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20. Juli 2008, 15:22 Uhr

Wirbel um Obama-Rede

Am kommenden Donnerstag wird Barack Obama vor der Siegessäule in Berlin sprechen. Der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten hat seinen Auftritt nun auch offiziell bestätigt. Politiker von Union und FDP kritisierten jedoch die Ortswahl.

Spricht am Donnerstag vor der Siegessäule in Berlin: Barack Obama© Jae C. Hong/AP; Jockel Finck/AP

Obamas Wahlkampfbüro teilte am Sonntag in Chicago mit, Obama werde in seiner Rede auf die "historische US-deutsche Partnerschaft" eingehen und deutlich machen, dass die transatlantischen Beziehungen gestärkt werden müssten.

Ein Sprecher von Berlins regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit nannte es ein gutes Signal, dass Obama seine außenpolitischen Vorstellungen von Berlin aus deutlich machen wolle. Die Berliner Behörden rechnen mit einem Massenansturm zu Obamas Rede, die am frühen Abend geplant ist.

Von Merkel ausgelöste "peinliche Diskussion" beendet

Mit der offiziellen Bekanntgabe machte Obama tagelangen Spekulationen und politischen Spannungen über den Ort seiner Rede ein Ende. Er hatte ursprünglich am Brandenburger Tor sprechen wollen, diesen Plan aber fallenlassen, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel Bedenken angemeldet hatte. Ein Sprecher von Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte ihrem Argument widersprochen, die Nutzung des symbolischen Ortes für einen Wahlkampfauftritt sei fragwürdig. Obama will nun in Sichtweite zum Brandenburger Tor sprechen. Wowereit-Sprecher Richard Meng sagte, es sei gut, dass die von Merkel ausgelöste "peinliche Diskussion" nun vorüber sei.

Politiker von Union und FDP kritisierten die Ortswahl, weil das preußische Denkmal frühere Kriege Deutschlands glorifiziere und von Adolf Hitler als Zeichen deutscher Überlegenheit verstanden worden sei.

Merkel empfängt Obama während seines eintägigen Besuchs im Kanzleramt; er trifft auch Steinmeier. Seine Reise, die ihn zuvor nach Afghanistan und in den Nahen Osten führt, soll sein Profil in der Außenpolitik schärfen, wo der designierte Kandidat der Republikaner, John McCain, wegen seiner langen Erfahrung größere Kompetenz beansprucht. Von ihm sind derzeit keine Pläne für eine Europareise bekannt. Beide Politiker müssen noch von ihren jeweiligen Parteien offiziell für die Wahl am 4. November nominiert werden.

Obama machte sich am Sonntag bei einem Besuch in Afghanistan ein Bild von der Lage. Er traf Präsident Hamid Karsai, militärische Befehlshaber und US-Soldaten. Er hat US-Präsident George W. Bush vorgeworfen, Afghanistan gegenüber dem Irak zu vernachlässigen. Er will bei einem Wahlsieg 7000 weitere Soldaten in die Region schicken. Dies plant auch McCain.

Unabhängig vom Ausgang der Wahl wird erwartet, dass sich der künftige US-Präsident stärker um die Einbindung der europäischen Verbündeten bemüht als Bush. Als Kehrseite befürchten deutsche Politiker wachsenden Druck zu mehr Engagement etwa in Afghanistan. Obamas Beraterin Susan Rice sagte dem "Spiegel", die Nato müsse wie die USA mehr Truppen schicken, deren Einsatz nicht beschränkt werden solle. Die Bundesregierung lehnt aber eine Ausweitung des Mandats über den Norden Afghanistans hinaus ab. SPD-Chef Kurt Beck bekräftigte im ZDF, eine solche Ausweitung sei nicht möglich.

Großer Andrang an der Siegessäule erwartet

Die Berliner Behörden tun sich schwer, den erwarteten Andrang von Besuchern bei Obamas Auftritt zu beziffern. Der Baustadtrat des Bezirks Mitte, Ephraim Gothe, sagte dem Berliner "Tagesspiegel" zufolge, erwartet würden zwischen 10.000 und einer Million Besucher. Geplant ist Medienberichten zufolge eine Art Fanmeile mit großen Videoleinwänden wie zur Fußball-Europameisterschaft. Die Veranstaltung ist nach Angaben des Stabs von Obama frei zugänglich. Umfragen zufolge genießt Obama in Deutschland große Sympathien.

Wowereit-Sprecher Meng sagte: "Berlin freut sich auf Barack Obama. Das wird ein wichtiges Ereignis für die Stadt sein, wenn er von hier aus erklärt, wie er außenpolitisch agieren wird, wenn er gewählt wird."

Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
chatahootchee (22.07.2008, 07:31 Uhr)
DANN WAEHLT IHN MAL
Bin in Germany und habe gerade in ARD gehoert, dass 67% in D fuer BHO sind. Grossartig, dann waehlt ihn mal und wir sind einen Schaumschlaeger los.
Ist es Wahlkampf in D? Laesst sich D in den US Wahlkampf einspannen, damit BHO in die Schlagzeilen kommt? Es ist wie Fritzchen, der sich mit Pappbildern beruehmter Leute fotographieren laesst. Und D faellt darauf 'rein. Zumindest 67%.
Gisella (21.07.2008, 11:21 Uhr)
@Biedermann
Richtig- auch ich kann nur aus erfahrung sprechen- sind nach 20Jahren aus Florida zurückgekommen. die meinung dieser Floridianer war- "Jeder sollte einen haben"-einen Schwarzen- die meisten "Südstaaten" werden keinen Farbigen wählen und die Menschen geben einen F...darum , wer und wo hier in Deutschland spricht.
vegefranz (21.07.2008, 09:37 Uhr)
Klar, der mainstream ist unkritisch für Obama
In Deutschland hat einer gerufen: Mensch, der Obama ist viel besser als alle anderen Kandidaten. Und die Schafherde blökt im Chor: Das stimmt, Obama ist viel besser! Fakt ist, daß 99% der Obama Fans nichts über ihn und seine politischen Zielen sowie den Weg zur Umsetzung wissen. Dieser politische mainstream ist lächerlich.
Warlock_PA (21.07.2008, 09:28 Uhr)
ganz toll
wow, jetzt werden mal wieder kritische Beiträge vom Stern höchstpersönlich gelöscht. Soweit zum Thema Meinungsfreiheit.
Ernst_Derlage (21.07.2008, 04:14 Uhr)
Zurueck zur Sache
Obama soll ruhig an der Siegessaeule sprechen. Dieser Ort ist zwar ein bisschen bizarr fuer diese Angelegeheit, aber das duerften die Amis nicht wissen und es wird sie wohl auch kaum interessieren.
Wowies Lautsprecher verkuendet, die von Merkel ausgeloeste "peinliche Situation" sei damit beendet.
Nun, Merkel hat sich durchgesetzt. Die Situation ist daher in der Tat peinlich. Aber nicht fuer sie.
S.H. (21.07.2008, 03:17 Uhr)
WIRBEL ??
Ich lese auf stern.de in letzter Zeit (obwohl ich inzwischen lieber spiegel.de lese...) "Wirbel um..."... ist wirklich ein ehemaliger BILD-"Journalist" in der Redaktion? Kommt bald auch "Stern enthüllt/deckt auf/erfuhr...", "EXKLUSIV in Stern..." ? Das ist doch BILD Rethorik. Und ich mag BILD überhaupt nicht.
BiedermannGE (21.07.2008, 02:16 Uhr)
Obama und die US Amerikaner
Ich bin beruflich sehr oft in Südflorida und wohne dann (zur Zeit wieder) in Fort Lauderdale. Somit bekomme ich auch einiges mit – vor allen Dingen die politische Meinung. Nach vielen Gesprächen mit US Amerikanern hörte ich und der Meinung bin ich auch, dass er ein unerfahrener Schnösel und Schaumschläger sei, der Randgruppen für sich begeistert, denen ich nicht im Dunkeln begegnen möchte – und das ist kein Klischee. Erstaunlicher Weise bekomme ich hier in den Nachrichten nichts davon mit, das er in Berlin sprechen will. Was will der eigentlich in Deutschland?
Hoffentlich habe ich keinen Rechtschreibefehler drin!! ;-)
Grüße aus dem traumhaften Florida.
Simulacrum (20.07.2008, 23:21 Uhr)
Die Siegessäule und ihre Geschichte
Die Siegessäule hat längst einen anderen Stellenwert in der Berliner Geschichte erhalten. Die Love Parade hatte dort jährlich die Abschlusskundgebung; da hat sich auch kein Politiker aufgeregt und den Hitler-Vergleich gezogen. Solange sich Obama kein schwulstiges "ick bin ein Berlina" abringt, finde ich den Ort absolut okay.
Am Rande:
die Rechtschreibung Anderer zu diffamieren ist tatsächlich niederes Niveau. Aber diese und ähnliche Sinlosigkeiten sind in den Stern-Kommentaren ja leider überall zu finden.
bundesboy (20.07.2008, 21:04 Uhr)
Obama soll Bush endlich vergessen machen
Das wird was werden, wenn Obama erst Präsident ist und Merkel im Irak vor vollendete Tatsachen stellt. Dann wird sich nämlich herausstellen, dass die Welt so grottenschlecht regiert wurde, dass eigentlich jede Unterstützung für Bush den Tatbestand der Beihilfe zu Schwerverbrechen erfüllt.
Merkel wird der grosszügige Empfang für Obama im Kanzleramt 2009 nichts mehr nützen, denn es wird ja immer klarer, dass sie nur wenig geleistet hat für Deutschland.
Im Prinzip müsste nach einem Sieg Obamas die SPD im kommenden Frühjahr Schröder als Kanzlerkandidaten nachnominieren, denn er hat es allemal verdient, mit einem neuen Freund in Amerika auch Deutschland nochmal zu regieren.
Man bedenke, auch Churchill wurde einmal abgewählt und dann 4 Jahre später zurückgeholt. Sowas muss in Deutschland auch endlich mal möglich sein.
Russlanddeutscher (20.07.2008, 20:28 Uhr)
Ich fänds cool,
ein bischen Multi-Kulti in Berlin.
Diese einethnische Wüste dort braucht mal etwas Farbe.
(Spaß)Bitte nicht steinigen.
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