6. August 2012, 12:38 Uhr

Die Sorgen des Herrn Monti

Die Angst des italienischen Regierungschefs Mario Monti vor einem Auseinanderbrechen Europas sitzt tief. In Italien wettert nicht nur Silvio Berlusconi gegen den Euro und Kanzlerin Merkel.

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Mit einem strikten Sparkurs hat sich Monti in Italien als "Retter" etabliert, nun fürchtet er, dass die Stimmung sich drastisch gegen Europa wendet©

Löst sich das "Projekt Europa" auf, bricht es im Zuge einer sich verschärfenden Schuldenkrise auseinander? Italiens Mario Monti, einst EU-Kommissar und heute Regierungschef in Rom, sieht die Gefahr heraufziehen. Und er befürchtet vor allem eine gefährlich anwachsende Stimmung gegen den Euro und den "Bremser" Deutschland. Was Monti warnend dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sagte, dass Deutschland in der Euro-Krise flexibler sein müsste, ist von Furcht getragen: Die spätestens im April 2013 in Italien anstehenden Parlamentswahlen könnten zu einem Referendum über Europa werden. Konjunktur haben derzeit Euro-Skeptiker und Seitenhiebe auf Berlin.

Wirtschaftsprofessor Monti, von Staatspräsident Giorgio Napolitano im November eingesetzt, hat das hoch verschuldete und unter massiver Wachstumsschwäche leidende Italien vor dem Absturz bewahrt - vorerst jedenfalls. Im Jahr der Rezession in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hagelte es für die Italiener harte Sparpakete mit noch höheren Steuern. Und die Technokratenregierung legt die Axt an den aufgeblähten Verwaltungsapparat. Dass Italien weiterhin wie das andere Sorgenkind Spanien unter dem Druck der Anleihemärkte steht, dafür ist aus Montis Sicht Europas Politik verantwortlich. Er betont auch, dass Italien trotz Krise massiv in die Rettungskassen einzahlt.

Die nächsten Wahlen könnten zum Referendum über Europa werden

Er war als "Retter Italiens" ins Amt gekommen. Wenn dann der andere "Super-Mario", EZB-Chef Draghi, wie zuletzt am Donnerstag keinen neuen Maßnahmen gegen die Zinslast und die nervösen Märkte ankündigt, muss Monti um sein Werk bangen. Die Schuld daran geben Medien - wie am vergangenen Freitag das rechtskonservative Blatt "Il Giornale" - indes auch Angela Merkel: "Das Nein Merkels und Deutschland lässt uns und Europa in die Knie gehen." Selbst die zurückhaltende, liberale "La Stampa" sprach am Montag von der deutschen Neigung, gegen den ganzen Rest der Welt - oder fast - Recht behalten zu wollen. Zeichen einer steigenden "Anti-Stimmung" wie in Athen.

Der parteilose Regierungschef mit der leisen Stimme und den offenen Worten muss populistische Strömungen befürchten, die schlimmstenfalls gefährden, was er als Reformen eingeleitet hat. Da ist zum einen der Komiker Beppe Grillo, dessen Anti-Euro-Mantra ein Klassiker in seinen Shows ist. Grillo ist auch der Chef der Internet-Bewegung "Fünf Sterne". Diese hat bei Regionalwahlen schon bemerkenswerte Erfolge erzielt und will jetzt in Rom ins Parlament. In Internet-Foren der Grillo-Bewegung wird auch schon mal über einen Boykott deutscher Waren diskutiert. "Die nächsten Wahlen könnten zum Referendum über Europa werden", vor allem, falls Italien unter den Rettungsschirm müsse, meinte der Mailänder "Corriere della Sera".

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