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Euro-Minister enttäuschen die Börsen

Die nächsten Milliarden für Griechenland lassen auf sich warten, die EU erhöht vorher den Druck auf Athen. Die Börsianer sind davon alles andere als begeistert.

  Griechenland kann ohne Hilfe der Eurozone seine Schulden nicht mehr bedienen

Griechenland kann ohne Hilfe der Eurozone seine Schulden nicht mehr bedienen

Die Börsianer sind enttäuscht über die Verschiebung neuer Griechenland-Hilfen. Aktien verloren am Montag europaweit. Der Euro rutschte ab. Banken und Versicherer gehörten zu den größten Verlierern. "Die Aktienmärkte mögen keine Unsicherheit", fasste ein Analyst die schlechte Stimmung zusammen.

Die Eurofinanzminister hatten bei ihren Krisenberatungen am Montagmorgen eine Entscheidung über dringend benötigte Milliardenkredite für Griechenland auf Anfang Juli aufgeschoben. Damit steigert die Eurozone den Druck auf Athen. Denn: Vor der Hilfszusage soll das griechisches Parlament das neue Sparpaket verabschieden.

Am Finanzmarkt kam die Verschiebung nicht gut an. Die Griechenland-Lösung auf die lange Bank zu schieben, verunsichere die Märkte, kritisierten Analysten. Dies sei "ein Spiel mit dem Feuer" angesichts der fehlenden Unterstützung des Sparprogramms durch die griechische Opposition, hieß es in einem Kommentar.

Griechen-Anleihen geraten erneut unter Druck

Spürbar war die Enttäuschung auch am Markt für griechische Staatsanleihen. Die ohnehin gebeutelten Papiere büßten weiter ein, dafür stiegen die Risikoaufschläge erneut. Die Rendite zweijähriger Staatstitel stieg im Vormittagshandel um mehr als einen halben Prozentpunkte auf 25,7 Prozent. Zum Vergleich: Für deutsche Staatsanleihen gibt es Renditen um die 3 Prozent.

Nach langem Streit zeichnen sich immerhin die Konturen des neuen Rettungsplans für das krisengeschüttelte Land ab. Die Euro-Finanzminister beschlossen, dass private Gläubiger wie Banken und Versicherungen - auf freiwilliger Basis - einen Teil der Lasten tragen sollen. Deutschland konnte laut Diplomaten weitreichende Forderungen bei dem Treffen in Luxemburg nicht vollständig durchsetzen. Das Paket soll einen Umfang von bis zu 120 Milliarden Euro haben.

Bittere Medizin

Politiker in ganz Europa verstärkten am Montag auch verbal den Druck auf die Griechen. Der harte Sparkurs, sagte beispielsweise Bundesaußenminister Guido Westerwelle, sei "ein schmerzlicher Prozess, das kann man sich gut vorstellen": "Aber es gilt in Griechenland das, was wir überall in den letzten Monaten in Europa erlebt haben, wo es um aushaltskonsolidierung gegangen ist: Gute Medizin schmeckt manchmal bitter, aber dafür wirkt sie dann auch."

Erst wenn Griechenland zu seinen Verpflichtungen stehe und sie erfülle, sei die Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Kredittranche geschaffen, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble. Die Freigabe des nächsten Kredits sei jetzt noch nicht möglich gewesen, weil die griechische Regierung das erst kürzlich vereinbarte Sparpaket wieder ändern wolle, erklärte die österreichische Finanzministerin Maria Fekter.

Der kleinste gemeinsame Nenner

Die Beteiligung von privaten Gläubigern an einem neuen Rettungspaket war bisher in der Eurozone sehr umstritten. Deutschland war mit seinen weitreichenden Vorstellungen, vertreten von Schäuble, auch auf den Widerstand der Europäischen Zentralbank gestoßen. Jetzt bewegt sich die Eurozone auf einen Kompromiss zu, nachdem am Freitag Kanzlerin Angela Merkel bei Gesprächen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Zugeständnisse gemacht hatte.

Die Rede ist nun von einer Lösung nach dem Vorbild der sogenannten Wiener Initiative. Bei diesem Verfahren könnten Anleger freiwillig neue griechische Staatsanleihen kaufen, wenn alte auslaufen. Mit diesem Verfahren ("Roll-Over") soll verhindert werden, dass Ratingagenturen die Einbeziehung der privaten Gläubiger als einen Zahlungsausfall Griechenlands - ein so genanntes Kreditereignis - werten. Schäuble, der seine strikte Position aufgeben musste, hofft aber auch so auf eine Beteiligung der privaten Banken. "Man muss mit den Gläubigern die Situation hinreichend klar erörtern, dann haben alle ein Interesse daran, dass wir die Situation gut bewältigen können."

Griechenland, das nur 2,5 Prozent zur Wirtschaftsleistung des gemeinsamen Währungsgebiets beiträgt, ist nach Auffassung der Finanzminister nicht in der Lage, wie geplant Anfang 2012 an die Kapitalmärkte zurückzukehren. Schäuble und Kollegen beraten am Montag weiter über die Rettungsaktion und ihre Details.

ben/DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters

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