Desmond Tutu befürchtet das Schlimmste vom Ausgang der Wahl in Südafrika: Er würde sich schämen, wenn ANC-Kandidat Jacob Zuma Präsident würde - was sehr wahrscheinlich ist. Im Interview sagt der Friedensnobelpreisträger: "Inzwischen gibt es interessante Alternativen."

Desmond Tutu kritisiert die Partei Nelson Mandelas: "Der ANC muss mehr über die Menschen nachdenken"© Peter Klaunzer/EPA
Ja, ich denke schon. Damals war ich sehr traurig über die Situation in unserem Land. Bisher habe ich immer für den Afrikanischen Nationalkongress, den ANC, gestimmt, obwohl ich kein Mitglied irgendeiner Partei bin. Und es gab damals keine echten Alternativen, für die man hätte stimmen können. Inzwischen gibt es interessante Alternativen.
Ich werde für die Partei stimmen, die mir sagt, wie sie gegen die politische Verschmutzung vorgehen wird.
Das stimmt. Es gibt immer noch genügend Leute, die es für eine Gotteslästerung halten, ihre Stimme nicht dem ANC zu geben. Wegen allem, was er für die Befreiung des Landes getan hat. Natürlich muss man es sich zweimal überlegen, ob man gegen die Partei Nelson Mandelas stimmen kann. Es ist jedoch eine gute Sache für die Entwicklung unserer Demokratie, wenn Leute auch andere Parteien wählen. Wir waren ja fast schon ein Einparteienstaat. Der ANC muss mehr über die Menschen nachdenken, die er regiert. Wenn man zu viel Macht hat, verliert man seine Bescheidenheit.
Ich hatte gehofft, dass all die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, vor Gericht geklärt werden. Das wäre die beste Weise gewesen, die Korruptionsverdächtigungen aus der Welt zu schaffen. Wenn man unschuldig ist, hat man einen Prozess ja nicht zu fürchten. Wie die Staatsanwaltschaft nun die Anklage gegen Zuma fallen ließ - das hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben.
Politik ist eine interessante Sache. So mancher Kommentator hofft gegen alle Indizien, dass Zuma klug genug sein wird, gescheite Leute um sich zu scharen. Er ist ja auch ein warmer Mann, der einen viel besseren Draht zu Menschen hat als sein Vorgänger. Aber wenn man ihn etwa mit Barack Obama vergleicht - wie soll er dem das Wasser reichen?
Gewiss. Aber ich hätte gehofft, dass Zuma nicht mit diesem ganzen Ballast ins Präsidentenamt einzieht. Er kommt mit einem Handicap, und das ist traurig.
Mandela sagte einmal, dass er sich, wenn er in den Himmel kommt, als erstes dem dortigen ANC-Ortsverein anschließen wird. Er ist ein unglaublich treues Parteimitglied - das grenzt schon fast an blinde Loyalität.
Diese Kinder haben viele Menschen enttäuscht. Auch in der Art, wie sie mit Ex-Präsident Thabo Mbeki umgesprungen sind. Darüber bin ich traurig.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, was Tutu von der Fußballweltmeisterschaft in seinem Land hält.