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30. September 2009, 15:19 Uhr

Beide Kriegsgegner sehen sich als moralische Sieger

Jetzt ist er draußen, der Untersuchungsbericht zum Kaukasus-Konflikt. Und beide Seiten sehen sich bestätigt. Die Georgier, obwohl ihnen vorgeworfen wird, den Krieg begonnen zu haben. Die Russen, die völlig unverhältnismäßig reagiert haben.

Georgien, Südossetien, Russland, Kaukasus

Au weia: Georgiens Präsident Michail Saakaschwili steht ohnehin schon unter Druck - der Untersuchungsbericht dürfte ihm jetzt noch mehr zusetzen© Efrem Lukatsky/AP

Georgien hat nach Feststellung einer internationalen Untersuchungskommission vor 13 Monaten den Kaukasus-Krieg gegen Russland begonnen. In einem Bericht der von der EU eingesetzten Kommission wird der bisherigen offiziellen Darstellung Georgiens widersprochen, das Land habe auf eine vorherige Invasion Russlands reagiert. Zugleich wird Russland in dem am Mittwoch vorgelegten Report jedoch wegen seines "unverhältnismäßigen" Vorgehens gegen und in Georgien scharf kritisiert.

Der Bericht der von der schweizerischen Diplomatin Heidi Tagliavini geleiteten Kommission wurde vom russischen EU-Botschafter Wladimir Tschischow begrüßt. "Der Bericht ist im Großen und Ganzen objektiv, darin ist die Schlussfolgerung enthalten, dass Georgien mit der Aggression gegen Südossetien begonnen hat", sagte er der Agentur Interfax. Die georgische Botschafterin Salome Samadaschwili sagte hingegen in Brüssel, sie entnehme dem Bericht, "dass Russland unter Verletzung internationalen Rechts in Georgien einmarschiert ist".

"Es gab keinen Angriff Russlands"

Tagliavini stellte fest: "Es gab keinen laufenden militärischen Angriff Russlands vor dem Beginn der georgischen Operation." Es habe auch nicht nachgewiesen werden können, dass Russland kurz vor einem solchen Angriff gestanden habe. Der Militäreinsatz zur Verteidigung sei in der ersten Phase des Konflikts grundsätzlich legal gewesen. Allerdings sei fraglich, ob das spätere Vorrücken russischer Truppen nach Kern-Georgien "notwendig und verhältnismäßig" gewesen sei. Es scheine so zu sein, "als ob ein großer Teil der russischen Militäraktion weit über die vernünftigen Grenzen der Selbstverteidigung hinausging".

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat bisher stets behauptet, sein Land sei erst in die abtrünnige Region Südossetien einmarschiert, nachdem russische Soldaten mit einer Invasion Südossetiens begonnen hätten. Russland hat seinen Militärschlag gegen Georgien mit dem georgischen Angriff begründet. Moskau habe die in Südossetien seit 1992 stationierten russischen Friedenstruppen sowie russische Staatsbürger schützen müssen. Die EU-Außenminister hatten im November 2008 Tagliavini mit der unabhängigen Untersuchung beauftragt. Sie gilt als exzellente Kennerin der Region.

"Russland verstieß gegen internationales Recht"

In dem Bericht heißt es, das von Moskau als "humanitärer Einsatz" bezeichnete militärische Vorgehen sei keineswegs vor allem oder ausschließlich auf den Schutz russischer Bürger ausgerichtet gewesen. "Es muss gesagt werden, dass die russische Militäraktion außerhalb Südossetiens im Wesentlichen ein Verstoß gegen internationales Recht war." Es habe nach dem 8. August "viele Verstöße gegen das Völkerrecht" in Südossetien und der russisch besetzten "Pufferzone" gegeben.

