Der neue Atomwaffentest Nordkoreas hat scharfen Protest auf der ganzen Welt ausgelöst. Am Abend veruteilte der Weltsicherheitsrat das Regime in Pjöngjang. Südkorea will sich nun einer US-Initiative gegen Massenvernichtungswaffen anschließen. Ein Schritt, den Nordkorea als "Kriegserklärung" versteht.

Pro Nordkorea: Protest gegen einen Beitritt Südkoreas zur Initiative gegen Atomwaffen, PSI© Ahn Young-joon/AP
Der zweite unterirdische Atomwaffentest Nordkoreas hat weltweit Besorgnis und Kritik ausgelöst. Am späten Abend verurteilte der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen den Test einstimmig. Er war auf Drängen Japans und Südkoreas in New York zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengetreten. Bereits in wenigen Tagen will das Gremium eine Resolution verabschieden. Südkorea will sich als Reaktion auf den Test nun an einer von den USA angeführten globalen Initiative gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen anschließen. Nordkorea hatte den Süden in der Vergangenheit stets gewarnt, dass es diesen Schritt als "Kriegserklärung" auffassen werde.
Die Regierung in Seoul wolle sich an der seit sechs Jahren bestehenden "Proliferations-Sicherheitsinitiative" (PSI) beteiligen, weil Massenvernichtungswaffen und die Weiterverbreitung von Raketentechnologie eine ernste Bedrohung des Weltfriedens darstellten, sagte ein Regierungssprecher. Südkorea hatte bereits als Reaktion auf den umstrittenen Start einer Rakete mit größerer Reichweite in Nordkorea Anfang April erwogen, bei PSI als Vollmitglied einzusteigen, den Plan jedoch aufgeschoben. Bisher hatte das Land Beobachterstatus.
Nordkorea gibt sich weiter uneinsichtig: Der Test sei Teil der "Maßnahmen zur Stärkung der atomaren Abschreckungskräfte zur Selbstverteidigung in jeder Hinsicht" gewesen, rechtfertigte ein Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA den Test. Die Explosion war diesmal zehn stärker gewesen als beim ersten Atomtest des kommunistischen Landes im Oktober 2006 - und damals hatte es scharfe Sanktionen gegeben.
US-Präsident Barack Obama bezeichnete das nordkoreanische Streben nach Atomwaffen als "Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit". Sollten die Meldungen über einen erneuten Atomtest bestätigt werden, liefe das auf eine "eklatante Missachtung" des UN-Sicherheitsrats und eine Verletzung internationalen Rechts hinaus, sagte Obama am frühen Montagmorgen (Ortszeit) in Washington. "Dieses Vorgehen, das nach den vorher abgegebenen Erklärungen und erfolgten Maßnahmen nicht überraschend wäre, ist Anlass großer Sorge für alle Nationen", fügte er hinzu.
Lautstarker Protest kam auch aus Europa. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, der "Verselbstständigung des nordkoreanischen Handelns" müsse ein Ende gesetzt werden. Der UN-Sicherheitsrat solle ein Signal der Geschlossenheit senden. Die Europäische Union verurteilte den Atomtest Nordkoreas ebenfalls scharf. "Diese unverantwortlichen Handlungen rechtfertigen eine harte Antwort der internationalen Gemeinschaft", heißt es in einer Erklärung des EU-Außenbeauftragten Javier Solana vom Montag.
Sicherheitsratsmitglied Frankreich forderte als Reaktion härtere Sanktionen. In den kommenden Stunden werde Paris mit seinen Partnern der Vereinten Nationen über die Konsequenzen "dieser schwerwiegenden Handlung" beraten, sagte Außenminister Bernard Kouchner. "Insbesondere über die Verschärfung der Sanktionen." Kouchner forderte Pjöngjang auf, "jede neue Provokation zu vermeiden". Der kommunistische Staat müsse umgehend die UN-Resolution 1718 zum Atomwaffentestverbot umsetzen und die Sechs-Parteien-Gespräche zur atomaren Abrüstung wieder aufnehmen. Auch die anderen ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat Großbritannien und China verurteilten den Atomtest - Peking allerdings erst nach acht Stunden. Der britische Premierminister Gordon Brown bezeichnete den Test als Gefahr für die Welt.
Russland warf Nordkorea vor, gegen eine UN-Resolution verstoßen zu haben. Die Entwicklung lasse zudem die Spannungen in der Region eskalieren, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Die Entwicklung sei auch ein schwerer Rückschlag für die Bemühungen um eine Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen. Nach Erkenntnissen des russischen Verteidigungsministeriums hatte die Kernexplosion eine Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen, sagte ein Sprecher nach Angaben der Agentur Interfax. Das ist vergleichbar mit den US-Atombomben, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Hiroshima und Nagasaki zerstörten. Die Detonation wurde dem Sprecher zufolge etwa 80 Kilometer nordwestlich der Stadt Kilchu im Nordosten des Landes registriert.
Seismologen in Deutschland, den USA, Südkorea und Japan registrierten eine erdbebenähnliche Erschütterung in dem Testgebiet. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover teilte mit, die BGR-Seismometer hätten eine Magnitude von 4,7 registriert. Das lasse auf eine Ladungsstärke von zehn Kilotonnen schließen. Zum endgültigen wissenschaftlichen Nachweis seien noch weitere Untersuchungen nötig.
Nach Berichten der südkoreanischen Agentur Yonhap feuerte Nordkorea vor der Ostküste des Landes vermutlich zudem drei Testraketen ab. Alle drei Raketenstarts erfolgten den Berichten zufolge von einer Startrampe an der Ostküste aus. Weitere Details zum Typ der Raketen sind bisher nicht bekannt. Zuvor hatte Yonhap berichtet, die erste Rakete habe vermutlich eine Reichweite von 130 Kilometern gehabt.
Vor dem Hintergrund bereits erhöhter Spannungen im Streit um sein Waffenprogramm hatte Nordkorea bereits Ende April seinen unwiderruflichen Rückzug von den internationalen Verhandlungen über sein Atomwaffenprogramm erklärt und zugleich die vollständige Wiederaufnahme dieses Programmes angekündigt. Grund war die Verurteilung des Starts einer Rakete mit großer Reichweite in Nordkorea durch den Weltsicherheitsrat. Nordkorea verlangte vom Rat eine Entschuldigung und die Rücknahme von Sanktionen. Nach Angaben Nordkoreas handelte es sich um einen Satellitenstart. Auf den ersten Atomtest in Nordkorea vor gut zweieinhalb Jahren hatten die UN mit der Verhängung von einer Reihe von Sanktionen reagiert.