Athen brennt

8. Dezember 2008, 19:29 Uhr

48 Stunden nach dem Tod eines 15-jährigen Schülers in Athen ist die Gewalt in Griechenland außer Kontrolle. Rund 4000 Autonome haben praktisch das Athener Stadtzentrum eingenommen, berichteten übereinstimmend griechische Medien. Die Demonstranten plünderten mehr als 20 Geschäfte und setzten einen riesigen Weihnachtsbaum in Brand.

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Am Abend brannten in Athen erneut zahlreiche Mülleimer. Den ganzen Tag über hatte sich die Polizei Scharmützel mit den zumeist jugendlichen Demonstranten geliefert©

Im Stadtzentrum von Athen ist es am Montagabend erneut zu schweren Krawallen gekommen. Rund 600 Autonome verwüsteten den Eingang und die Lobby zweier Hotels und plünderten mehr als ein Dutzend Geschäfte. Zudem zündeten sie den etwa 20 Meter hohen Weihnachtsbaum der Stadt Athen an, der daraufhin lichterloh zu brennen begann. Die Polizei ging mit einem massiven Tränengaseinsatz gegen die Randalierer vor. Zwei U-Bahnstationen wurden vorsorglich geschlossen. Damit sollte verhindert werden, dass die Autonomen den Betrieb stören. In den Stationen waberten Tränengaswolken.

Zuvor hatten rund 10.000 Demonstranten in der Innenstadt von Athen gegen Polizeigewalt protestiert. Die meist jugendlichen Demonstranten bemalten große Teile der Panepistimiou-Straße im Stadtzentrum mit roter Farbe. Die Farbe sollte das vergossene Blut des jungen Mannes symbolisieren, der am Samstagabend durch eine Polizeikugel ums Leben gekommen war. Zu der Demonstration hatte die kleine griechische Partei Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) aufgerufen.

Der Chef der oppositionellen Partei der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok), Giorgos Papandreou, rief die Bürger des Landes für Dienstagabend dazu auf, Kerzen im Zentrum der Stadt zu entzünden, um an das Opfer der Polizeigewalt zu erinnern. Zudem forderte er indirekt den Rücktritt der Regierung. "Alle junge Menschen sagen heute: Es reicht mit dieser Regierung, die ihre Verantwortung nicht übernimmt", sagte Papandreou im Fernsehen.

Bereitschaftspolizisten waren im Laufe des Tages auch in Thessaloniki und anderen griechischen Städten gegen Demonstranten vorgegangen, die mit Steinen warfen und Mülltonnen anzündeten. Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und der Polizei gab es unter anderem in Veria westlich von Saloniki sowie in der zentralen Stadt Trikala und in Chania auf Kreta.

Ministerpräsident mahnt im TV zur Ruhe

Ministerpräsident Konstantinos rief die Bevölkerung in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf. Es könne nicht geduldet werden, dass "der tragische Vorfall" in Athen zu solchen gefährlichen Ausschreitungen führe. "Der Staat wird die Gesellschaft schützen", betonte der Regierungschef.

Anlass für die schwersten Unruhen in Griechenland seit rund zwei Jahrzehnten war der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos am Samstagabend in Athen. Der Teenager gehörte nach Polizeiangaben zu einer kleinen Gruppe von vermutlich anarchistischen Jugendlichen, die gegen 21 Uhr einen Streifenwagen attackierte. Ein Polizist gab daraufhin drei Schüsse ab und traf den Jungen tödlich in die Brust.

Die Beamten machten Notwehr geltend, doch einige Augenzeugen erklärten griechischen Medien zufolge, die Polizei habe mit voller Absicht auf die Jugendlichen geschossen. Die beiden in den Vorfall verwickelten Beamten wurden festgenommen und des Mordes beziehungsweise der Beihilfe zum Mord beschuldigt. Staatspräsident Karolos Papoulias schickte ein Beileidstelegramm an die Eltern des getöteten Jungen, die Polizeigewerkschaft entschuldigte sich bei ihnen.