"Der Mangel an rechtzeitigem und hinreichend entschlossenem Handeln der internationalen Gemeinschaft" hat nach Ansicht der 19-köpfigen Untersuchungskommission zu der Krise beigetragen. Georgier, Abchasen und Südosseten hätten sich zu sehr auf "auswärtige Akteure und Aspekte" verlassen, ohne wechselseitig Vertrauen aufzubauen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
MRP66 (30.09.2009, 16:57 Uhr)
Robbespierre
wir sollten das Angebot der STERN-Admins annehmen. Bitte senden sie die Dossiers an die angegebene Emailadresse, admin@stern.de, diese Dossiers werden anschliessend an mich zugesand. Vielen Dank vorerst und auch die STERN-Administratoren.
jetrabbit (30.09.2009, 16:51 Uhr)
ich versuche stetz beide seiten zu sehen
und nicht einer einseitigen berichterstattung zu erliegen. das russland seine eigenen interessen durchsetzen will, und sich nicht von zugängen zu energie standorten abschneiden lassen will ist jedem klar... aber hier hat der stern und viele westliche medien in der vergagenheit ein sehr einseitigs bild abgegeben. das völlige weglassen der massiven einfuhr von kriegsgeräten aus NATO beständen nach georgien, die unzähligen NATO berater vor ort in georgien, besetzung von wichtigen posten durch antirussische personen, ständige provokationen der georgier gegenüber abkasien, bild material verfälschung der georgier, nach dem einmarsch der russen, welche auch hier im stern gezeigt wurden... das zeigt wie wichtig es ist, auch andere quellen zu lesen.
LaoLu (30.09.2009, 14:24 Uhr)
Was dieser Konflikt überdeutlich gezeigt hat:
das Risiko, wenn die Nato unkritisch ehemalige Mitglieder der UdSSR aufnimmt.
Da kommt nämlich leicht so ein Hazardeurchen wie der kleine S-wili auf die Idee, einen kleinen Streit mit dem großen Nachbarn vom Zaun zu brechen, um so sein Volk von der eigenen Unfähigkeit abzulenken.
Risiken hatte er da keine gesehen, schließlich stand ja der großen Bruder Nato hinter ihm?
Oluja (30.09.2009, 14:23 Uhr)
alter kaffe neu aufgebrücht, wie vorredner schon richtig anmerkten, jeder nebst der mainstreammedien und deren einseitiger anti-russland-propaganda wusste damals schon bescheid, was aber bis heute nebulös ist, was um gottes willen dachte sich kravattenkauerwilli dabei als er sich mit den russen anlegte mit zu erwartetem ergebnis und vor allem was noch interessanter ist, was machten dir rd. 1000 israelishcen und rd. 200 amerikanischen "militärberater" vor, während und nach der georgischen agression? und wie weit waren sie in diese verwickelt oder gar diese unterstützt?

mancher militärstratege selbst in russland sagt, das haben die amis geschickt gemacht, einen blöden (kravattenwilli) gefunden der für sie risikolos und kostenlos die russischen verteidigungsfähigkeiten testet.

das dieser irre in georgien imme rnoch an der mahct ist obwohl es seinem volk immer dreckiger geht, er aber trotzdem jheden dritten taler in sein militär steckt ist verwunbderlich.
Administrator (30.09.2009, 13:58 Uhr)
Liebe User,
bitte posten Sie keine Mailadressen öffentlich. Senden Sie uns die Angaben an admin@stern.de mit der Angabe, welchem unserer Leser wir diese weiter leiten sollen.

