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16. November 2009, 08:41 Uhr

Obama fordert in China Menschenrechte ein

Mit Bauchschmerzen werden seine Gastgeber Barack Obamas ersten öffentlichen Aufritt in China verfolgt haben: Der US-Präsident legte sich vor Studenten in Shanghai für Menschenrechte und Meinungsfreiheit ins Zeug.

China, USA, Menschenrechte, Meinungsfreiheit

Fühlte sich sichtlich wohl: US-Präsident Barack Obama im Kreise von Studenten in Shanghai© Jason Reed/Reuters

US-Präsident Barack Obama hat zum Auftakt seines China-Besuchs vor ausgewählten Studenten für Menschenrechte geworben. Der in der Volksrepublik gängigen Internet-Zensur erteilte der Friedensnobelpreisträger eine klare Absage. Er sei für die freie Nutzung des Internets, sagte Obama bei seinem Auftritt am Montag vor einer handverlesenen Menge in Shanghai. "Je offener wir sind, umso mehr können wir kommunizieren und das lässt die Welt zusammenrücken." Meinungsfreiheit, Zugang zu Informationen und politische Partizipation seien universelle Rechte. "Sie sollten allen Menschen zur Verfügung stehen, einschließlich ethnischen und religiösen Minderheiten." In den USA sei die Tatsache, dass es unbehinderten Zugang zum Internet gebe, eine "Quelle der Kraft. Und ich denke, das sollte ermutigt werden."

Insgesamt vermied Obama jedoch einen zu kritischen Ton. So nannte er sensible Themen, wie den Tibet-Konflikt, nicht beim Namen. Vielmehr versuchte er, die im Vorfeld seiner Reise hochgekochten Differenzen in der Wirtschafts- und Währungspolitik zu besänftigen. "Wir wollen Chinas Aufstieg nicht im Zaum halten", beteuerte der Präsident. "Im Gegenteil, wir begrüßen China als ein starkes und wohlhabendes und erfolgreiches Mitglied der Gemeinschaft von Nationen." Obama würdigte zugleich die Handelsbeziehungen zwischen beiden Staaten. Dadurch könnten mehr Arbeitsplätze und Wohlstand entstehen. Sie müssten aber ausgeglichener sein. Die Volksrepublik verkauft viel mehr Produkte in die USA als sie von dort importiert. Außerdem ist China der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten.

Zensoren greifen durch

Die zuständigen Behörden hatten Obamas Auftritt bis ins Detail vorbereitet. Die Veranstaltung wirkte, als hielte sie sich an ein vorgeschriebenes Drehbuch. Zwar stellte sich der Präsident auch Fragen der Studenten. Eine echte Debatte entwickelte sich dadurch aber nicht. Die Studenten spendeten höflich Applaus und lachten, als Obama versuchte, chinesisch zu sprechen.

Landesweite Sendeanstalten zeigten die Rede nicht. Lediglich einige Nachrichtenkanäle in Shanghai übertrugen den Auftritt, sowie internationale Medien und vereinzelte Websites. Doch selbst dort griffen die Behörden schnell ein. So konnten Obamas Kommentare auf der chinesischen Website NetEase.com gerade einmal 27 Minuten gelesen werden, bevor die Zensoren sie löschten, wie das Portal China Digital Times, das chinesische Internet-Inhalte dokumentiert, berichtete. Der Zugang zu populären Websites wie Facebook oder Twitter, wo die Rede sofort weltweit kritisch diskutiert wurde, ist in China ohnehin seit Monaten gesperrt.

