Startseite

Armee setzt weiter auf Gewalt

Die ägyptische Armee hat eine besetzte Moschee gewaltsam gestürmt. Die Regierung betonte, weiter mit "eiserner Faust" gegen die Muslimbrüder vorzugehen - und erwägt ein Verbot der Organisation.

  Ein ägyptischer Soldat versucht, einen Muslimbruder zu schützen, der die bestzte Moschee verlässt und von einer aufgebrachten Menge bedrängt wird.

Ein ägyptischer Soldat versucht, einen Muslimbruder zu schützen, der die bestzte Moschee verlässt und von einer aufgebrachten Menge bedrängt wird.

Der blutige Machtkampf zwischen den entmachteten Islamisten und dem Sicherheitsapparat in Ägypten geht in eine neue Runde. In Kairo kam es am Samstag zu dramatischen Szenen vor der von Demonstranten besetzten Al-Fateh-Moschee, als während der Räumung des Gebäudes eine Schießerei entbrannte.

Nach den Unruhen der vergangenen Tage diskutiert die Übergangsregierung jetzt über ein Verbot der islamistischen Muslimbruderschaft. Zugleich drohte sie, mit "eiserner Faust" gegen Terrorismus vorzugehen. Übergangsregierungschef Hasem al-Beblawi sagte, es könne keine Aussöhnung mit denen geben, die "Blut an den Händen" oder gegen das Gesetz verstoßen hätten.

Allerdings betonte die politische Führung, dass sie den Mitgliedern der Muslimbrüder eine Teilhabe am politischen Übergangsprozess zusichert, die sich nicht an Gewalttaten beteiligt hätten. Sie seien "willkommen, sich dem friedlichen Marsch der Ägypter in die Zukunft anzuschließen", sagte ein Berater von Übergangspräsident Adli Mansur am Samstag vor Journalisten.

Spezialkräfte dringen in die Moschee ein

In der Al-Fateh-Moschee weigerten sich am Samstag zunächst mehrere Hundert Mursi-Anhänger, die dort seit Freitagabend ausgeharrt hatten, die von Sicherheitskräften und einer Menschenmenge belagerte Moschee zu verlassen. Die Menschen vor der Moschee seien aufgebracht, weil am Freitag aus der Kundgebung der Islamisten heraus Schüsse abgegeben worden seien, berichtete ein Fotograf der DPA-Partneragentur EPA.

Die Lage rund um die Moschee eskalierte am Nachmittag. Dutzende von Demonstranten flüchteten aus der Moschee, nachdem mehrere Schüsse gefallen waren. Reporter ägyptischer Fernsehsender sagten, die Sicherheitskräfte seien von Bewaffneten vom Minarett der Moschee aus beschossen worden. Mehrere Soldaten hätten daraufhin das Feuer erwidert. Demonstranten liefen in Panik aus der Moschee auf die Straße. Die Polizei griff ein, um sie vor einem wütenden Mob zu schützen, der sich vor dem Gebäude versammelt hatte.

Angehörige einer Spezialeinheit drangen anschließend in das Gebäude ein. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahmen sie sieben Bewaffnete fest, darunter einen Türken und einen Sudanesen. Am Freitag versammelten sich Anhänger der Muslimbruderschaft in mehreren Provinzen zu kleineren Protestkundgebungen.

Bei den gewaltsamen Zusammenstößen vom Freitag waren nach Angaben der Regierung 173 Zivilisten getötet und weitere 1330 Menschen verletzt worden. Unter den Toten ist ein Sohn des Oberhauptes der Muslimbruderschaft, Mohammed Badia.

Bislang 750 Tote, darunter 57 Polizisten

Insgesamt wurden seit Beginn der Ausschreitungen am vergangenen Mittwoch mehr als 750 Menschen getötet, darunter 57 Polizisten. Mustafa Hegasi, ein Berater von Übergangspräsident Adli Mansur, warf internationalen Medien vor, sie berichteten nicht über die Gräueltaten militanter Islamisten, beispielsweise über die Erstürmung der Polizeistation im Kairoer Bezirk Kerdasa, wo Offiziere getötet und ihre Leichen geschändet worden waren.

Der Vorsitzende der Auslandspressevereinigung (FPA) und langjährige "Spiegel"-Korrespondent Volkhard Windfuhr schrieb in einer Botschaft an die Mitglieder der Vereinigung, ein "sogenannter friedlicher Demonstrant" habe am Freitag auf der 15-Mai-Brücke in Kairo auf ihn geschossen. Er habe die Attacke mit viel Glück unversehrt überlebt. Aggressive "Protestierende" würden inzwischen wahllos Menschen angreifen.

Der Sprecher des ägyptischen Außenministeriums, Bader Abdel Atti, wies die Vorwürfe zurück, die Sicherheitskräfte gingen mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Demonstranten vor. Ägypten werde keinerlei Einmischung von außen akzeptieren, egal von welchem Land, fügte er hinzu.

Westerwelle zeigt sich "erschüttert"

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und sein Amtskollege aus Katar, Chalid al-Atija, äußerten sich bestürzt über die Eskalation der Gewalt in Ägypten. "Die neuen Todesfälle erschüttern und empören uns", sagte Westerwelle nach einem Treffen am Samstag in Berlin. Nur ein Dialog und eine stufenweise Abschwächung könnten zu einer Lösung führen. Mit Empörung habe die Bundesregierung auch die erneuten Angriffe auf Christen registriert.

Die koptisch-orthodoxe Kirche, deren Einrichtungen in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel islamistischer Brandattacken wurden, erklärte in der Nacht ihre Solidarität mit Polizei und Armee. Christliche Aktivisten registrierten seit Mittwoch landesweit 85 Übergriffe auf Christliche Kirchen, Schulen und Gemeindezentren, sowie auf Geschäfte und Häuser, die Christen gehören.

Unruhige Nacht: Festnahmen und Angriff auf dem Sinai

Im Norden der Sinai-Halbinsel töteten Unbekannte in der Nacht einen Polizisten auf der Straße zum Flughafen von Al-Arisch. Vier weitere Polizisten wurden nach Angaben der staatlichen Medien verletzt. Drei Angehörige der Ordnungspolizei erlitten bei einem zweiten Angriff auf eine nahe gelegen Wache ihrer Einheit Verletzungen. Die Angreifer konnten fliehen.

Die ägyptische Polizei nahm Safwat Hegasi, einen einflussreichen Prediger aus den Reihen der Muslimbruderschaft, fest. Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es, außer Hegasi seien noch sechs weitere führende Mitglieder der Islamisten-Bewegung festgenommen worden. Mehrere westliche Regierungen hatten die neuen Machthaber in den vergangenen Tagen davor gewarnt, die Muslimbrüder zu isolieren, deren Präsident Mohammed Mursi am 3. Juli nach Massenprotesten vom Militär gestürzt worden war.

tis/DPA/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools