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7. November 2007, 10:03 Uhr

Rosenrevolution verwelkt

Vier Jahre nach der Rosenrevolution versammeln sich die Menschen erneut in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Sie protestieren gegen Präsident Saakaschwili und fordern mehr Demokratie. Ihr einstiger Hoffnungsträger antwortet mit massiven Polizeieinsätzen und dem Ausnahmezustand.

Bis zu 1000 Demonstranten fanden sich vor dem Parlamentsgebäude in Tiflis zusammen, um gegen Präsident Saakaschwili zu protestieren© Surab Kurtsukidze/DPA

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat in der Hauptstadt Tiflis den Ausnahmezustand ausgerufen. Saakaschwili habe am Mittwochabend ein entsprechendes Dekret erlassen, teilte Georgiens Ministerpräsident Surab Nogaideli mit. Das Dekret werde demnächst ins Parlament eingebracht. "Das Parlament soll binnen 48 Stunden eine Entscheidung treffen", sagte Nogaideli nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Demnach sollen jegliche Kundgebungen und sonstige Massenveranstaltungen verboten werden.

"Mischa, du wirst bald stürzen!"

Mit Gummigeschossen und Tränengas war die georgische Staatsmacht zuvor gegen friedliche Demonstranten vorgegangen und hatte dabei mehr als 360 Menschen verletzt. Die Proteste gegen Präsident Michail Saakaschwili begannen bereits am vergangenen Freitag mit einer Kundgebung von mehr als 50.000 Menschen. Zunächst stand die Forderung nach einer Reform des Wahlrechts im Mittelpunkt der Demonstrationen. Inzwischen wird aber nur noch der Rücktritt Saakaschwilis gefordert, der vor vier Jahren in der "Rosenrevolution" an die Regierung kam.

Damals erzwangen tagelange Demonstrationen den Rücktritt von Saakaschwilis Vorgänger Eduard Schewardnadse. riefen junge Männer, als sie den Platz am Parlament erneut besetzten.

Mehr Demokratie, Herr Präsident!

Am gleichen Ort fanden 2003 die Demonstrationen der Rosenrevolution statt, die Saakaschwili an die Macht brachten. Seine jetzigen Gegner unterstützen zwar den prowestlichen Kurs des Präsidenten, werfen ihm aber vor, die Prinzipien des Rechtsstaats zu missachten und ein autoritäres Regierungssystem anzustreben.

"Ich möchte alle Länder und Freunde von Georgien bis hin zu den Vereinigten Staaten aufrufen: Bringt dieser Regierung bitte bei, was Demokratie ist", sagte Saakaschwilis ehemalige Außenministerin Salome Zurabishvili, die sich der Opposition angeschlossen hat.

Korruptionsvorwürfe aus den eigenen Reihen

Die Oppositionsbewegung verstärkte sich im September, als der ehemalige Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili inhaftiert wurde. Er kam erst wieder frei, nachdem er seine Korruptions- und Mordkomplottvorwürfe gegen Saakaschwili zurückgezogen hatte.

Am Dienstag erklärte Okruaschwili in einem Fernsehinterview von Deutschland aus, er habe die Vorwürfe nur unter Zwang zurückgezogen. Die Protestbewegung verlangt auch eine Vorverlegung der Präsidentenwahl. Saakaschwili hat dies zurückgewiesen und angekündigt, er werde bei der Wahl Ende 2008 für eine zweite Amtszeit antreten.

DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Schwarzenegger (08.11.2007, 15:02 Uhr)
@mupfeline
Es tut mit leid, Ihnen wiedersprechen zu müssen, aber die Vorgespräche zwischen Georgien und der Nato dauern schon seit 1995. Warum ist Georgien wohl immer noch kein Mitglied? Weil es zwischen den USA und Russland so festgelegt wurde. Russland drohte seit 1992 immer wieder mit Krieg, wenn Georgien einen Schritt zu viel auf den Westen zuging. Diese Kriegsdrohungen geschehen mittlerweile jährlich. Georgien zählt nach dieser Lesart zur russischen Einflusszone, die USA haben sich herauszuhalten. Ganz unabhänigig von diesen beiden Blöcken buhlen auch die Europäer um Georgiens Westanbindung, da Georgien geostrategisch äusserst interessant ist. Es tut mir leid es ihnen klipp und klar mitteilen zu müssen, aber die von Ihnen so bemitleidete "Opposition" ist nicht demokratisch, die wirklichen Demokraten stellen gegenwärtig die Regierung. Und Saakashvili hat allen Grund gegenwärtig von einem russischen Putsch- bzw. Sabotageakt auszugehen. Die "Opposition" ist mehrheitlich ein ultranationalistischer, esotherisch- faschistisch orientierter Haufen unter der Führung von Konstantin Gamsarchurdija, dem Sohn des früheren Diktators Swiad Gamsarchurdija. Ich bin diesem Typen einmal selbst begegnet, er verehrt den deutschen Faschismus, die Arier und Rudolph Steiner parallel. Die Morde seines Vaters streitet er ab und wirbt für eine göttliche und militärische Mission Georgiens. Das bedeutet Krieg, aber mit dieser nationalistischen Hetzerei gewinnt er viele Anhänger, vor allem unter den ärmeren Schichten, ähnliches Syndrom wie bei uns mit der NPD. Auch einige der "unabhängigen" Medien werden von Gamsrchurdijas oder prorussischen Kräften dominiert. Aber offenbar ist die hiesige Berichterstattung second hand und läßt sich mit Falschmeldungen abspeisen. Woher die kommen, kann man sich denken. Die Demokratie in Georgien ist äusserst gefährdet, aber sicher nicht von Saakashvili. Dieser versucht sie offenbar mit allen Mitteln zu schützen. Aber Ihnen reicht es offenbar, wenn das Stichwort "NATO" fällt. Das muß bei Ihnen ähnlich schrecklich klingen wie "Katzen ersäufen"...
mupfeline (08.11.2007, 07:46 Uhr)
Danke für die ausführliche Aufklärung
was auch immer davon stimmen mag - Wahrheit (und Sie schreiben ja die "Wahrheit" im Gegensatz zum Stern ist immer relativ und hängt von der Sicht des Betrachters ab.) Aber natürlich haben Sie vergessen zu erwähnen dass die USA Georgien mit allen Mitteln in die Nato holen wollen. Warum woh? Wei Georgien so eine hübsche gemütliche Lage hat oder weil die Lage des Landes im Kaukasus so exponiert ist ...!? Im übrigen haben Sie auch nix von Hunderten Verwundeten und dem Verbot regierungskritischer Zeitungen und Fernseh- und Radiostationen erwähnt. Aber natürlich wenn die alle gegen die Demokratie sind dann würde ich die auch verbieten und die verletzten Demonstranten haben sich sicher selber verletzt.
Wissen Sie, Demokratie hin oder her - wenn eine Demokratie vor allem ausmacht dass sie möglichst schnell in die Nato integriert werden soll dann fange ICH an zu Überlegen ...!
Schwarzenegger (07.11.2007, 22:23 Uhr)
Die Wahrheit sieht anders aus.
Lieber Stern, bitte, bitte schickt doch mal einen eigenen Korrespondenten nach Georgien anstatt die (Falsch-) Angaben im Grosshandel einzukaufen! Da ich selbst beruflich sehr viel mit Georgien zu tun habe und öfters selbst dort bin, kann ich die Sachlage anders einschätzen. Zunächst einmal hat sich die Korruption unter Saakashvili spürbar verringert. Es sind viele recht erfolgreiche Anstrengungen unternommen worden, um Georgien als verlässlichen Handelspartner zu positionieren. In der Korruptionsliste der Vereinten Nationen hat Georgien dadurch einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Versicherungen versichern z.B. Handelstransporte wieder, was vor einigen Jahren noch ausgeschlossen war. Georgien hat sich in den letzten Jahren reformiert und stabilisiert. Hinter der "Opposition" hingegen stehen extrem rückwärtsgerichtete Kräfte wie Konstantin Gamsachurdija, der Sohn des esotherisch-faschistischen Ex-Diktators Swiad Gamsachurdija. Seine faschistischen Anhänger nennt man Swiadisten. Dieses Gruselkabinett ist ähnlich bekloppt wie die hiesige NPD und fordert beispielsweise die kriegerische Rückeroberung von Abchasien (ein kleines Ex-georgisches Gebiet, das unter russischem Schutz unabhängig geworden ist). Mit anderen Worten: Diese Opposition demonstriert für einen Krieg, in den Russland ziemlich schnell (und mit Sicherheit zu Ungunsten von Georgien) eingreifen würde!
Auf der anderen Seite ist der Aufschwung noch lange nicht bei allen angekommen, es gibt viele wirtschaftliche Verlierer, die sich nun von ultranationalistischen Rattenfängern wie den Swiadisten ködern lassen. Präsident Saakashvili hat allein schon der erfolgreichen Korruptionsbekämpfung wegen zahlreiche Gegner, die ihre Pfründe verloren haben und nun eine Chance sehen, ihre Positionen durch einen Regierungssturz zurückzuerobern. Insgesamt werden viele undurchsichtige Süppchen auf diesem nationalistischen Feuer gekocht, welches die "Opposition" antreibt und viele hoffen, durch einen möglichen Regierungssturz in Positionen gespült zu werden. Sollte diese "Opposition" durchkommen, dann gute Nacht Georgien!
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