Höhepunkt von Obamas Reise wird das Treffen mit Präsident Hu Jintao am Dienstag in Peking sein. Dann stehen umstrittene Themen wie die Handels- und Währungspolitik, der Umgang mit den Atomprogrammen Nordkoreas und des Iran sowie der künftige Kurs in der Umweltpolitik auf der Tagesordnung. Am Wochenende konnten sich die beiden Wirtschaftsmächte beim Gipfel des asiatischen-pazifischen Wirtschaftsforums in Singapur Verhandlungskreisen zufolge in wichtigen Fragen wie der von den USA geforderten größeren Freigabe des Yuan-Kurses nicht einigen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Administrator (16.11.2009, 17:48 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
auwei (16.11.2009, 17:30 Uhr)
@x-cube
Haben Sie schon mal daran gedacht, dass Obama jetzt schon am Ende wäre, wenn er mit (berechtigten) Maximalforderungen in die Arena träte? Hey, es sind die USA - da hatte zwar die Mehrheit den blöden Georgieboy satt, aber einsichtvoller ist der Mainstream dadurch auch nicht geworden. Aber wie die SPD, so der Obama - den einen zu rechts, den anderen zu links - und am Ende sitzt ein Reaktionär am Ruder (siehe Deutschland), weil die sich im Zweifel einfach kaltschnäuziger durchsetzen können. Ich habe die Nase langsam voll von "echten" Linken, die ihr Leben in der (moralisch sauberen) Opposition verdödeln wollen. Sicher, Obama kann lupenreine Politik machen - aber 1. ohne Volk (jedenfalls nicht mit den Amis) und 2. etwa ein halbes Jahr lang, dannn ist Schluss mit lustig. Sicher, die SPD kann Politik à la Linke machen - dann kommen beide zusammen auf etwa 20 Prozent der Wählerstimmen. Tolle Aussichten...
x-cube (16.11.2009, 17:20 Uhr)
@ auwei
Blödsinn? Naja wenn Sie meinen.
Obama hat weder seine Vorgänger juristisch belangt für Ihre Verbrechen gegen die Menschenrechtskonvention noch hat er Guantanamo dicht gemacht. Lippenbekenntnisse sind eben nur Lippenbekenntnisse und keine TATEN. An Taten soll man gemessen werden nicht an Worten. Aber glauben Sie ruhig weiter an den Heiland Obama.
Garnet (16.11.2009, 15:42 Uhr)
Ja, der Obama!
Schon ein Kuenstler! Hat zusammen mit der Menschenrechtskommision der UN in welcher so hochruehmliche Nationen wie der Iran,Saudi Arabien und Kuba federfuehrend sind, knallhart und gegen die amerikanische Verfassung das Recht auf freie Meinungsaeusserung in Hinsicht auf Religion total abgeschafft. Und damit auch die Menschenrechte mit Fuessen getreten. Man erinnere sich an seinen Antrittsbesuch bei seinem Hauptaktionaer, King Fadh, in Saudi. Der hat sich fast den Kopf auf dem Boden angeschlagen, so tief hat er sich verneigt.
auwei (16.11.2009, 14:23 Uhr)
@x-cube, oluja, tursu
Bei aller Liebe - das ist wirklich Blödsinn. Obama hat weder Gitmo noch Abu Goreib zu verantworten - und ist mit dem Anspruch angetreten, das ramponierte US-Image wieder aufzupolieren. Na klar, das wird nicht funktionieren - USA und Menschenrechte werden aufgrund der strukturellen Beschaffenheit der US-Amerikaner auch weiterhin ein delikates Begriffspaar bleiben, aber wie glaubwürdig wäre Obama, wenn er zu dem Thema schweigen würde? Möge er den USA wenigstens für vier, günstigstenfalls acht Jahre ein meschlicheres Antlitz geben und solchen Strolchen wie China immer wieder sanfte Kopfnüsse verpassen.
tursu (16.11.2009, 11:42 Uhr)
HE???
Was redet er denn da? Sieht er nicht was in seinem Lande vorgeht?? Zunächst selber SAUBER sein, dann erst andere Länder dazu auffordern.
Oluja (16.11.2009, 10:44 Uhr)
ein beweis für die arroganz und ignoranz der usa, denn wer in guantanamo, abu ghraib, bagram und wer wies wo noch sonst in dunklen cia foltergefängnissen tausendfach gefoltert hat und wohl noch heute foltert sowie massaker im irak und afghanistan begeht, der sollte zu dme thema lieber ganz leise töne anshcglagen
x-cube (16.11.2009, 10:11 Uhr)
Lächerlich
Da die USA ja in Guantanamo als gutes Beispiel voran geht, darf sie das natürlich ohne lächerlich zu wirken von anderen Staaten fordern.
HALLO? Gerade die USA sollte sich bei diesem Thema schamhaft zurückhalten.
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