Verstrahlte Soldaten als Versuchskaninchen

16. Februar 2010, 12:27 Uhr

Ein geheimer Bericht enthüllt Ungeheuerliches über die Atomtests der "Grand Nation": Frankreich soll bei seinen frühen Versuchen Soldaten vorsätzlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt haben, um die Reaktion von Truppen in einem Atomkrieg zu untersuchen.

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Französischer Atomtest in Polynesien 1971: Im Pazifik und in der Sahara wurden mehr als 200 Tests durchgeführt©

Frankreich hat offenbar Soldaten als Versuchskaninchen eingesetzt. Sie sollen bei frühen Atomtests vorsätzlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden sein. Ziel war es, die Reaktion der Truppen in einem Atomkrieg zu untersuchen. Das geht aus einem geheimen Bericht hervor, aus dem die Zeitung "Le Parisien" zitiert. Viele der Soldaten erkrankten später an Krebs und anderen Verstrahlungsfolgen. Fünfzig Jahre nach den ersten Atomtests in der algerischen Sahara will Frankreich in diesem Jahr erstmals Opfer entschädigen.

Der Geheimbericht behandelt den "Gerboise verte" genannten oberirdischen Atomversuch in Algerien am 25. April 1961. Darin heißt es, die Versuche sollten "die physiologischen und psychologischen Wirkungen der Atomwaffe auf den Menschen erkunden, um die nötigen Elemente für die physische Vorbereitung und moralische Ausbildung des modernen Kämpfers zu erhalten". Einige Soldaten wurden dafür nach der Explosion bis auf 275 Meter an das Explosionszentrum herangeführt.

Bei "Gerboise verte" simulierten die Franzosen zwei defensive Manöver sowie die Rückeroberung einer von einer Atombombe zerstörten Position. 300 Mann, vor allem in Deutschland stationierte Rekruten, wurden dafür mobilisiert. 35 Minuten nach der Explosion rückte ein Truppenteil zu Fuß bis auf 700 Meter zum Zentrum vor. Soldaten in Geländewagen folgten nach einer Stunde. "Diese Patrouille wurde 275 Meter vor dem Punkt null gestoppt", heißt es in dem Bericht.

Viele Testteilnehmer haben Krebs

Als Konsequenz aus dem Versuch folgerten die Militärs, dass "der Kommandeur niemals die verseuchte Zone betreten" sollte. Weil die Mobilität der Infanteristen von Gasmasken halbiert werde, sollten die Gasmasken durch einfache Staubmasken ersetzt werden. Für die folgenden unterirdischen Atomversuche wurde beschlossen, das Absetzen der Schutzmasken "in kontaminierter Atmosphäre" zeitweise zu erlauben. Bei zwölf der 13 unterirdischen Atomtests gelangte Radioaktivität in die Umwelt.

Etwa 4800 noch lebende Atomtestteilnehmer sind heute Mitglied der Veteranenvereinigung Aven. Von ihnen haben 35 Prozent Krebs, nur zehn Prozent sind gesund. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums waren 150.000 Zivilisten und Soldaten an den 210 Atomtests in der Sahara und in Polynesien beteiligt, die sich von 1960 bis 1996 hinzogen.

Verteidigungsminister Hervé Morin erklärte, er kenne den Geheimbericht nicht. Die Soldaten hätten aber "nur sehr schwache" Strahlungsmengen abbekommen. Zu den Atomversuchen sagte Morin: "Das ist ein herrliches Epos, das Symbol der Beständigkeit einer Nation, die die Mittel seiner eigenen Souveränität erringen wollte." Er habe gegen eine starke Lobby erreicht, dass Paris in diesem Jahr zehn Millionen Euro für die Opfer zur Verfügung stelle. "Wir können diese Summe erhöhen, wenn es nötig ist."

