Iran droht mit Rauswurf von UN-Kontrolleuren

21. November 2005, 09:38 Uhr

Die USA hat sich "beunruhigt" über Irans Besitz von Bauanleitung für Atomwaffen gezeigt. Das iranische Parlament droht nun mit Konsequenzen, sollte der Fall an die UN übergeben werden.

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Sorgt sich wegen iranischer Uranerreicherung: IAEO-Chef al Baradei©

Mit Beunruhigung haben die USA auf einen Bericht reagiert, wonach Iran im Besitz einer Bauanleitung für ein Kernelement von Atomwaffen ist. Die USA wollen jetzt mit ihren Freunden über weitere Schritte beraten, sagte US-Außenamtssprecher Adam Ereli zu dem Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO). Iran wäre schlecht beraten, wenn es den Dialog abbrechen würde.

Laut dem Bericht, den IAEO-Chef Mohammed al Baradei in Wien vorlegte, hat Iran in den 80er Jahren von pakistanischen Mittelsmännern Anleitungen zum Bau von Gaszentrifugen erhalten, mit denen Uran bis zur Atombombenfähigkeit angereichert werden könnte. Zudem bekam Iran Pläne zum Bau von Bestandteilen einer Atombombe.

Auch deutsche Technologie im Iran

Auch deutsche Vakuum-Technologie für die Urananreicherung ist nach einem Bericht des Magazins "Focus" aus einem staatlichen US-Atomforschungslabor nach Iran und Libyen gelangt. Demnach seien im Jahr 2000 insgesamt sieben Vakuum-Pumpen der hessischen Firma Pfeiffer Vacuum an die Los Alamos National Laboratories in New Mexico/USA geliefert worden. Eine dieser Pumpen entdeckten IAEO- Inspektoren 2003 in der iranischen Urananreicherungsanlage in Natanz, hieß es weiter. Bislang hätten weder die IAEO noch der Bundesnachrichtendienst feststellen können, wie die sensiblen High-Tech-Komponenten nach Iran und Libyen gelangen konnten.

Wegen der erneuten Uranumwandlung in der iranischen Atomanlage von Isfahan sagte die EU ein von Russland vorgeschlagenes Gespräch mit Teheran in Moskau ab. Die IAEO wird über Iran bei ihrem Treffen am Donnerstag in Wien beraten. Zur Diskussion steht auch, ob Teheran wegen Verstoßes gegen den Atomwaffensperrvertrag dem Weltsicherheitsrat gemeldet werden soll.

Irans Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi sagte in Teheran, für einen solchen Schritt gebe es keinen Grund. Er bekräftigte anhaltende Bereitschaft Teherans zur Zusammenarbeit mit der IAEO.

Weniger kompromissbereit zeigte sich das iranische Parlament. Es bekräftigte in einem am Sonntag gebilligten Entwurf die Aufforderung an die Regierung, das Zusatzprotokoll des Atomwaffensperrvertrags zu kündigen, falls der Fall an den UN-Sicherheitsrat überwiesen werden sollte. Das Zusatzprotokoll sieht unangemeldete Kontrollen von Nuklearanlagen vor. Das Parlament hatte den vage gehaltenen Entwurf bereits einmal im September gebilligt.

DPA
 
 
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