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Athen brennt

48 Stunden nach dem Tod eines 15-jährigen Schülers in Athen ist die Gewalt in Griechenland außer Kontrolle. Rund 4000 Autonome haben praktisch das Athener Stadtzentrum eingenommen, berichteten übereinstimmend griechische Medien. Die Demonstranten plünderten mehr als 20 Geschäfte und setzten einen riesigen Weihnachtsbaum in Brand.

Im Stadtzentrum von Athen ist es am Montagabend erneut zu schweren Krawallen gekommen. Rund 600 Autonome verwüsteten den Eingang und die Lobby zweier Hotels und plünderten mehr als ein Dutzend Geschäfte. Zudem zündeten sie den etwa 20 Meter hohen Weihnachtsbaum der Stadt Athen an, der daraufhin lichterloh zu brennen begann. Die Polizei ging mit einem massiven Tränengaseinsatz gegen die Randalierer vor. Zwei U-Bahnstationen wurden vorsorglich geschlossen. Damit sollte verhindert werden, dass die Autonomen den Betrieb stören. In den Stationen waberten Tränengaswolken.

Zuvor hatten rund 10.000 Demonstranten in der Innenstadt von Athen gegen Polizeigewalt protestiert. Die meist jugendlichen Demonstranten bemalten große Teile der Panepistimiou-Straße im Stadtzentrum mit roter Farbe. Die Farbe sollte das vergossene Blut des jungen Mannes symbolisieren, der am Samstagabend durch eine Polizeikugel ums Leben gekommen war. Zu der Demonstration hatte die kleine griechische Partei Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) aufgerufen.

Der Chef der oppositionellen Partei der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok), Giorgos Papandreou, rief die Bürger des Landes für Dienstagabend dazu auf, Kerzen im Zentrum der Stadt zu entzünden, um an das Opfer der Polizeigewalt zu erinnern. Zudem forderte er indirekt den Rücktritt der Regierung. "Alle junge Menschen sagen heute: Es reicht mit dieser Regierung, die ihre Verantwortung nicht übernimmt", sagte Papandreou im Fernsehen.

Bereitschaftspolizisten waren im Laufe des Tages auch in Thessaloniki und anderen griechischen Städten gegen Demonstranten vorgegangen, die mit Steinen warfen und Mülltonnen anzündeten. Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und der Polizei gab es unter anderem in Veria westlich von Saloniki sowie in der zentralen Stadt Trikala und in Chania auf Kreta.

Ministerpräsident mahnt im TV zur Ruhe

Ministerpräsident Konstantinos rief die Bevölkerung in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf. Es könne nicht geduldet werden, dass "der tragische Vorfall" in Athen zu solchen gefährlichen Ausschreitungen führe. "Der Staat wird die Gesellschaft schützen", betonte der Regierungschef.

Anlass für die schwersten Unruhen in Griechenland seit rund zwei Jahrzehnten war der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos am Samstagabend in Athen. Der Teenager gehörte nach Polizeiangaben zu einer kleinen Gruppe von vermutlich anarchistischen Jugendlichen, die gegen 21 Uhr einen Streifenwagen attackierte. Ein Polizist gab daraufhin drei Schüsse ab und traf den Jungen tödlich in die Brust.

Die Beamten machten Notwehr geltend, doch einige Augenzeugen erklärten griechischen Medien zufolge, die Polizei habe mit voller Absicht auf die Jugendlichen geschossen. Die beiden in den Vorfall verwickelten Beamten wurden festgenommen und des Mordes beziehungsweise der Beihilfe zum Mord beschuldigt. Staatspräsident Karolos Papoulias schickte ein Beileidstelegramm an die Eltern des getöteten Jungen, die Polizeigewerkschaft entschuldigte sich bei ihnen.

Allein bis Sonntagabend wurden nach Polizeiangaben 37 Beamte verletzt. Dutzende Banken, Geschäfte und Autos wurden angezündet. 22 Personen kamen in Polizeigewahrsam oder wurden festgenommen. Innenminister Prokopis Pavlopoulos und sein Stellvertreter boten ihren Rücktritt an, Ministerpräsident Karamanlis lehnte dies jedoch ab.

Proteste auch in Berlin und London

Die Zwischenfälle zogen auch im Ausland Kreise. Etwa 15 Demonstranten besetzten am Montag die konsularische Abteilung der griechischen Botschaft in Berlin. Aus dem Gebäude am Wittenbergplatz wurde nach Polizeiangaben ein Transparent gehängt, auf dem der griechische Staat für den Tod des Jugendlichen verantwortlich gemacht wird. Am Abend beendeten die Demonstranten die Aktion.

In London rissen Demonstranten die griechische Fahne vor der dortigen Botschaft herunter und setzten sie in Brand, anschließend zogen sie die rot-schwarze Fahne der Anarchistenbewegung auf und hängten ein Banner auf, auf dem gegen die tödlichen Schüsse auf den 15-jährigen protestiert wurde. Fünf der laut Polizei etwa 40 Demonstranten wurden festgenommen. Proteste gab es außerdem vor der griechischen Botschaft in Nikosia auf Zypern.

DPA/AP/AP/DPA

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