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Größte US-Bank stoppt Überweisungen an Wikileaks

Nach den Kreditkartenunternehmen Mastercard, Visa und dem Online-Bezahldienst Paypal wird nun auch die Bank of America keine Überweisungen auf das Konto von Wikileaks entgegennehmen. Für Wikileaks-Chef Julian Assange ein weiterer Beweis für eine Verschwörung gegen ihn.

Mit der Bank of America hat die größte US-Bank den Geldfluss an die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks gestoppt. Das Kreditinstitut führe keine Überweisungen zugunsten Wikileaks mehr aus, teilte die Bank of America mit. Das Verhalten der Enthüllungsplattform stehe im Widerspruch zu den Anforderungen, die die Bank an Überweisungen stelle, hieß es in einer Erklärung des Instituts am Samstag. Anfang Dezember hatten bereits die Kreditkartenunternehmen Visa Europe und Mastercard sowie das Online-Bezahlsystem Paypal sämtliche Zahlungen an Wikileaks auf Eis legten.

Wikileaks-Chef Julian Assange kritisierte das Verhalten der Bank in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP als "neue Form des "McCarthyismus" in den USA. Der US-Republikaner Joseph McCarthy führte in den 1950er Jahren einen unerbittlichen Feldzug gegen eine angebliche Unterwanderung von Staatsämtern durch Kommunisten und deren Anhänger. Liberale, Freidenker und Künstler gerieten damals ins Visier der US-Behörden, die auf der Suche nach "unamerikanischem Verhalten" häufig die Persönlichkeits- und Grundrechte der Beschuldigten grob verletzten.

In der gleichen Tradition sieht Assange nun auch die Bestrebungen der Geldhäuser. Sie wollten seiner Organisation um die Geldmittel bringen, die sie zum Überleben brauche, sagte Assange. Schließlich sei auch er auf die an Wikileaks überwiesenen Zahlungen angewiesen, damit seine Anwälte ihn vor einer Auslieferung in die USA oder nach Schweden schützen könnten.

Wikileaks-Enthüllungen betreffen möglicherweise Bank of America

Die Reaktion der Bank of America könnte indes noch einen anderen Hintergrund haben. Assange hatte vor kurzem in einem Interview mit der Zeitschrift "Forbes" für Anfang nächsten Jahres weitere Enthüllungen angekündigt, bei denen es um eine US-Großbank gehen werde. Den Namen der Bank nannte er nicht. An den internationalen Börsen war man sich jedoch bald sicher, dass es sich um die Bank of America handeln könnte. Allein das Gerücht genügte, um den Börsenkurs der Bank an einem Tag um drei Prozent sacken zu lassen, der Kurs erholte sich jedoch wieder schnell. Die Bank of America gehörte zu den großen Verlieren der Finanzkrise. Ihr Börsenwert rutsche von 50 Dollar vor der Krise auf rund drei Dollar ab. Die US-Regierung stützte die Bank mit knapp 50 Milliarden Dollar, die die Bank jedoch Ende 2009 wieder komplett zurückzahlte.

Wikileaks hatte Ende November mit der Veröffentlichung von 250.000 geheimen Dokumenten der US-Diplomatie begonnen und damit helle Empörung in Washington ausgelöst. Assange vermutet daher, dass nicht nur die gegen ihn gerichteten Ermittlungen wegen Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfen politisch motiviert sind, sondern auch das Verhalten der Banken von der US-Regierung beeinflusst werde. "Wir wissen jetzt, dass Visa, Mastercard und Paypal Instrumente der US-Außenpolitik sind", wurde Assange von seiner Mutter zitiert. Die Online-Dienste der Institute sind darauf von Hackern angegriffen worden.

Assange sieht sein Leben in Gefahr

Die Hacker-Gruppe mit dem Namen „Anonymous“ will ihre Strategie nun ändern. Man wolle den User das Leben nicht schwer machen und sie auch nicht langweilen, hieß es. Ihr neuer Plan ist für die IT-Experten erstaunlich analog: Sie haben am Samstag zu einer Plakatkampagne für Assange aufgerufen. Die "Operation Paperstorm" ("Operation Papiersturm") fordere die Anhänger der Enthüllungsplattform auf, "ein Logo, ein Manifest oder alles, was stark und sichtbar ist" zu drucken und an Tankstellen, in U-Bahnen oder anderen öffentlichen Orten aufzuhängen, hieß es in einer Nachricht der Gruppe auf ihrer Twitter-Seite "AnonOps communications. "Es ist Zeit, sie in ihrer Welt zu schlagen", hieß es in der Nachricht weiter. Es gehe darum, Information "an alle, an allen Orten" zu verbreiten. In der Twitter-Nachricht war zudem ein Video mit einem Drucker zu sehen, aus dem Plakate mit dem Foto Assanges und dem Satz "Truth will out" ("Die Wahrheit kommt heraus") erschienen.

Assange sieht sich nach seiner Freilassung aus der Haft in Lebensgefahr. "Es gibt eine Bedrohung für mein Leben. Es gibt Bedrohungen für meine Leute", sagte Assange am Samstag. Assange lebt derzeit auf dem Anwesen seines Unterstützers Vaughan Smith im Südosten Englands. Der 39 Jahre alte Australier muss eine elektronische Fußfessel tragen und sich täglich bei der örtlichen Polizeistation melden.

Reuters, AFP, DPA, hlue/DPA/Reuters

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