Herzliche Grüße

Ihre stern.de-Admins
auwei (30.09.2009, 13:17 Uhr)
@BOBtheBuilder
Der mit Abstand intelligenteste Kommentar. Vielen Dank.
BOBTheBuilder (30.09.2009, 12:35 Uhr)
wie unterscheidlich berichtet wird...
An diesem Konflikt läßt sich das Debakel der Medianlandschaft wunderbar ablesen. Die einen berichten wie Robespiere von russischen Provokationen, Jahrhunderte-langer malträtierung, etc. Die anderen Stellen schlicht weg die Frage der Nato, bzw auch der EU nach ihrem plötzlichen Interesse am Kaukasus.
Warum ist Georgien interesant für die Nato, westlichen Verteidigungsbündniss. Was hat Georgien der Nato zu bieten? Im Verteidigungsfalle ist man hier mit Sciherheit nicht auf die riesige georgische Armee angewiesen.
Natürlich geht es um Rohstoffe. Die fossilen Brennstoffe aus zentral Asien an Rusland vorbei nach Europa und dann auch in die USA zu transportieren. Das erklärt natürlich auch warum Russland ein viatles Interesse daran hat den Nato-Eintritt zu verhindern. Kalter Krieg 2.0 ganz frei von Ideologien! Da kommt dann auch das alte Spiel von der Sicherung von Machtsphären wiederum in Schwung.
Das berichten die anderen.
Wahrscheinlich haben beide Recht, die Frage wie sich die Deutschland/ die EU/ die Nato verhalten soll/muß ist eine Andere. Man muß sich jedenfalls vor Augenführen, dass es nicht um die Frage schwarz oder weiß, Schuld oder Unschuld geht, und vorallem dass der Westen/wir nicht überparteiliche "Weltpolizei" sind, sondern eingene Interessen verfolgen!
Robbespierre (30.09.2009, 11:45 Uhr)
@MRP66
Legen Sie doch eine anonyme Emailadresse an und posten diese. Ich werde Ihnen dann in den nächsten Tage ein Dossier mit Quellen posten.
MRP66 (30.09.2009, 11:40 Uhr)
Robbespierre
Danke für das Angebot. Können Sie das irgendwie online stellen lassen?
Haben Sie vielleicht ein Webblog? Ich google nicht so gerne nach ernsthaften Themen, da oft keine Quellenangabe vorhanden ist und ich nicht weiß, ob das verlässliche Quellen sind, oder vorgefertigte Meinungen. Aus diesem Grund nehme ich ebenfalls die öffentlichen Medien nicht allzu ernst. Ich halte es lieber nach dem Motto des erschossenen amerikanischen Bürgerrechtlers Bill Cooper : ""Read everything, Listen to everybody. Don't trust anything unless you can prove it with your own research." William Cooper (1943-2001)
Robbespierre (30.09.2009, 11:23 Uhr)
@MRP66
Nun, da ich über den Kaukasuskonflikt bzw. die Summe der vielen Kleinkonflikte politikwissenschaftlich gearbeitet habe, kann ich Ihnen gerne eine Literaturliste zuschicken, die die Zeitspanne in der Georgische Geschichte von der Blütezeit im MA über die russische Besatzung bis zur zweiten Unabhängigkeit und dem russischen Attentat auf Schewardnadze im Jahr 1995 abdeckt, bei welchem ich sogar zufälligerweise Augenzeuge wurde. Zur Zeit nach 1995 habe ich etliche Artikel gesammelt, die ich sowieso ordnen möchte. Gerne lasse ich Ihnen diese Literaturliste auch zukommen - ehrliches Interesse vorausgesetzt. Interressant ist auch Steinmeiers Reise nach Georgien 2008, kurz vor dem Ausbruch des Konflikts. Das können Sie zur Not sogar noch googeln. Wenn sie aufmerksam nachlesen, werden sie feststellen, daß Saakashvili den Westen zu Hilfe rief als die russischen Beschiessungen von georgischen Dörfern und gerogischen Stellungen begonnen hatten. Steinmeier und auch Condolezza Rice waren daraufhin vor Ort, ohe jedoch etwas ausrichten zu können. Für den Anfang tut es für Interessierte aber auch ein Blick in die Wikipedia. Allein da werden Sie sehr fündig werden! Bitte posten Sie doch eine Emailadresse. Danke.
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