Die Brücke über den Atlantik bröckelt. Der Bruch zwischen US-Präsident Bush und Kanzler Schröder scheint endgültig. Hält das deutsch- amerikanische Verhältnis das aus? Die Wirtschaft zeigt sich alarmiert. Und manche reagieren hysterisch

So frostig wie beim Nato-Gipfel im November in Prag geht es noch immer zwischen Schröder und Bush zu© Reuters
Der deutsche Botschafter in Washington hat es nicht leicht in diesen Wochen. Die Deutschen seien Schlappschwänze, undankbare Weicheier, die wohl vergessen hätten, wer sie von Hitler befreit habe, musste Wolfgang Ischinger sich bei Fox TV anhören. Minutenlang brüllte Bill O'Reilly, der beliebte erzkonservative Talkmaster den Diplomaten vor einem Millionenpublikum an. Bis jetzt ist solch aggressiver Schlagabtausch in den Medien die Ausnahme, aber der Ton zwischen Berlin und Washington ist so rau wie nie, und er wird schärfer. "Frankreich und Deutschland verlieren jeden Tag mehr Glaubwürdigkeit", schäumte der einflussreiche Republikaner Tom DeLay im Kongress, "und sie verlieren Ansehen in der Welt."
Anders als die Franzosen lehnt sich der treue Verbündete Germany allerdings zum ersten Mal seit dem Krieg gegen den Befreier auf - ein Vatermord, der irgendwann kommen musste, sagen die einen. Ein spektakulärer Fall von Undankbarkeit, schimpfen die anderen. Worum es wirklich geht in diesem transatlantischen Krach, wird im Gerassel der Scharfmacher auf beiden Seiten immer unklarer. "Well, es sieht so aus, als seien wir dem Krieg einen Schritt näher gekommen", ulkte Fernseh-Spaßmacher Jay Leno, "nicht mit dem Irak. Mit Frankreich und Deutschland."
Botschafter Ischinger versucht, den Schaden zu begrenzen. Im Washingtoner Studio von CNN erklärt der 56-Jährige mit der sanften Stimme und den freundlichen Augen den Amerikanern geduldig die Irakpolitik der Bundesregierung. Er kennt die USA, hat in Amerika studiert und versucht, sich seine Sorgen nicht anmerken zu lassen.
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Stern
Ausgabe 09/2003