Allein bis Sonntagabend wurden nach Polizeiangaben 37 Beamte verletzt. Dutzende Banken, Geschäfte und Autos wurden angezündet. 22 Personen kamen in Polizeigewahrsam oder wurden festgenommen. Innenminister Prokopis Pavlopoulos und sein Stellvertreter boten ihren Rücktritt an, Ministerpräsident Karamanlis lehnte dies jedoch ab.

Proteste auch in Berlin und London

Die Zwischenfälle zogen auch im Ausland Kreise. Etwa 15 Demonstranten besetzten am Montag die konsularische Abteilung der griechischen Botschaft in Berlin. Aus dem Gebäude am Wittenbergplatz wurde nach Polizeiangaben ein Transparent gehängt, auf dem der griechische Staat für den Tod des Jugendlichen verantwortlich gemacht wird. Am Abend beendeten die Demonstranten die Aktion.

In London rissen Demonstranten die griechische Fahne vor der dortigen Botschaft herunter und setzten sie in Brand, anschließend zogen sie die rot-schwarze Fahne der Anarchistenbewegung auf und hängten ein Banner auf, auf dem gegen die tödlichen Schüsse auf den 15-jährigen protestiert wurde. Fünf der laut Polizei etwa 40 Demonstranten wurden festgenommen. Proteste gab es außerdem vor der griechischen Botschaft in Nikosia auf Zypern.

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KOMMENTARE (10 von 10)
 
