Birmas Freiheitsikone hält emotionale Nobelpreis-Rede

16. Juni 2012, 17:43 Uhr

Dankesrede mit Verspätung: Nach über zwei Jahrzehnten hat Aung San Suu Kyi in Oslo endlich ihren Nobelvortrag gehalten. In ihrer Rede forderte die birmanische Oppositionschefin internationale Hilfe für die Reformen in ihrer Heimat.

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Der Friedensnobelpreis habe "eine Tür in meinem Herzen" geöffnet, sagte Aung San Suu Kyi in ihrer Dankesrede in Oslo©

Mehr als 20 Jahre nach ihrer Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis hat die birmanische Freiheitsikone Aung San Suu Kyi ihre Dankesrede für die Ehrung gehalten. Sie rief dabei am Samstag in Oslo zur nationalen Versöhnung in ihrem Heimatland auf und äußerte "vorsichtigen Optimismus" mit Blick auf die Demokratisierung Birmas. Zugleich verwies sie aber auf die anhaltenden gewaltsamen Konflikte in dem südostasiatischen Land.

Ihre Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis 1991 habe "eine Tür in meinem Herzen" geöffnet und sie zur Fortführung ihres Kampfes für Demokratie ermutigt, sagte die 66-Jährige in ihrer emotionalen Dankesrede im Rathaus von der norwegischen Hauptstadt. Mit der Vergabe des Preises habe das Nobelpreis-Komitee anerkannt, dass die "Isolierten und Unterdrückten in Birma auch Teil der Welt sind".

Suu Kyi hatte den Friedensnobelpreis 1991 nicht persönlich entgegennehmen können, da sie von der damals herrschenden Militärjunta in Rangun unter Hausarrest gestellt worden war. An ihrer Stelle hatten ihr britischer Mann Michael Aris und ihre Söhne die Auszeichnung entgegengenommen. Der Präsident des Nobel-Komitees, Thorbjörn Jagland, erinnerte am Samstag an den inhaftierten chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo, der bisher ebenfalls seinen 2010 verliehenen Friedensnobelpreis nicht entgegennehmen konnte.

Suu Kyi warnt vor "blindem Vertrauen"

Suu Kyi betonte in ihrer Dankesrede die Bereitschaft ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) zur Beteiligung an einem Prozess der nationalen Versöhnung. Zugleich mahnte sie zu Vorsicht. "Wenn ich für vorsichtigen Optimismus eintrete, ist es nicht, weil ich kein Vertrauen in die Zukunft habe, sondern weil ich nicht zu blindem Vertrauen ermutigen will", sagte Suu Kyi, die einen Seidenschal und Blumenschmuck im Haar trug. Sie rief zur Freilassung aller politischen Gefangenen auf. "Ein politischer Gefangener ist einer zu viel", sagte sie und warnte, die unbekannten Häftlinge zu vergessen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) würdigte in einem Glückwunschtelegramm "den niemals aufgegebenen Einsatz" Suu Kyis für Demokratie und Menschenrechte. Dank ihres Mutes und ihrer Ausdauer habe Birma "nun endlich den Weg der Veränderung und der Reformen eingeschlagen", erklärte das Auswärtige Amt in Berlin. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso lobte Suu Kyis "außergewöhnliche Leistung", die Millionen Menschen Hoffnung gegeben habe.

Das einst völlig abgeschottete Birma wird inzwischen nicht mehr von einer Militärjunta, sondern von einer formal zivilen Regierung geführt. Ende März 2011 löste sich die Junta auf und übergab die Macht an eine Regierung unter dem früheren General Thein Sein, die eine Reihe von Reformen zur politischen Öffnung des südostasiatischen Landes einleitete.

Suu Kyi, die sich seit 1988 in Birma für Demokratie einsetzt, verwies auch auf die anhaltenden gewaltsamen Konflikte in ihrer Heimat. "Im hohen Norden hat die Gewalt nicht aufgehört", sagte sie mit Blick auf den langjährigen Konflikt mit der ethnischen Minderheit der Kachin. Im Westen des Landes habe es "Brandstiftungen und Morde" gegeben, nur wenige Tage bevor sie zu ihrer Europareise aufgebrochen sei. Damit bezog sie sich auf die blutigen Zusammenstöße zwischen Buddhisten und Muslimen, bei denen im Bundesstaat Rakhine in den vergangenen Tagen laut Staatsmedien 50 Menschen getötet wurden.

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