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Aborigines akzeptieren Entschuldigung

Mit "Danke, Mr. Rudd"-Plakaten feiern Australier den Sorry-Day. Erstmals in der Geschichte des Landes gab es eine offizielle Entschuldigung für das an den Ureinwohnern begangene Unrecht. "Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit fühlen wir uns als Teil Australiens", sagte ein Aborigines-Vertreter.

Die australische Regierung hat sich offiziell für die langjährige unwürdige Behandlung seiner Ureinwohner entschuldigt. Ministerpräsident Kevin Rudd erklärte am Mittwoch in der konstituierenden Sitzung des Parlaments, die Abgeordneten seien zusammengetreten, um ein großes Unrecht zu beseitigen. Einige der etwa 100 anwesenden Aborigines wischten sich während seiner Rede Tränen aus den Augen. Im ganzen Land versammelten sich Menschen, um die Sitzung live zu verfolgen. Allein vor dem Parlamentsgebäude sahen rund 7000 Bürger die Rede auf Großbildleinwänden und jubelten.

Schwarzer Fleck auf der australischen Seele

Rudd richtete sich vor allem an die Opfer der "Stolen Generation", die "bestohlende Generation", bis in die späten 60er-Jahre als Kinder von ihren Familien getrennt wurden, um in weißen Haushalten aufzuwachsen. Diese Politik sei ein schwarzer Fleck auf der australischen Seele und werde sich niemals wiederholen, so Rudd. "Wir entschuldigen uns für die Gesetze und die Politik der vorangegangenen Parlamente und Regierungen, die unseren australischen Mitbürgern großen Schmerz, Leid und Schaden zugefügt haben."

"Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit fühlen sich die Ureinwohner als Teil Australiens", sagte Mark Bin Bakar, ein Sprecher der "Stolen Generation", der Nachrichtenagentur Reuters. "Es geht darum, als Land zusammenzufinden, unsere Vergangenheit anzuerkennen und voranzukommen, uns gegenseitig als Brüder und Schwestern der Nation zu akzeptieren."

Mit Rudd kam die Wende

Rudd hatte sein Amt im November errungen und damit zwölf Jahre konservative Herrschaft beendet. Sein Vorgänger John Howard hatte eine offizielle Entschuldigung stets abgelehnt und nahm auch nicht an der Sitzung teil. Ein vor elf Jahren veröffentlichter Bericht hatte das Leid der "Stolen Generation" offenbart und eine Entschuldigung gefordert.

In Australien leben rund 460.000 Ureinwohner, etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt rund 17 Jahre unter der der übrigen Australier. Sie haben zudem eine deutlich höhere Säuglingssterblichkeit und Arbeitslosigkeit. Alkohol- und Drogenmissbrauch ist häufiger, wie auch häusliche Gewalt und der Anteil der Bevölkerung in Haft.

Reuters/ThoG/nik/Reuters

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