REINI2 (09.12.2008, 21:00 Uhr)
Verurteilen....... ABER NICHTS VERSTEHEN!
Na, da haben wir ja die nächsten „Spezialisten“ für „Linke Mobs“!
Der „Mob“ ist nur die Spitze des Eisberges! Soziale Missstände, hohe Jugendarbeitslosigkeit, Korruption, Vetternwirtschaft...... ja und da gibt es noch die Sache mit der Polizei.
So ab1967 wurde „lustig“ drauf los gefoltert bei den Griechen. Über 2000 Folteropfer.... von denen man weiß!
Dass die Polizei nicht mehr in die Uni darf hat folgenden Grund:
Am 14. November 1973 traten Studenten des Polytechnions in Athen in den Proteststreik gegen die Militärdiktatur. Sie verbarrikadierten sich auf den Hochschulgelände und installierten einen Radiosender, der zum Kampf aufrief. Tausende von Arbeitern und jungen Leuten schlossen sich ihnen an. In den frühen Morgenstunden des 17. November 1973 ließ die Regierung, nachdem die städtische Beleuchtung ausgeschaltet worden war und das Gelände weitgehend im Dunkeln lag, einen Panzer das Eingangstor niederwalzen, an das sich zahlreiche Menschen klammerten, und die Hochschule durch Soldaten stürmen. Wie viele Menschen beim Aufstand am 17. November 1973 getötet wurden, ist nie völlig geklärt worden. Nach einer späteren offiziellen Untersuchung gab es zwar keine Todesopfer unter Studenten des Polytechnions, jedoch kamen 24 Zivilisten bei der Niederschlagung des Aufstands zu Tode.
Alles kapiert ihr„Bürgerlichen Ehrenmänner“??
Gewalt geht meistens von beiden Seiten aus.... es muss nicht immer die physische Gewalt sein! Wer die Menschenrechte Jahrelang verletzt muss sich nicht wundern, wenn die Unterdrückten sich wehren!
Nur von einem „Mob“ zu sprechen ist eben nicht mal die halbe Wahrheit! Übrigens.... auch hier sind die Konservativen an der Macht und vernachlässigen die Fürsorge gegenüber ihrem VOLK!
Falls jemand Interesse hat, mehr über die jüngste Geschichte Griechenlands zu lesen... hier.
http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Milit%C3%A4rdiktatur
Dirk_37 (09.12.2008, 08:30 Uhr)
On the road
Zustimmung, 100%! Lassen Sie sich weiter beleidigen, mehr haben einige der linken Sympathisanten eben nicht drauf:-)
Der 15-jährige wird von manchen als Kindlein, von anderen als mutiger Rebellen gesehen. Ich bedauere den Todesfall natürlich auch sehr aber die Frage sollte schon erlaubt sein, was der junge Mann in eben dieser besonderen Gegend offensichtlich im Disput mit den örtlichen Sicherheitskräften gemacht hat! Das ist natürlich wieder eine zutiefst faschistische Einstellung, ich weiß:-)
Die linken Pappnasen sollten sich mal an dieselbe fassen und sich fragen, ob Gewalt wirklich ein Mittel zur Durchsetzung ihrer teilweise verquerten Theorien ist,mfG Dirk
exutiva (08.12.2008, 22:37 Uhr)
OnTheRoad....
wenn man keine ahnung hat einfach mal die fresse halten.... wenn du inormationen willst dann schau dir die griechischen nachrichten an... hier geht es in erster linie nicht um den toten 15jährigen... der tot dieses unschuldigen hat das fass nur zum überlaufen gebracht
OnTheRoad (08.12.2008, 22:27 Uhr)
Sorry...
aber wenn ich die meisten Kommentare hier lese geht mir echt die Galle hoch. Und jetzt noch mit der Schiene "Mut-gegen-rechte-Gewalt" zu kommen ist absolut daneben und hat damit wohl nichts im geringsten zu tun; wahrscheinlich dürfen wir Deutschen uns bald auch noch schuldig für die Lage in Griechenland fühlen. Ein Grund wird sich da bestimmt noch finden lassen. Vielleicht steckt ja auch der Bush dahinter, wer weiß. Oder dessen Truppen und Geheimdienste in Afghanistan. [Ironie-Modus OFF]
@horst.pachulke
ich korrigiere mal:
Wo Sicherheitskräfte anfangen kleine "FÜNFZEHNJÄHRIGE, MIT STEINEN AUF POLIZISTEN WERFENDE" Kinder zu erschießen werden sie zu Unsicherheitskräften.
Ein Aufschrei der Entrüstung und wir Deutsche mischen da natürlich an vorderster Front voll mit. Man soll jetzt Mitgefühl zeigen und wehe man tut es nicht. Schwups, rechte Ecke, weil gegen links und unmoralische Gedanken.
Es ist schön zu sehen, dass sich viele so dermaßen von den Medien blenden und lenken lassen. Wie damals im Irak, als plötzlich Video-Aufnahmen von britischen Soldaten gezeigt wurden wie sie einheimische Jugendliche brutal zusammenschlugen. Dass diese aber vorher mit Steinen gegen die Soldaten vorgingen wurde größtenteils verschwiegen.
Da ereignete sich am 17.11.1989 in Göttingen der Vorfall mit einer gewissen Conni Wessmann, welche einer Ausweiskontrolle entgehen wollte und während ihrer Flucht vor der Polizei auf einer Hauptstraße von einem Auto erfasst wurde und am Unfallort starb. Die gesamte linke Szene proklamierte anschließend, dass Conni W. von der Polizei in den Tod getrieben wurde. Und noch Jahre später kam es diesbezüglich bei Demos zu Krawalle und Ausschreitungen.
An anderer Stelle wurde bereits gepostet, dass es den Linken nur um Krawall geht und nicht um den einen Jugendlichen, wobei dieser jetzt bloß der Aufhänger und ein Freibrief ist, eine ganze Stadt in Brand zu stecken. Irgendwie erinnert mich das doch stark an die Zustände in den pariser Vororten vor 1-2 Jahren.
Abschließend stelle ich mir die Frage, was ein 15-jähriger mit Steinen auf Polizisten wirft? Was wäre gewesen wenn er nicht erschossen sondern zusammengeschlagen worden wäre? Höchstwahrscheinlich ähnliche Reaktionen. Dass hinter diesen Menschen, welche bei Demonstrationen ihren Ar... hinhalten und eigentlich alles über sich ergehen lassen müssen auch Familien stecken, interessiert keine Sau. Sind ja schließlich "nur" Polizisten. Abschließend möchte ich eine Frage in den Raum stellen. Warum sind Polizisten eigentlich bewaffnet???
sutem (08.12.2008, 22:07 Uhr)
Veränderung ja, aber Gewalt ist verzweiflung.
Ich bin selber eher links eingestellt, jedoch Gewalt stellt für mich keine Option zur klärung der Problematik dar. Solche Probleme löst man mit einem Schwert - Worte und Gedanken, Geist und Psyche sind dieses Schwert. Ich wünsche mir auch eine Veränderung der Gesellschaft zu mehr sozialer Gerechtigkeit - aber wenn ich mich hinstelle und Polizisten "beschädige" dann bin ich genauso dämlich wie die Polizisten die Personen, mit denen sie nicht umgehen können, gewalt antun. Ist mir auch schon passiert, auf das Level werde ich mich nicht begeben. Ja, tut etwas. Nein, nicht mit physischer Gewalt. Das erzeugt nur Gegengewalt.
Bobis (08.12.2008, 21:28 Uhr)
Weihnachtsbaum
Zizat Bild.de
"
In ihrer Wut schrecken die Randalierer vor nichts zurück! Sie zündeten sogar den riesigen Weihnachtsbaum der Hauptstadt an. Er war 20 Meter hoch, ein funkelndes Symbol für das Fest der Liebe...
"
Zitat-Ende.
Oh... Der arme Weihnachtsbaum. Wegen diesem Anarcholinken musste der brennen. Snif ...
Erschiesst sie, häutet sie, löst sie in Säure auf, hängt sie auf, ...
Kotz was für dekadentes Pack! Der Baum tut denen leid der junge tote kaum ...
Kroko (08.12.2008, 20:48 Uhr)
Hatten wir in Deutschland auch schon 1967
Der getötete hieß Benno Ohnesorg und was darauf folgte, endet wahrscheinlich erst 40 Jahre später mit Klars Freilassung.
...Kroko
horst.pachulke (08.12.2008, 20:22 Uhr)
Wo Sicherheitskräfte anfangen kleine Kinder zu erschießen werden sie zu Unsicherheitskräften.
Und wenn die Sicherheit erst mal weg ist - ist sie weg. Das dauert dann bis sie wieder kommt.

