Wird die Luft bei Barack Obamas Vereidigung auf Giftgase geprüft? Planen Islamisten ein Attentat auf den US-Präsidenten? Geheimdienst-Mann Edwin Donovan darf solche Fragen nicht beantworten - und sagt im stern.de-Gespräch trotzdem viel über den Irrsinn, den mächtigsten Mann der Welt zu beschützen.

Selbst wenn er nur joggen geht, begleiten ihn ständig Secret Service Agenten: Barack Obama© Gerald Herbert/AP
Warum nervös?
Nein, nicht nervös. Das ist unser Job. Es ist sehr hektisch, es gibt viele Last-Minute-Änderungen, aber nervös sind wir nicht.
Jeder US-Präsident ist der bestgeschützte Mann auf dem Planeten. Aber natürlich ist auch uns bewusst, dass Obama der erste schwarze US-Präsident der Geschichte sein wird.
Es ist ein wichtiger Faktor. Es gab Berichte von Morddrohungen gegen Senator Obama. Es gibt viele Spekulationen darüber in den Medien. Wir selber machen das nicht zum Thema. Schon komisch, dass dies die Standardschlagzeile geworden ist: Obama ist der am stärksten bedrohte Präsident aller Zeiten. Wir haben das nie gesagt.
Wir würden das nie kommentieren.
Zu Zahlen äußern wir uns nicht. Aber wir untersuchen alles, was uns auf den Tisch kommt.
Ich darf Ihnen keine konkreten Beispiele geben. Aber wir werten jede Geheimdienst-Information aus und ermitteln sehr intensiv. Egal ob die Infos von Privatleuten kommen oder von örtlichen Behörden. Wir erlauben uns nicht den Luxus, eine Gefahr nicht ernst zu nehmen. Wir gehen jeder Spur nach.
Jede einzelne.
Ja. Ein gutes Beispiel ist: Jemand ruft uns an und sagt: Ich war gestern in einer Bar und hörte, wie jemand prahlte: Ich töte den Präsidenten. Dann verhören wir den Anrufer, gehen zu der Bar, suchen die Person. Wir wissen einfach nicht, wie ernst der Plan ist.
Wir hatten eine Reihe dieser Vorkommnisse. Wir dürfen nichts ausschließen und sagen: Ach, das ist lachhaft, diese Person will unserem Präsidenten bestimmt nichts antun.
Wir geben nie bekannt, wie viele Leute im Einsatz sind. Aber es ist natürlich ein großes Event. Weil er ein Schwarzer ist, ist die Aufmerksamkeit höher, es kommen mehr Menschen, wir erwarten viel größere Massen.
Es gibt eine interne Zahl, aber wir verraten die nicht. Ich kann ihnen aber sagen: 58 Behörden arbeiten zusammen. Wir vom Secret Service sind verantwortlich für den Masterplan, aber all die anderen helfen uns.
Es wird die größte Menschenmenge aller Zeiten geben und damit auch die größte Zahl an Sicherheitskräften. Deswegen ist es das größte Event.
Schwer zu sagen. Wir müssen uns um alles kümmern. Ich kann nicht sagen, das und das ist unsere größte Sorge.
Wir haben mehr als 20 Arbeitsgruppen, die sich darum kümmern. Da geht es um Luftsicherheit, um Massenbewältigung, Chaos Management. Und zwar für jedes Event. Bei der Rede vor dem Capitol gibt es andere Gefahren als auf der Parade und wiederum andere als auf den ganzen Bällen.
Auch diese Arbeitsgruppe gibt es.
Wir verraten unsere Methoden nicht. Wir hoffen, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind.
Das obliegt ihm. Wenn er es machen will, sind wir vorbereitet. George W. Bush hat es gemacht. Bill Clinton auch. Es ist seine Entscheidung.
Wir sind in Gesprächen mit seinem Team. Wir versuchen da zu einer Übereinkunft zu kommen. Bush ging auch Fahrradfahren, wir sind vorbereitet. Wir können unseren Schutz anpassen. Wenn der Präsident entscheidet, er möchte joggen gehen, dann sind wir bereit.
Wir müssen den Ort eben sehr genau untersuchen. Der Secret Service hat sich jene Bühne in jener Nacht angeschaut und ist zu dem Schluss gekommen, dass kugelsicheres Glas angemessen ist. Es gibt keine Standardprozedur, wir müssen uns immer den jeweiligen Bedingungen anpassen.
Jeder wird durchleuchtet.
Unsere Geheimdienste versorgen uns ständig mit Informationen. Wir haben unsere Antennen ausgefahren. Ich kann keine bestimmte Gruppe nennen.
Es ist bekannt, welche Feinde die USA und der Präsident haben, ich will keine hervorheben. Wir sind genauso auf den Einzeltäter vorbereitet, der es durch die Metalldetektoren schafft wie auf den organisierten Angriff einer Gruppe bis hin zu dem einer Terrororganisation.
Auf sie müssen wir vorbereitet sein. Einer der versucht, durch das Magnetometer zu kommen. Oder eine Person, die in einem Hotel arbeitet. Den fanatischen Einzeltäter haben wir immer im Blick.
Unsere Geheimdienste untersuchen jede Information, wir arbeiten mit allen Behörden zusammen. Bei jeder kleinsten Bedrohung ermitteln wir.
Keine Ahnung, woher diese Information kommt. Wir besprechen das nie. Solche Dinge werden erfunden.
Wir geben niemals die Zahlen der Bewacher bekannt, auch bei Staatsgästen nicht, die wir ja auch beschützen.
Wo haben Sie das denn her?
Ich bin mir sicher, die Zeitung kann dafür keine Quelle nennen.
Wir diskutieren unsere Methoden nicht. Ich sag nur so viel: Sehen Sie sich die heutige Sicherheitstechnologie an, und Sie können sicher sein, dass der Secret Service sich alles genau angeschaut hat. Sie können jetzt 50 Dinge auflisten. Wenn sie uns nützen, wenden wir sie an.
Wir haben viel Erfahrung damit, den Präsidenten in anderen Ländern zu beschützen. Präsident Bush war viermal im Irak und in Afghanistan, auch Vizepräsident Cheney. Das ist nichts Neues für uns. Wir sind bereit, ihn dorthin zu bringen, wo er hin will.
Wir verlassen uns auf lokale Behörden. Wir müssen mit der dortigen Polizei und Sicherheitskräften zusammenarbeiten, um einen umfassenden Sicherheitsplan zu erstellen.
Das kommentiere ich nicht.
Ich dachte, Sie interviewen mich nur zur Amtseinführung.
Es ist eine größere Herausforderung. Wir arbeiten mit der Polizei entlang der ganzen Route. Wir holen die Leute unserer Abteilung "Technical Security" dazu.
Hier geht es wieder um unsere Methoden, die bespreche ich nicht, aber klar, wir müssen die ganze Strecke sichern.
Die ganze Strecke.
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Der stern.de-Blog... ... American Venture beschäftigt sich ebenfalls mit den Vorbereitungen der Inauguration und den Hype um die Vereidigung.