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
paladin09 (17.02.2010, 01:22 Uhr)
Experimente an Soldaten
sind nichts neues! So, schrecklich und unverständlich solche Experimente an unwissenden Soldaten sind. Haben gleiches die USA - Russland mit ihren Soldaten getan und nicht nur das. Während und nach dem 2.Weltkrieg wurden auch chemische, biologische Kampfstoffe oder LSD an unwissenden Soldaten oder Strafgefangenen getestet. Wenn, es um die Wirkungsweise, der Vernichtungsenergie von Waffen geht gingen Mitlitärführungen immer völlig rücksichtlos und menschenverachtend vor. Eine A-Bombe - Wasserstoffbombe - Plutoniumbombe soll nach ihrer Detonation schließlich so viele Menschen, wie irgendmöglich töten oder gar eine ganze Stadt dem Erdboden gleich machend zerstören. Atombomben sind, wie chemisch biologische Waffen Massenvernichtungswaffen sie töten Mill. Menschen auf einen Schlag.
Uranmunition wurde seit dem Jugoslawienkrieg in allen anderen Kriegen eingesetzt. Die Panzerbesatzung die durch Uranmunition getötet wurde hat die Strahlung der Munition sicher nicht mehr geschadet. Dafür durchschlägt Uranmunition dicksten, härtesten Panzerstahl und kleinere Bunker. Meiner Meinung nach sind Soldaten in mobilen Radarstationen, mobilen Radarfeuerleitständen einer viel höheren Gefährdung gesundheitsschädigender Radarstrahlen ausgesetzt als von Uranmunition die ihre Uranstrahlung auch erst beim auftreffen auf ihr Ziel freisetzen.
Doch Soldaten unwissend als Versuchskaninchen zu mißbrauchen und gesundheitsschädigender Waffenwirkung auszusetzen ist menschenverachtender Mord auf Raten und gehört vor ein Tribunal.
jetrabbit (16.02.2010, 15:59 Uhr)
gulf war syndrom
ist stark verbunden mit uranmunition, welche überall im irak und afghanistan zu finden ist.
x-cube (16.02.2010, 14:58 Uhr)
Verstrahlte Soldaten gibt es
auch im Irak, in Afganistan und im Kosovo. Denn da wird (ganz ohne gehäuchelte Empörung durch die Mainstream-Medien) Uran-Munition verschossen, welche strahlt und hoch toxisch ist. Es wirkt sich stark auf die DNA aus und die betroffenen bekommen schwer behinderte Kinder. Manchmal so krass das man nichts menschliches mehr erkennen kann.
Na Stern? Zu heisses Eisen?
Anscheinend....
Na dann muss man eben jene alternative Medien lesen, welche letztens von ARTE so liebevoll demontiert hätten werden sollen.
Demokratiesucher (16.02.2010, 14:48 Uhr)
Lang ist her, da kann man das ja ausgraben
Nur nicht davon berichten das heute genau das gleiche geschieht.
Noch nie was von Uranmunition gehört ?
Wir verseuchen gerade ganze Länder mit
Abgereichertem Uran.
Aber im Krieg gegen Terror, da darf man alles.
Sind ja alle Terroristen in Afghanistan, Irak, Kososvo, Somalia, Palestina usw.
endbenutzer (16.02.2010, 14:40 Uhr)
Aha!
Der Redakteur hat den Spielfilm auf ARTE gesehen...
sekretariat (16.02.2010, 14:23 Uhr)
Himmel, was für Armleuchter
dabei dachte ich immer, Frankreich wäre eine Demokratie. Also ein Land, in dem die Menschen, die dort wohnen, die Regierung wählen....
Dr.Tonklin (16.02.2010, 14:01 Uhr)
Same procedure wie beim big brother
Was der Geheimbericht da enthüllt, war doch auch beim US Militär gängige Praxis. Dass Soldaten in Richtung des aufsteigenden Atompilzes marschieren und über frisch verstrahlte Landstriche wandern, kann sich heutzutage jeder kostenfrei auf archive.org oder Google-Video ansehen.

Auch bei den amerikanischen Soldaten sprechen heute wie damals selbsternannte Experten und Politiker von schwachen Strahlendosen, versuchen Korrelationen mit Folgekrankheiten herunterzuspielen und brüsten sich lächerlich gering gehaltenen Veteranenfonds.
MisterBrezeldent (16.02.2010, 13:46 Uhr)
"Versuchs Kaninchen"
... und auch diesem Aufruf von Ihnen möchte ich aus voran genanntem Grund daher nicht Folge leisten. Non merci.
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