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"Notgeile Frauen sind schuld am Maidan"

Das Polit-Irrlicht Wladimir Schirinowski erklärt den Russen die Maidan-Revolution. Der Nationalist ist bekannt für steile Thesen. Doch dieses Mal ging er zu weit, als er eine Journalistin bedrohte.

Von Ellen Ivits

Einst bescherte der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski den russischen Liberal-Demokraten Traumwahlergebnisse von über 20 Prozent. Inzwischen wird noch von kaum jemandem ernst genommen und ist in seiner Heimat als absonderlicher Possenreißer verschrien. Aber wo Zaren regieren, muss es schließlich auch Hofnarren geben. Wladimir Putin hat einen! Mit seinen aberwitzigen Ideen mauserte sich Schirinowski zu einer festen Institution auf der Kreml-Bühne. Mal sind es Atombomben, die er über dem Atlantik abwerfen will, um Großbritannien zu überfluten. Mal fordert er einen "letzten Durchbruch nach Süden", damit russische Soldaten ihre Stiefel im indischen Ozean waschen können. Warum es in Europa niedrigere Kriminalitätsraten gibt? Schirinowskis hat da eine ganz kreative Antwort: "Weil Hitler alle Verbrecher in Europa vernichtet hat! Und wir haben das nicht getan."

Solche unheimlichen Äußerungen sind im Westen nicht vorstellbar und würden jede politische Karriere beenden. In Russland genießt der Vorsitzende der liberal-demokratischen Partei Russlands (LDPR), die weder liberal noch demokratisch ist, Narrenfreiheit. Auch zu der aktuellen Ukraine-Krise ließ er sich ein unheimliches Possenstück einfallen.

"Sie haben Tiere zwischen den Beinen"

Schauplatz: Pressekonferenz in der russischen Staatsduma. Erster Akt: Die Journalistin Stella Dubowitskaya fragt Schirinowski, ob Russland auf den ukrainischen Einreisestopp für russische Männer mit Sanktionen reagieren soll. Das veranlasst Schirinowski zu einer unglaublichen Hasstirade. Denn er wünsche sich keine Sanktionen, sondern "Zärtlichkeiten" für die Ukraine! "Heute läuft im Fernsehen ein Film über Sie: "Furien des Maidan", antwortet er der Journalistin. "Ihr seid alle tollwütig, die Frauen des Maidan sind alle tollwütig. Das ist Notgeilheit. Ohne diese Notgeilheit, gebe es keinen Maidan! Guckt euch nur diese dumme Ziege Irina Pharaon an! Sie sprüht nur so vor Russenhass. Denken Sie, sie hasst Russen wirklich? Sie vergöttert sie! Aber sie ist halt notgeil – kein Liebhaber, kein Ehemann. Sie hat ein Tier zwischen den Beinen! Genau wie Sie!“

Auf diese haarsträubende Ursachenerklärung des Maidan-Aufstandes ist wohl noch niemand gekommen. Doch Schirinowski nimmt hier erst Fahrt auf. Zweiter Akt: Seine perplexen Bodyguards fordert er kurzerhand auf, der "Notgeilheit" der Journalistin Abhilfe zu verschaffen. "Wenn ich rufe 'Christus ist auferstanden', fangt ihr an, sie zu vergewaltigen. Unsanft schubst er die verwirrten Männer in Richtung der Journalistin. Hilfesuchend sehen sich die Männer um. In Deutschland würden spätestens jetzt alle aufgebracht die Pressekonferenz verlassen, zu Recht. In Russland schmunzelt noch alles, so sehr ist man an die wahnsinnigen Eskapaden von Schirinoswki gewohnt.

Der Höhepunkt der Pressekonferenz kommt, als eine Kollegin einschreitet und zu bedenken gibt, dass die Frau schwanger und Schirinowski beleidigend sei. Hier kennt Schirinowski kein Halten mehr. "Was mischen Sie sich ein, Lesbe? Verschwinden Sie! Sie werden gefeuert!", brüllt er die junge Frau an. "Schwangere und Kranke sollten nicht arbeiten! Schwangere haben hier nichts verloren!"

"Russenhitler" als Schreckgespenst

Schirinowski hat sich zwar für seinen Ausraster öffentlich entschuldigt, doch "Russia Today", Putins Auslandsender und Arbeitgeber der bedrohten Journalistin, will den Skandal-Politiker auf Schadensersatz verklagen. In Russland, wo man Schirinowski auch als "Russenhitler" bezeichnet, ist man von der neuerlichen Tirade wenig überrascht. Der Nationalist wird schon lange für seinem Frauenhass gefürchtet. In einem Fernsehinterview sagte er einmal: "Wenn Männer euch sagen, dass sie euch lieben, lügen sie! Alle Männer lügen! Ich bin der einzige auf der Welt, der die Wahrheit ausspricht. Alle Männer hassen euch Frauen! Weil ihr den Mann daran hindert, sich zu entwickeln. Wenn er euch will, dann seid ihr nie zur Stelle!"

Mit solchen Skurrilität katapultiert sich Schirinowski selbst an den Rand der politischen Bühne. Bei der letzten Parlamentswahl im Marz 2012 kam die LDPR nur noch auf sechs Prozent der Wählerstimmen. Doch so lange er weiß, an wessen Hof er den Narren spielt, hat Schirinowski wenig zu befürchten. In Putins Reich kommt ihm eine ganz besondere Aufgabe zu: Nationalistische Wähler zu binden und ab und zu dafür zu sorgen, dass sich der Westen gruselt.

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