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10. Januar 2011, 08:08 Uhr

Westerwelle will nicht von Krieg sprechen

Erst Verteidigungsminister zu Guttenberg, dann Kanzlerin Merkel und nun der Außenminister: Guido Westerwelle hat dem Bundeswehrlager in Kundus einen Blitzbesuch abgestattet. Das Wort "Krieg" nahm er dabei lieber nicht in den Mund.

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Antreten zum Gruppenfoto: Deutsche Soldaten mit Außenminister Guido Westerwelle im Feldlager Kundus© Can Merey/DPA

Außenminister Guido Westerwelle ist zu einem Blitzbesuch bei der Bundeswehr im nordafghanischen Feldlager Kundus eingetroffen. Die Reisepläne waren aus Sicherheitsgründen bis zur Ankunft geheim gehalten worden. Der Minister war am Montag mit einem Transall-Militärtransporter von Kabul nach Kundus geflogen. Der Aufenthalt im Feldlager sollte nur drei Stunden dauern. Für Westerwelle ist dies seit seinem Amtsantritt der erste Besuch in Kundus. Zuletzt waren in Kundus kurz vor Weihnachten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu Gast.

Westerwelle lobte das Engagement der deutschen Soldaten. "Diese Leute halten für unsere Freiheit und unsere Sicherheit ihren Kopf hin", sagte der FDP-Politiker. Da müsse man seine Solidarität zeigen. "Unser Land ist stolz darauf, was Sie für unsere Freiheit tun." Zur Frage, ob es sich bei dem Konflikt in Afghanistan um einen Krieg handele, sagte Westerwelle: "Dass das, was hier stattfindet, von den Soldaten als Krieg empfunden wird, ist menschlich nachvollziehbar." Als Außenminister könne er sich diesen Sprachgebrauch aber nicht zu eigen machen.

Der Minister legte am Ehrenhain für die gefallenen deutschen Soldaten einen Kranz nieder. Geplant war auch ein Gespräch mit dem neuen Gouverneur der Provinz, Mohammed Dschagdalek. Der Vorgänger war im Oktober bei einem Anschlag getötet worden.

Westerwelle bekräftigt Abzugspläne

Bei einem Treffen mit Präsident Hamid Karsai in Kabul am Sonntag hatte Westerwelle von der afghanischen Regierung mehr Anstrengungen gegen Korruption und Drogenhandel verlangt. Er mahnte zugleich einen besseren Schutz für religiöse Minderheiten an. Der FDP-Chef bekräftigte nochmals die Pläne für den schrittweisen Abzug der deutschen Truppen. Zum Jahresende sollen die ersten deutschen Soldaten das Land verlassen. Ende 2014 will die Nato die Verantwortung für die Sicherheit den Afghanen übergeben. Über das neue Afghanistan-Mandat der Bundeswehr entscheidet der Bundestag am 28. Januar. An diesem Mittwoch beschäftigt sich damit bereits das Kabinett.

Den Afghanen hatte Westerwelle am Sonntag versichert, dass Deutschland auch nach dem Ende des Kampfeinsatzes an ihrer Seite stehen werde. Das Land dürfe niemals wieder "terroristischen Strukturen" überlassen werden, sagte er. "Auch in den Jahren nach 2014 wird Deutschland Afghanistan nicht allein lassen."

Zuvor hatte Westerwelle das Nachbarland Pakistan besucht und dort ebenfalls für eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus geworben. Das weltweit zweitgrößte islamische Land - zugleich Atommacht - habe eine "absolute Schlüsselrolle" für die gesamte Region. Auf Forderungen nach deutscher Waffenhilfe ging er nicht ein. Das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan gilt als wichtigstes Rückzugsgebiet von islamistischen Extremisten.

mad/DPA
 
 
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