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Die Wut der Carla Dauden

Brasilien auf den Barrikaden: Seit Wochen protestieren Hunderttausende von Menschen. Warum sind sie so wütend? Was hat die WM damit zu tun? Schauen Sie sich dieses Video einer jungen Brasilianerin an.

Von Niels Kruse

Die ganze Welt freut sich auf die Weltmeisterschaft in Brasilien nächstes Jahr. Die ganze Welt? Nein. Ein paar Menschen leisten Widerstand gegen das populärste, weltgrößte Sportereignis - und die nur unwesentlich kleineren Olympischen Spiele 2016. Es sind nicht irgendwelche Leute, nicht die üblichen Gegen-alles-Demonstranten, nein, es sind die Brasilianer selbst.

Natürlich nicht alle, aber vor allem die Jungen, die Künstler, die Studenten. All diejenigen, die in einigen Jahren in Brasilien eine mehr oder weniger große Rolle spielen werden. Wie zum Beispiel die Regisseurin Carla Dauden. In einem Video erklärt sie, warum sie die Fußball-WM boykottieren wird. Ihr sechsminütiger Clip ist aber auch eine Anklage gegen die Verhältnisse im Land, gegen die sich seit Tagen Protest regt.

"13 Millionen Brasilianer sind unterernährt, 21 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten und unser Land befindet sich auf Platz 85 des Weltentwicklungsindex - brauchen wir wirklich noch mehr Stadien?", fragt die junge Frau rhetorisch in die Kamera und rechnet vor: "30 Milliarden wird die Weltmeisterschaft kosten. Das ist mehr als alle drei vergangenen WMs zusammen gekostet haben. Ich werde nicht dahin gehen."

"Ich kann nicht helfen. Ich bin allein in dieser Scheiße"

Natürlich ist so ein Riesenevent nicht nur eine Frage des Geldes. "Die Verantwortlichen sagen: 'Die WM und die Olympischen Spiele sind der Anreiz für Brasilien, das Land weiter voranzubringen.' Ich aber frage mich: Welches Land braucht Anreize, sich um seine Bevölkerung zu kümmern?" Zwischen ihren Ausführungen zeigt Carla Dauden immer wieder Szenen aus dem Land selbst: Etwa einen Krankenhausarzt, der außer sich vor Wut ist, weil er seine Patienten nicht so behandelt kann, wie sie behandelt werden müssten. "Ich kann den Menschen nicht helfen. Ich bin allein in dieser Scheiße - und kein Gouverneur hilft", schimpft er sinngemäß.

Wie die junge Frau denken vermutlich viele Brasilianer: "Wir brauchen keine gigantischen Sportereignisse. Wir brauchen Bildung und ein vernünftiges Gesundheitssystem. Und eigentlich haben wir genug Geld dafür. Das heißt, wie hatten es. Bevor es für die WM und die Olympischen Spiele ausgegeben wurde."

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