nicht nur eine Satireredaktion auszulöschen, sondern auch die gesamte deutsche Lügenpresse. Es gibt Schnittchen (hinterher)!"

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, erklärte ebenfalls: "Der Kulturbereich wird sich auch durch den abscheulichen Anschlag in Paris nicht einschüchtern lassen." Gerade Satire ermögliche die kritische Auseinandersetzung mit politischen Entwicklungen und sei damit ein Lebenselexier für den gesellschaftlichen Diskurs.

Auf Twitter sprach auch die Redaktion des Satiremagazins "Extra3" des Norddeutschen Rundfunks ihr Beileid aus.

Cartoons als Antwort auf den Anschlag

Der niederländische Satiriker Ruben L. Oppenheimer antwortete mit Kunst auf den Anschlag. Auf seiner Karikatur ersetzen zwei Bleistifte - symbolhaft für den Journalismus - das World Trade Center, das 2001 Ziel eines Terroranschlags geworden ist.

#JeSuisCharlie

Nicht nur Medienvertreter solidarisieren sich mit den Opfern der blutigen Attacke. Unter dem Hashtag #JeSuisCharlie drücken tausende Menschen weltweit im Netz ihr Mitgefühl aus. Ein Post der Tochter des ermordeten Karikaturisten Georges Wolinski rührt viele zu Tränen. Auf Instagram schrieb sie: "Papa ist tot, nicht Wolinski."

Auch die Komikfigur Charlie Brown, nach dem das Satiremagazin benannt worden ist, weint um die ermordetem Journalisten.

Doch nicht alle gehen mit dem Thema angemessen um. Einige Reaktionen sorgen für Unverständnis, wie zum Beispiel die Stellungnahme des Satiremagazins "Eulenspiegel".

Der indirekte Aufruf zu einem Anschlag auf den Axel-Springer-Verlag geht vielen zu weit, auch wenn Satire bekanntlich alles darf.

ivi/DPA/AFP/DPA
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