Fraglich ist auch wie der Präsident Griechenlands die Bürger mit dem Staat schützen will. Noch mehr Kinder erschießen? Oder zur Abwechslung mal Erwachsene liquidieren?
Ich wäre an seiner Stelle sehr vorsichtig. Wenn diese Situation entgleist, kann Griechenland in einen Bürgerkrieg rutschen. Schuldzuweisungen helfen da nicht weiter.
520i (08.12.2008, 20:17 Uhr)
Weiter So.
Wehrt Euch, Griechen! Hoffentlich macht das Beispiel Schule. Die Zeiten der Ausplünderung durch die neoliberalen Wirtschaftsfaschisten werden auch im Rest von Europa nicht ewig weitergehen.
Pengolodh (08.12.2008, 20:14 Uhr)
Offenbar...
... setzt die Polizei dort weiter voll auf Eskalation. Bloß wozu? Brauchen die einen Vorwand, für die nächsten 10 Jahre den Ausnahmezustand auszurufen?
Wie auch immer, unsere Presse wird es sich nicht nehmen lassen, selbst mutmaßliche Mörder als "Sicherheitskräfte" zu bezeichnen, das haben sie ja sogar bei den Leuten in Burma so gemacht, die gegen wehrlose Mönche vorgingen.
Die Sprachregelung kommt schließlich von ganz oben, da kann man nichts machen...