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Nach sexueller Belästigung: "Fox News" feuert Trumps Lieblingsmoderator

Bill O'Reilly war 20 Jahre lang der bekannteste konservative TV-Moderator der USA. Nach mehreren Vorwürfen wegen sexueller Belästigung hat der Nachrichtensender Fox News ihn nun entlassen - doch Präsident Trump ist auf seiner Seite.

Zu sehen ist der Moderator Bill O'Reilly im Portrait.

Star Moderator O'Reilly: In den letzten Wochen hatten sich schwere Vorwürfe gegen ihn angehäuft

Wegen mehrerer schwerer Vorwürfe der sexuellen Belästigung hat sich der konservative US-Sender  von seinem Starmoderator Bill O'Reilly getrennt. Der Sender habe sich mit O'Reilly geeinigt, dass dieser seine Arbeit bei Fox News nicht fortsetzen werde, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Die "New York Times" hatte im März berichtet, dass O'Reilly und sein Sender insgesamt 13 Millionen Dollar (12,2 Millionen Euro) als Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt hätten, die dem 67-Jährigen vorwarfen. Unter anderem werden ihm anzügliche Bemerkungen und körperliche Belästigung vorgeworfen. Außerdem soll er die Frauen telefonisch bedrängt haben, während er masturbierte.

Der Fall eines großen Stars

Wegen der Anschuldigungen verlor O'Reillys Talksendung in den vergangenen Wochen Berichten zufolge über 60 Werbekunden. Erst nach dem Verlust all dieser Werbepartner zogen die Verantwortlichen bei den Schlussstrich.

Der Moderator war bis vor kurzem der wichtigste Star von Fox News, dem größten US-Newssender. Nachrichtenportal  nannte ihn das "Gesicht der konservativen Bewegung" im Amerika der vergangenen 20 Jahre. Tatsächlich war der "O'Reilly Factor" einer der beliebtesten politischen Sendungen bei Fox News. Der Moderator wurde dabei über Jahrzehnte als provozierender Fragesteller und Meinungsmacher wahrgenommen. Er fiel durch teils extreme Positionen auf. So äußerte er etwa, die Todesstrafe sei für einige Straftäter zu human, diese hätten stattdessen Arbeitslager verdient. O'Reilly bestreitet alle Vorwürfe und vermutet eine Verschwörung gegen sich.

Donald Trump unterstützt O'Reilly dennoch

Zuletzt hatte sich US-Präsident Donald Trump hinter O'Reilly gestellt. Dieser sei "kein schlechter Mensch", sagte der Präsident nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Moderator. "Ich glaube nicht, dass Bill irgendetwas falsch gemacht hat", fügte Trump hinzu.

Trump und O'Reilly kennen sich seit 30 Jahren und sind gut befreundet. Im Licht des Skandals berichten nun mehrere amerikanische Medien über die tiefen Verbindungen zwischen Trump, O'Reilly und Fox News. Es wird beschrieben, wie massiv sich der Präsident und der Fernsehsender gegenseitig unterstützen. Trump empfiehlt regelmäßig Fox News-Sendungen via Twitter, der Sender revanchiert sich mit äußerst positiver Berichterstattung, so sehr, dass der US-Sender NBC jüngst Fox News als "Staatsfernsehen" bezeichnete. Die "New York Times" schrieb dazu: "Es ist erstaunlich, dass ein amtierender Präsident sich vom Oval Office aus in sexuelle Missbrauchsvorwürfe einmischt" – und dabei klar Position zugunsten des Beschuldigten bezieht.

Klüngeln im Oval Office

Das erste Interview als Präsidentschaftskandidat gab Trump im Sommer 2015 der Sendung O'Reillys. Damals kündigte der Moderator den späteren Präsidenten als langjährigen Freund und Geschäftspartner an. Nicht nur das: Auch die Belästigungsvorwürfe gegen den Star-Moderator erinnern an ähnliche Vorwürfe gegen Trump im vergangenen Herbst. Insofern ist es nur konsequent, wenn Trump jetzt seinen Freund verteidigt und sagt, an seiner Stelle wäre er gegen die Damen vor Gericht gezogen.

Gerade in den vergangenen Wochen war Fox News zu einer Art Haussender für Trump geworden. Während er andere Medien als Staatsfeinde beschimpfte, lobte er die angeblich stets korrekte Darstellungsweise des Murdoch-Senders, dessen Journalisten sich oft lobend über die Politik Trumps äußern.

jse/DPA/AFP

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