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2. September 2011, 07:10 Uhr

Berlusconi nennt Italien "Scheißland"

Ein italienisches Ehepaar soll erst Falschaussagen für Silvio Berlusconi getätigt und ihn dann erpresst haben. Nach der Festnahme der beiden tauchten offenbar Telefonmitschnitte auf, in denen der Ministerpräsident pöbelt und seine Heimat ein "Scheißland" nennt. Er dementiert nicht, sondern beschwichtigt.

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Zum Lachen scheint dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi nicht zu Mute zu sein© Jacopo Raule/Getty Images

Wegen mutmaßlicher Erpressung des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi hat die Polizei am Donnerstag ein süditalienisches Ehepaar festgenommen. Der Unternehmer und seine Frau sollen von dem Medienmogul über eine halbe Million Euro für Falschaussagen eingestrichen haben, berichteten italienische Medien. Berlusconi wird von italienischen Medien im Zusammenhang mit dieser neuen Affäre aus einem abgehörten Telefonat so zitiert: In einigen Monaten werde er weggehen aus "dem Scheißland, das mich anekelt, Punkt und Schluss."

Nach Berichten des Wochenmagazins "Panorama" ermittelt die Staatsanwaltschaft von Neapel wegen "undurchsichtiger" Zahlungen über 500.000 Euro von Berlusconi an den Unternehmer. "Ich habe nichts Unrechtes getan, sondern nur einem verzweifelten Mann geholfen, ohne irgendetwas dafür zu verlangen", habe Berlusconi kommentiert. Dem Magazin zufolge erhielt der Italiener hingegen das Geld, um den justizgeplagten Premier mit Falschaussagen aus einem noch laufenden Verfahren wegen Prostitution herauszuhalten.

Der Unternehmer war 2009 im Zuge eines der Sexskandale Berlusconis als "Frauen-Beschaffer" für die Partys des Regierungschefs erstmals in die Schlagzeilen geraten. Damals hatte der heute 34-Jährige aus Bari bei einer ersten Festnahme wegen Korruption, Drogenhandels und Prostitution zugegeben, zwischen 2008 und 2009 über 30 junge Frauen für Feten in den Villen des Regierungschefs in Rom und auf Sardinien organisiert zu haben.

Unter den Mädchen war auch das Callgirl Patrizia d'Addadario, das später über angebliche Tonbandaufnahmen aus dem Schlafzimmer Berlusconis berichtete. Sie wollte 10.000 Euro für ihre Dienste erhalten haben. Vor allem die Opposition forderte nach der Affäre den Rücktritt Berlusconis, weil er sich durch seine Skandale "erpressbar" mache. Berlusconi betritt stets, jemals für Sex bezahlt zu haben.

Berlusconi flucht über Italien

"In einigen Monaten gehe ich weg aus diesem Scheißland, das mich anekelt, Punkt und Schluss", so soll der für seine häufigen Auseinandersetzungen mit der Justiz bekannte Berlusconi in einem Telefonat vom 13. Juli zu der Affäre gesagt haben, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. "Ich bin so transparent, so sauber in meinen Angelegenheiten ... die können sagen, dass ich rumbumse, das ist das einzige, was sie von mir sagen können ... sie setzen Spione auf mich an", wird er angeblich zitiert.

Von der Libyen-Konferenz in Paris sieht sich Berlusconi genötigt, sein Verhalten zu erklären. "Das ist eine dieser Sachen, wie man sie spät abends am Telefon so sagt, wohl in einem entspannten Augenblick und mit einem Lächeln", sagte der 74-Jährige. Er nannte das Abhören seiner Telefonate am Abend dann einen "Überfall", "unerträglich" und als einen Grund genannt, warum er Italien doch nicht verlassen wolle: "Ich bleibe hier, um dieses Land zu verändern." Seit langem sucht er gesetzliche Wege, das in Italien verbreitete Abhören zu Ermittlungszwecken drastisch einzudämmen.

swd/DPA
 
 
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